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Mama, ich kann das nicht!

Foto: KNA
„Die Hausaufgaben hab’ ich ganz alleine gemacht“ – das macht Kinder stolz. Es ist auch nicht schlimm, wenn sich da mal ein Fehler einschleicht.

Mama, ich kann das nicht!

Von: Heike Sieg-Hövelmann | 12. August 2012
Nun sind die Ferien in Rheinland-Pfalz (13. August) und im Saarland (15. August) bald wieder vorbei, und ein neues Schuljahr beginnt. Viele Eltern möchten ihren Kindern bei den Schularbeiten helfen. Doch wieviel Unterstützung ist sinnvoll? Und was können Erwachsene tun, wenn sie bei schwierigen Aufgaben selbst nur Bahnhof verstehen – ohne professionelle Nachhilfe zu organisieren?

„Mama, komm mal, ich kann das nicht!“ Pia brütet über ihrem Mathebuch. Ihre Mutter hört sie seufzen, bis das Mädchen sie schließlich ruft. Doch die Mutter kann sich auf die Textaufgabe auch keinen Reim machen. Offenbar eine typische Situation. Einer Umfrage der Zeitschrift „Focus Schule“ zufolge stimmten 95 Prozent der Eltern mit „teilweise“ der Aussage zu, dass sie ihren Kindern an weiterführenden Schulen in vielen Fächern kaum helfen können.

Freundlich emotionale Hilfe zur Selbsthilfe

„Es kann sogar von Vorteil sein, wenn Eltern sich inhaltlich zurückhalten“, sagt Wolfgang Endres, Lernmethodiker aus St. Blasien. Denn die beste Unterstützung seien die Hilfe zur Selbsthilfe und eine freundliche emotionale Begleitung. Eltern täten ihren Kindern keinen Gefallen, wenn sie ihnen Fertiglösungen servierten und sie nicht zum Nachdenken anregten.
„Erleben Kinder, dass ihnen ständig Dinge abgenommen werden, weil sie alles nicht gut genug oder schnell genug machen, dann lassen sie es eben, werden bequem und anspruchsvoll“, erklärt der Fachautor. „Sie schnipsen mit den Fingern, und andere tanzen.“

So verwundere es nicht, dass sie nicht eigenständig lernten und es Stress bei den Hausaufgaben gebe. Eltern sollten für Fragen offen sein, ihre Kinder aber nicht aus der Verantwortung nehmen, meint Monika Korthaus-Lindner, Vorstandmitglied in der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED). „Manchmal beschäftigen die Hausaufgaben die ganze Familie. Da werden dann zum Beispiel tolle Aufsätze von den größeren Geschwistern verfasst.“

Hausaufgaben eine Angelegenheit zwischen Lehrern und Schülern

Die Grundschullehrerin vermittelt Schülern und Eltern, dass Hausaufgaben eine Angelegenheit zwischen Lehrern und Schülern seien. „Ich sage oft: Wenn ihr mal was nicht könnt, ist das kein Beinbruch. Dann kommt direkt zu mir.“ Der Sinn von Hausaufgaben bestehe auch darin, einen Eindruck zu bekommen, ob das im Unterricht Erlernte verstanden wird. Wirkten Eltern übertrieben mit, verfälsche sich das Bild zum Schaden aller in der Klasse.

Birgitt Hütter von der Caritas-Erziehungsberatung in Bochum hat in ihrer Praxis mit beiden Extremen zu tun: Eltern, die ihren Kindern über die Maßen unter die Arme greifen, und Eltern, die sich minderwertig fühlen, weil sie ihren Kindern fachlich nicht helfen können. „Doch dafür braucht sich niemand zu schämen. Zumal sich die Lernwege total verändert haben“, erklärt die Heilpädagogin. Eltern dürften durchaus Schwächen zeigen. Das sei sogar ein Zeichen von Stärke. Auf diese Weise erlernten Kinder, auch Fehler zuzugeben und damit offen umzugehen.

Wichtiger ist es ihrer Ansicht nach, verständnisvoll Anteil zu nehmen. So könnten Eltern ihre Kinder motivieren, nicht so schnell aufzugeben. „Du schaffst das schon. Das hat doch beim letzten Mal auch noch geklappt.“ Eigene Erfolgserlebnisse seien ungemein förderlich. Zudem könnten allgemeine Tipps helfen, etwa in einem Lexikon und im Internet auf Spurensuche zu gehen oder sich in einer Bücherei zu informieren. Es sei ebenso legitim, gemeinsam zu überlegen, ob ein Freund oder ein Verwandter mit einer Idee weiterhelfen kann.

Kinder sollen die Aufgabe selber erklären

Kommt ein Kind mit der Aufgabenstellung partout nicht zurecht, empfiehlt Lernexperte Endres, es zu ermuntern, die Aufgabe zu erklären. Eltern sollten in Ruhe nachfragen, was nicht verstanden wurde und wo die Schwierigkeiten liegen. „Das wirkt manchmal Wunder“, sagt der Pädagoge. Oftmals stelle sich, wenn das Kind mit eigenen Worten formuliert und gründlich nachdenkt, ein Aha-Erlebnis ein – ohne dass die Eltern genau wüssten, was den Ausschlag für das plötzliche Verstehen gab. Endres: „Indem man sich um Lösungen bemüht, eröffnen sich die Lösungswege von selbst.“

Das sei ein wertvolles Erleben. „Es bringt Kinder weiter im selbstgesteuerten Lernen und macht Eltern klar, dass Kinder alleine fertigwerden.“ Das gelte auch für andere alltägliche Bereiche, etwa das Aufräumen oder den Tornister selbst zu packen. Mittlerweile gibt es auch ehrenamtliche Stellen, die Hausaufgabenhilfe anbieten, weiß Andrea Honecker, KED-Vorsitzende im Diözesanverband Köln.

„An unserem Gymnasium wurde eine Börse zur Hausaufgaben- und Nachhilfe eingerichtet. Dabei helfen ältere Schüler jüngeren.“ Sich dafür einzusetzen, lohne sich, versichert die vierfache Mutter. Ähnliche Projekte existierten auch mit Studenten und Senioren. Lernpartnerschaften nennen das die Fachleute. Solche Modelle entlasten nach ersten Einschätzungen die Eltern und werden vor allem von älteren Kindern weniger als Einmischung und Bevormundung empfunden.

  • Hausaufgaben-Tipps
    Nach der Schule dürfen Kinder erst einmal entspannen, bevor es an die Hausaufgaben geht.

    Sie sollten ein Hausaufgabenheft führen. Kleinere Kinder benutzen zunächst Symbole.

    Einen freundlichen Arbeitsplatz einrichten mit allem, was das Kind zum Lernen braucht.

    Feste Zeiten und kleine Pausenrituale einplanen, etwa Bewegungsübungen oder eine gemütliche Auszeit bei einer Tasse Kakao.

    Nicht die ganze Zeit neben dem Kind sitzen, aber in der Nähe sein. Bei Fragen nur Anstöße geben, um das eigenständige Lernen zu fördern.

    Das Kind ab und zu den Lehrer spielen lassen und sich von ihm als Schüler etwas erklären lassen.

    Lob ist die beste Motivation.



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