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Die Sucht "aus der Steckdose"

Foto: KNA
Ohne Computer geht heutzutage nicht mehr viel, trotzdem sollten Jugendliche auch den Aus-Schalter kennen.

Die Sucht "aus der Steckdose"

Von: Stanislaus Klemm | 2. Juni 2013
"Ich mache mir große Sorgen um meinen Sohn Pascal. Er ist 15 Jahre alt und verbringt seine Freizeit nur noch am Computer, wo er mit irgendwelchen Leuten im Internet Spiele macht, manchmal vier bis fünf Stunden am Tag. Er vernachlässigt die Schule, seine Freunde, bewegt sich kaum, schläft und isst schlecht, ist zunehmend gereizt und aggressiv, wenn wir mit ihm über sein Verhalten sprechen wollen. Er ist mit seinem Computer regelrecht verheiratet. Wohin führt das?" Solche und ähnliche Gespräche kennen die Lebensberatung und die Telefonseelsorge in steigendem Maße.

Das, was Kinder für ihre Entwicklung so notwendig brauchen, was sie glücklich und stark macht und ihre Phantasie beflügelt, nämlich das Spielen, wird durch manche Computeraktivitäten (hier insbesondere "Online-Rollenspiele") aber auch durch den exzessiven Kontakt zu sozialen Netzwerken zu einem Suchtpotential, das verhaltensauffällig und krank machen kann. Die Klaviatur der Spielkonsolen entwickelt sich zusehends zur Tastatur des Schreckens. Das anregende und spannende Computerspielen ("gaming"), mutiert immer mehr zur Spielsucht ("gambling"). 1,7 Prozent aller deutschen Jugendlichen im Alter von 15 Jahren gelten bereits als computerabhängig, mit all den Faktoren, die eine Sucht ausmachen: zwanghafte Dosissteigerung, das "nicht mehr aufhören können", Entzugserscheinungen, verbunden mit körperlichen, seelischen und sozialen Störungen und Schäden. Wann wird Spielleidenschaft zur Spielsucht? Worauf sollten Eltern hier achten?

Besorgniserregend ist nicht nur die reine Stundenzahl, die ein Jugendlicher am Computer verbringt, sondern die beinahe Ausschließlichkeit dieser Beschäftigung. Wenn er keine anderen Spiele mehr kennt, sich kaum noch bewegt, die Sonne regelrecht meidet, wenn die reine Beschäftigung mit seiner "virtuellen" Computerwelt die eigentliche Realität immer mehr meidet und ausspart, ist Alarm angesagt.

Entscheidend ist hier die Motivation des Spielens. Fatal ist etwa die Erfahrung, dass Jugendliche das Spielen oft benutzen, die Lösung vorhandener echter Probleme dadurch zu meiden, indem sie ersatzweise "virtuelle" Probleme am PC lösen und dadurch Lob und Anerkennung erhalten, wenn sie hier den begehrten nächst höheren Leistungs-Level erreichen. Die realen Probleme hingegen werden dadurch allerdings immer gravierender, häufen sich an. Ein Teufelskreis.

Einem Jugendlichen grundsätzlich das Computerspiel, das durchaus auch positive Eigenschaften hat, vorbehaltlos zuzugestehen und ihn gleichzeitig zu anderen Spiel-, Freizeit- und Beschäftigungsaktivitäten anzuregen, zu motivieren und sie ihm auch realisieren zu helfen, das ist der beste Schritt in Richtung seelischer Balance und Suchtvermeidung.

Wer sich von Anfang an für das Spielen seiner Kinder interessiert, genau hinschaut und mit ihnen im Gespräch bleibt, kann am besten bedrohliche Auswüchse von Anfang an stoppen. Das bewahrt auch die Eltern vor der Bemerkung ihrer Kinder, von "Tuten und Blasen" keine Ahnung zu haben, was das notwendige Gespräch von Anfang an absurd erscheinen lässt.

Zusammen mit den Jugendlichen so etwas wie ein festes Zeitkontomodell für das Spielen zu vereinbaren und konsequent zu beachten mit allen verbindlichen Konsequenzen bei Nicht-Einhaltung ist hier sehr hilfreich, ebenfalls die Anerkennung, das Lob oder die Belohnung für ein entsprechendes konsequentes Einhalten.

Deutlicher Leistungsabfall in der Schule, Zunahme emotionaler Gereiztheit, Übermüdung, Mangelernährung, ängstliches, depressiv zurückgezogenes Verhalten können deutliche Alarmzeichen sein, einer weiteren ernsten Suchtentwicklung entgegenzusteuern und sich professionelle, ärztliche, psychotherapeutische Hilfe zu holen oder eine Suchtberatungsstelle aufzusuchen, um weitere Schritte zu planen oder sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen.


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    Insgesamt gibt es – von Ahrweiler bis Wittlich – 20 Lebensberatungsstellen des Bistums Trier, an die sich jede und jeder Ratsuchende wenden kann.

    Der zuständige Arbeitsbereich im Generalvikariat wird geleitet von Dr. Andreas Zimmer. Kontaktadresse: Lebensberatung im Bistum Trier, Bischöfliches Generalvikariat, Hinter dem Dom 6, 54290 Trier, Telefon (06 51) 71 05-2 79, E-Mail beratung@bgv-trier.de, Internet www.lebensberatung.info.

    Viele weitere Beiträge der Lebensberatung sind in der "Paulinus"-Rubrik „Lebensberatung im Paulinus“ zu finden.



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