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Interview: Das Grundvertrauen war nicht mehr da

Foto: Zeljko Jakobovac
Erhielt zahlreiche Medienanfragen: Bischof Ackermann.

Interview: Das Grundvertrauen war nicht mehr da

Von: Christoph Arens, Bruno Sonnen | 20. Januar 2013
Aus Sicht von Bischof Stephan Ackermann sind für das Ende des Forschungsprojekts mit Professor Christian Pfeiffer hauptsächlich Kommunikationsprobleme verantwortlich. Der Trierer Bischof ist überzeugt, dass sich die inhaltlichen Differenzen hätten lösen lassen. Christoph Arens und Bruno Sonnen haben nachgefragt.

Droht nach der Aufkündigung der Zusammenarbeit mit Christian Pfeiffer erneut ein massiver Image-Schaden für die katholische Kirche?
Der Schaden ist bereits da. Ich bedauere zutiefst, dass die jetzige Situation entstanden ist und habe bis zum Schluss zusammen mit dem Sekretär unserer Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, daran gearbeitet, dass es nicht soweit kommt. Nun sind wieder Zweifel da, ob die Kirche überhaupt an unabhängiger Aufklärung interessiert ist. Es sind natürlich auch bestimmte Leute daran interessiert, solche Zweifel zu verstärken. Die Reizworte „Zensur“, „Kontrolle“, „Aktenvernichtung“ passen da nahtlos ins Bild.
Wie wollen Sie solchen Vorwürfen begegnen?
Indem wir klar machen, dass es nicht um Zensur und Kontrolle ging, sondern um Aufarbeitung. Wir haben weiterhin ein hohes Interesse an unabhängiger wissenschaftlicher Forschung zu dem Thema. Das beweist doch auch das erste Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse wir im Dezember vorgestellt haben. Es wurde vom Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen, Norbert Leygraf, verantwortet, der auch für uns schmerzliche Erkenntnisse dokumentiert hat. Da hat es solche Probleme nie gegeben.
Es ging also mit Blick auf Pfeiffer gar nicht um sachliche Fragen, sondern um Persönliches?
Es ging bei dem Konflikt auch um schwierige sachliche Fragen, vor allem aber ging es um Fragen der Kommunikation, des Umgangs miteinander. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Sachfragen – also etwa Datenschutz und Untersuchungsmethoden – mit gutem Willen hätten lösen lassen. Und wir müssen sie ja auch lösen, weil wir das Forschungsprojekt mit anderen Partnern fortführen wollen.

Bis in den Spätherbst haben wir mit Hochdruck an diesen Fragen gearbeitet und unendlich viel Energie, Zeit und Nerven investiert. Natürlich war die Diskussion manchmal mühsam. Für so ein sensibles Forschungsprojekt ist ein hohes Grundvertrauen notwendig. Ich kann nicht alles hundertprozentig vertraglich beschreiben. Das Vertrauen war am Ende nicht mehr da.
Warum?
Es geht hier um Personalakten von aktiven, lebenden Priestern und von verstorbenen Priestern. Das ist insgesamt eine sehr sensible Materie. Denn die Bischöfe haben hier auch als Dienstgeber eine hohe Verantwortung. Stellen Sie sich nur vor, die Kultusminister der Länder würden ein ähnliches Projekt zu Lehrern planen! Die Probleme wären ähnlich. Ein Knackpunkt war zum Beispiel die Anonymisierung von Daten, ein anderer die Frage der Veröffentlichung und der Interpretation der Erkenntnisse auf Augenhöhe zwischen KFN und Bischöfen. Da gab es unterschiedliche Vorstellungen, die man aber hätte zusammenführen können.
Pfeiffer hat behauptet, ihm sei zugetragen worden, dass in den Diözesen teilweise Akten vernichtet worden seien. In diesem Zusammenhang sprach Pfeiffer auch von einer angeblichen Vorschrift, wonach man zehn Jahre nach der Verurteilung eines Priesters die Akten zu vernichten habe. Eine Nachfrage seines Instituts bei allen Bischöfen sei komplett unbeantwortet geblieben. Was ist da dran?
Das staatliche wie das kirchliche Recht sehen vor, dass personenbezogene Daten nach bestimmten Fristen gelöscht werden. Abweichend vom staatlichen Recht sieht das Kirchenrecht jedoch vor, dass bei Sittlichkeitsfragen – in den Fällen, die strafrechtlich anhängig waren – ein Tatbestandsbericht und der Wortlaut des Endurteils auf Dauer aufbewahrt werden. Insofern lassen sich keine Straftaten vertuschen und Fallzahlen manipulieren.

