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Ein Baum des Gedenkens

Foto: Stefan Endres
Kaplan Stephan Schramm segnete die Stele am Erinnerungsort „Ein Baum des Gedenkens“ ein.

Ein Baum des Gedenkens

Von: Stefan Endres | 5. September 2021
59 Männer wurden 1941 vom Schönfelderhof bei Zemmer in andere Anstalten für geistig beeinträchtigte Menschen verlegt und in der Folge zum Teil umgebracht. Mit einem Denkmal, einer Gedenkfeier und einem Vortrag ist 80 Jahre danach an die einstigen Patienten und ihr Schicksal erinnert worden.

Am 4. Juni 1941 erhielten die Barmherzigen Brüder von Maria Hilf in Trier die behördliche Aufforderung, 59 Patienten für einen Abtransport vom Schönfelderhof vorzubereiten. Die Männer mit geistigen Beeinträchtigungen oder Erkrankungen hatten bis dahin auf dem Landgut bei Zemmer, auf dem die Barmherzigen Brüder Lebensmittel für ihr Krankenhaus in Trier produzierten, gelebt und überwiegend in der Landwirtschaft gearbeitet.

Genau 80 Jahre nach dem Abtransport am 31. Juli 1941, der für alle Patienten zunächst in die staatliche Pflegeanstalt in Bedburg-Hau am Niederrhein führte, hat der Orden, der heute noch Träger des Schönfelderhofs ist, an die Männer und ihre Schicksale erinnert.

Vertreter der Hausleitung, des Ordens, des Konvents, der Politik und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Klientinnen und Klienten haben im Park eine Skulptur mit Inschrift eingeweiht und der Menschen gedacht, von denen vermutlich keiner auf den Hof zurückkehrte und viele getötet wurden oder verstarben.

Ein neuer Gedenkort

Der neue Gedenkort mit dem Titel „Ein Baum des Gedenkens“ bezieht einen dahinterstehenden mächtigen Baum mit ein, der auch schon 1941 auf dem Parkgelände gestanden habe und ein „stiller Zeuge jener Zeit ist“, wie der Hausobere Werner Schmitz bei der Einführung sagte.

Kaplan Stephan Schramm aus der Pfarreiengemeinschaft Zemmer (Dekanat Schweich-Welschbillig) segnete die pultartige Metall-Stele mit Erinnerungstext ein, deren Frontpartie ein Stahl-Relief trägt, das der Kunstschmied Hans-Jörg Bender aus Schweich entworfen und gefertigt hat. Es zeigt die Umrisse mehrerer Menschen, von denen einige als „Leerstellen“ gestaltet seien und für die Menschen stünden, die nie wieder an den Ort zurückkehrten.

„Diese Lücken sind nicht mehr zu füllen“, sagte Schmitz. Lediglich etwa sieben von 66 Bewohnern seien damals nicht verlegt worden. Aber jeder sei „teuer und wertvoll“ in den Augen Gottes, sagte Kaplan Schramm bei der Einsegnung mit einem Zitat des Propheten Jesaja: „Ich habe dich in meine Hand geschrieben, ich liebe dich“. So solle der Gedenkort die „Erinnerung an jeden Einzelnen lebendig halten“.

Forschungsprojekt der Universität Trier

Dass die Namen aller Männer und viele der Schicksale jetzt bekannt sind, ist einem Forschungsprojekt der Universität Trier zur regionalgeschichtlichen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen und einer Dissertation von Dr. Matthias Klein, der aus dem Hunsrück stammt, zu verdanken.

Die Barmherzigen Brüder Trier hatten 2014 zusammen mit dem Förderverein zur historischen Erforschung von Zwangssterilisationen in der Region Trier während der NS-Zeit, der Bezirksärztekammer, der Evangelischen Kirchengemeinde Trier und dem Landeshauptarchiv Koblenz das Forschungsprojekt mit Promotionsvorhaben unterstützt. Es sollte auch Klarheit über die Patientenverlegungen aus den Einrichtungen der Barmherzigen Brüder bringen.




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