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811 Millionen Menschen hungern

Foto: KNA
Dauerproblem Hunger: Die Welthungerhilfe verteilt Säcke mit Reis in Timbuktu/Mali. Foto von 2012.

811 Millionen Menschen hungern

Von: KNA | 24. Oktober 2021
Zum Welternährungstag am 16. Oktober haben Hilfswerke Alarm geschlagen. Im Kampf gegen den Hunger gab es zuletzt Rückschritte. Konflikte, Klimawandel und die Corona-Pandemie haben dazu beigetragen.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) fand drastische Worte. „Hunger ist Mord, denn wir haben das Wissen und die Technologie, alle Menschen satt zu machen“, sagte er der „Augsburger Allgemeinen“ vom 14. Oktober aus Anlass des Welternährungstags am 16. Oktober. Mehrere Hilfswerke warnten vor einer Hungerkrise vor allem in Afrika. Die Lage sei in mehreren afrikanischen Ländern angespannt, mahnte Misereor in Aachen. „Ernährungskrisen sind in den meisten Fällen von Menschen gemacht“, sagte Misereor-Geschäftsführer Pirmin Spiegel.

Ein Beispiel für menschengemachten Hunger sei die derzeitige Krisenlage in Äthiopien. Nach Angaben von Misereor-Berater Atsbaha Gebre-Selassie sind allein in der dortigen Bürgerkriegsregion Tigray etwa sieben Millionen Menschen davon betroffen, dass aufgrund militärischer Belagerung und Abschottung dringend benötigte Lieferungen von Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern nicht zu ihnen gebracht werden können. Hunger werde als Kriegswaffe eingesetzt, gewaltsame Militärangriffe hätten Menschen daran gehindert, ihre Ernten einzufahren.

Nach Angaben der Welthungerhilfe und des UN-Welternährungsprogramms (WFP) sind vor allem Konflikte, aber auch der Klimawandel die größten Hungertreiber. Corona habe die Situation zusätzlich verschärft. Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlehn Thieme, beklagte bei der Vorstellung des Welthunger-Index 2021 eine „sehr deutliche Steigerung“ des Hungers. Laut Bericht hungern weltweit etwa 811 Millionen Menschen; 41 Millionen leben am Rande einer Hungersnot. Besonders dramatisch ist demnach die Lage in Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und dem Südsudan.

Der Welthunger-Index untersucht die Ernährungslage in 128 Ländern anhand mehrerer Indikatoren wie Wachstumsverzögerungen oder Sterblichkeit bei Kindern. Er sieht deutliche Rückschritte bei der Hungerbekämpfung. 47 Länder werden laut Bericht bis 2030 noch nicht einmal ein niedriges „Hungerniveau“ erreichen, 28 davon liegen in Afrika südlich der Sahara.

Nachhaltigkeitsziel in weiter Ferne

Die Welt sei bei der Hungerbekämpfung vom Kurs abgekommen und entferne sich immer weiter vom verbindlich vereinbarten UN-Nachhaltigkeitsziel, den Hunger bis 2030 zu besiegen, beklagte Thieme.

Corona habe die angespannte Ernährungslage in vielen Ländern des Südens noch einmal verschärft; Millionen Familien hätten ihre Existenzgrundlage verloren, sagte der Vorstand der Welthungerhilfe, Mathias Mogge.

Die Ärmsten und Schwächsten würden von den Folgen des Klimawandels besonders hart getroffen, obwohl sie am wenigsten dazu beitragen, sagte Thieme. „Daher brauchen wir auf der anstehenden Klimakonferenz im November in Glasgow klare und verbindliche Ziele für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes sowie finanzielle Unterstützung für die Förderung von Klimaresilienz“, forderte Thieme.

Auch das WFP warnte in Rom vor einer massiven Verschärfung des Hungers durch die Klimakrise. Laut einer Analyse des WFP könnte ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau 189 Millionen Menschen zusätzlich mit Hunger bedrohen. WFP-Exekutivdirektor David Beasley forderte ein Frühwarnsystem und Programme zur Anpassung an den Klimawandel sowie zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit, um diese drohende Katastrophe abzuwenden.

Laut Thieme tragen in acht von zehn Ländern mit einer sehr ernsten oder gravierenden Hungersituation Konflikte maßgeblich zum Hunger bei. „Mehr als die Hälfte aller unterernährten Menschen lebt in Ländern, die von Gewalt, Konflikt und Fragilität geprägt sind.“ Nötig seien tragfähige politische Konfliktlösungen. Zudem müsse der Einsatz von Hunger als Kriegswaffe konsequent sanktioniert werden.

Entwicklungsminister Müller forderte eine vorausschauende Friedenspolitik, die ganz oben auf der Agenda der Weltpolitik stehen müsse. Zugleich bekräftigte er seine Forderung nach einer Reform der UN-Nahrungsmittelhilfsprogramme und einem UN-Nothilfe- und Krisenfonds von zehn Milliarden Euro. „Die UN und ihre Hilfswerke dürfen nicht dauerhaft Bittsteller sein.“



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