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„In Wahrheit geht es um Macht, Gewalt und Geld“

Foto: Stefan Endres
Zu Besuch am Rhein: Jérôme Ouédraogo (links) mit Pfarrer Joachim Fey im Pfarrgarten von St. Martin in Oberwesel.

„In Wahrheit geht es um Macht, Gewalt und Geld“

Von: Stefan Endres | 2. Oktober 2022
Wie in den Nachbarländern Mali und Niger terrorisieren auch in Burkina Faso Islamisten seit mehreren Jahren die Bevölkerung. Über die Entwicklung in seinem Heimatland berichtet Jérôme Ouédraogo, ein Priester, der regelmäßig im Bistum Trier zu Gast ist.

Jérôme Ouédraogo ist Referent und persönlicher Sekretär von Bischof Joseph Sama in der burkinischen Diözese Nouna. Darüber hinaus ist er für die Krankenseelsorge des Bistums zuständig und leitet in Nouna eine Krankenstation. Während eines mehrwöchigen Besuchs bei dem befreundeten Pfarrer Joachim Fey in Oberwesel nutzt er die Gelegenheit, über die dramatische Lage in seinem Heimatland zu berichten.

Islamistische Terroristen, die seit dem Jahr 2015 über den Norden immer weiter in den Sahelstaat vordringen, haben bereits mehrere tausend Menschen getötet (siehe auch den Bericht „Der Terror frisst sich weiter vorwärts“ über die Lage im Osten des Landes, „Paulinus“ vom 21. August, Seite 3). „Die Milizionäre wollen den Bewohnern einen radikalen Islam aufzwingen und gehen dabei unterschiedslos – auch gegen Muslime – vor und töten wahllos“, wie Ouédraogo berichtet. Die Extremisten wollten gewaltsam das Rechtssystem des Islam, die Scharia, einführen und würden dort, wo sie Fuß gefasst hätten, staatliche Schulen schließen, Kleiderordnungen wie die Verschleierung von Frauen erlassen oder den Alkohol verbieten. In noch nicht eroberten Gebieten überfielen die Islamisten Dörfer oder verüben Anschläge – häufig auf staatliche Einrichtungen wie Behörden und Schulen oder Infrastruktur wie Brücken und Telekommunikation.

Erst wenige Tage zuvor, berichtet Ouédraogo, sei das Polizeikommissariat in seinem Heimatort Solenzo gesprengt worden. Der Ort liegt, wie der Bistumssitz Nouna, im äußersten Westen Burkina Fasos nahe der Grenze zu Mali. In Solenzo arbeitete früher auch der deutsche Afrikamissionar Pater Josef Hochheimer als Pfarrer.

„Die Terroristen führen einen Eroberungskrieg. In Wahrheit geht es ihnen um Macht, Gewalt und Geld“, sagt der burkinische Priester und spricht den Islamisten ihre vorgeblich religiösen Motive ab. „Sie sind keine wirklichen Muslime, sondern vom Bösen besetzte Menschen.“ Politisch sei ihr Ziel, die Regierung zu stürzen und die Herrschaft zu übernehmen.

Auf ihrem Feldzug rekrutierten die aus dem Ausland gesteuerten Islamistenmilizen ihre Anhängerschaft hauptsächlich aus dem einst nomadisierenden Hirtenvolk der Peul. „Deshalb sind 90 Prozent der Terroristen Peul“, berichtet Ouédraogo, ergänzt aber auch: „Aber 90 Prozent der Peul sind keine Islamisten.“ Dabei wütet der religiös verbrämte Terror in einem Land, in dem über die Hälfte der Menschen Muslime sind. Sie praktizieren jedoch eine undogmatisch-pragmatische Version des Islam, die Elemente der einheimischen Religionen einbezieht. Die Muslime und die Anhänger afrikanischer Religionen leben traditionell in friedlicher Koexistenz mit den überwiegend katholischen Christen im Land, die etwa ein Viertel der Bevölkerung ausmachen. Man habe stets die Feste der jeweils anderen mitgefeiert, erzählt der 48-Jährige mit Verweis auf die eigene Familie, die überwiegend muslimisch sei und freudig an seiner Priesterweihe teilgenommen hätte.

  • Info
    Jérôme Ouédraogo ist als Referent des Bischofs von Nouna auch Kanzler der dortigen Kurie. Er hat in Rom Theologie in der Krankenhaus-Pastoral und in Paris Gesundheitsmanagement studiert. Im Jahr 2000 wurde er in Burkina Faso zum Priester geweiht. Er ist mit dem derzeitigen Pfarrverwalter der Pfarreiengemeinschaft Oberwesel (Dekanat St. Goar), Pfarrer Joachim Fey, befreundet, seit dieser 1995 ein Pastoralpraktikum in Burkina Faso absolvierte. Ouédraogo ist seither regelmäßig im Bistum Trier zu Gast. Spenden für die Arbeit der Krankenstation sind möglich über den Kirchengemeindeverband Oberwesel, IBAN DE59 5605 1790 0011 2464 69, Verwendungszweck: „Jérôme/Krankenstation“.



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