Es ist also falsch und irreführend, den Eindruck zu erwecken, es gebe eine vom kirchlichen Recht her geforderte Aktenvernichtung, die das Forschungsprojekt behindern würde. Die Mehrzahl der Fälle wurde ohnehin erst in den letzten drei Jahren durch die Meldung von Betroffenen bekannt und liegt nicht schon seit Jahren abgeschlossen zurück.

Wir deutschen Bischöfe wollen im Gegenteil erreichen, dass durch das Forschungsprojekt neue und zusätzliche Erkenntnisse hinsichtlich von Tätern und Opfern gewonnen und möglicherweise Tatbestände aufgedeckt werden, die bislang nicht bekannt waren.
Der Würzburger Professor für Kriminologie, Klaus Laubenthal, hat Professor Pfeiffer methodische Mängel attestiert und daran erinnert, dass er nach dem ersten Exposé der Kriminologischen Forschungsstelle Niedersachsen vom Sekretariat der Bischofskonferenz um eine Stellungnahme gebeten worden sei. Darin habe er „deutliche Vorbehalte aus kriminologisch-wissenschaftlicher Sicht“ geäußert. Das ist kein geringer Vorwurf. Hätte man bei Herrn Pfeiffer früher die Reißleine ziehen sollen?
Die Stellungnahme von Professor Laubenthal war nicht die einzige kritische. Wir haben alle Stellungnahmen ausgewertet und sind seinerzeit zu dem Schluss gekommen, dass die kritischen Fragen gemeinsam mit Professor Pfeiffer gelöst werden können.
Im Nachhinein betrachtet: War es nicht von Anfang an ein Fehler, auf Professor Pfeiffers kriminologisches Institut zu setzen? Die Art und Weise, wie der Professor agiert, war ja nicht unbekannt, und bei einigen seiner Gutachten und Studien hat er auch schon mal kräftig daneben gelegen …
Im Nachhinein ist man immer schlauer, aber es gab damals einen immensen Öffentlichkeitsdruck. Herr Pfeiffer hat sich angeboten, und er ist zweifellos ein renommierter Mann. Zeitgleich mit unseren Überlegungen hat er den Zuschlag des Bundesforschungsministeriums für ein anderes Projekt auf diesem Feld bekommen.
Waren sich die Bistümer einig beim Umgang mit Professor Pfeiffer?
Es gab einen gemeinsamen Beschluss für das Forschungsprojekt, und wir haben gemeinsam den Vertrag unterzeichnet. Da kann man die Bistümer nicht auseinanderdividieren.
Es wird spekuliert, dass das Erzbistum München-Freising deshalb als Bremser auftritt, um den früheren Erzbischof Joseph Ratzinger und heutigen Papst zu schützen ...
Das sind unredliche Spekulationen. Das Erzbistum München hat bereits 2010 einen von einer externen Rechtsanwältin erstellten Bericht veröffentlicht und dabei im großen Stil alte Personalakten ausgewertet.
Wird der neue wissenschaftliche Partner die gleichen Anforderungen erhalten wie Professor
Pfeiffer?
Natürlich haben Pfeiffer und sein Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen eigene Vorstellungen mit eingebracht, auf die ein anderer Wissenschaftler vielleicht weniger Wert legt.

Professor Pfeiffer hat stark auch auf Interviews mit Opfern und Tätern gedrungen. Hier haben wir aber schon viele Erkenntnisse, unter anderem aus dem Forschungsprojekt mit Professor Norbert Leygraf oder durch die wissenschaftliche Auswertung der Anrufe bei der Hotline für Missbrauchsopfer. Für uns zentral ist die Erforschung der Personalakten.
Sie sagten eingangs, dass es für beide Seiten – für Pfeiffer und die Bischöfe – eine schwierige Situation sei. Wenn man sich den Tenor der vergangenen Tage in den Medien ansieht, scheint es sich eher verheerend für die Kirche auszuwirken. Erneut scheint mühsam aufgebautes Vertrauen in die Absicht der Kirche, aufzuklären, verloren zu gehen. Das sind schlechte Voraussetzungen für die Studie und den neuen Partner, oder?
Das habe ich zwischendurch auch befürchtet. Aber schon nach den wenigen Tagen zeigt sich, dass es Kooperations- beziehungsweise Unterstützungsangebote von einer ganzen Reihe von Instituten und Persönlichkeiten gibt. Das freut mich natürlich sehr und zeigt, dass die Fachleute uns offensichtlich nicht so zensurwütig und kontrollsüchtig einschätzen, wie Professor Pfeiffer uns darzustellen versucht.



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