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Monastischen Gemeinschaften der Schwestern und Brüder von Jerusalem

Foto: Zeljko Jakobovac
Die Gemeinschaften während des Mittagsgebets in der Kölner Kirche Groß St. Martin.

Monastischen Gemeinschaften der Schwestern und Brüder von Jerusalem

Von: Zeljko Jakobovac | 19. Februar 2012
Die „Monastischen Gemeinschaften der Schwestern und Brüder von Jerusalem“ aus Köln kommen mit geistlichen Angeboten für Pilger zur Heilig-Rock-Wallfahrt nach Trier. Teil vier der „Paulinus“-Serie

„Na, ihr seid ja durchgefroren!“, sagt Schwester Edith Kürpick nach dem Mittagsgebet zu den Schülerinnen in der Kirchenbank. Die meisten nicken, doch das Lächeln zeigt, dass den jungen Frauen – die Schüler haben es vorgezogen, früher zu gehen – der Gottesdienst in der Kirche Groß St. Martin in Köln gefallen hat. „Kennt ihr denn eine Nonne?“, fragt die Priorin der Monastischen Gemeinschaft der Schwestern von Jerusalem die Schülerinnen weiter. Dieses Mal erntet sie zunächst nur verneinendes Kopfschütteln. „Nur aus dem Fernsehen“, wirft eine der Frauen aus Leverkusen noch ein.

Glaubensfreude beindruckt die Schülerinnen

Dass es keine Berührungsängste gibt zwischen der Schwester, die einen feierlichen Chormantel über ihrem jeansfarbenen Habit trägt, und den modisch gekleideten jungen Frauen, die überwiegend Moslems sind,  liegt auch daran, dass die 22 Schülerinnen und Schüler vor dem Mittagsgebet mit Schwester Theresia mehr als eine Stunde lang über die seit 2009 in Köln weilenden Monastischen Gemeinschaften der Schwestern und Brüder von Jerusalem gesprochen haben. „Mich hat beeindruckt, mit welcher Freude die Schwestern ihrem Glauben nachgehen“, sagt Klassensprecherin Safa Ouchen. „Nicht wenige sind sehr neugierig gewesen und haben vor allem nach der Berufung, dem Leben der Gemeinschaft sowie der Sexualität und Keuschheit gefragt“, erklärt Lehrer Ewald Bauer.

In die Großstädte möchte die Monastische Gemeinschaft Gott hineintragen beziehungsweise Gott zumindest einen Platz freihalten, sagt Schwester Edith. Dazu gehörten die Gottesdienste in der in der Kölner Altstadt gelegenen Kirche Groß St. Martin, zu denen alle willkommen seien. „Wir machen das drei Mal am Tag. Die Eucharistiefeier bieten wir bewusst am Abend an, damit die arbeitenden Menschen Zeit haben zu kommen“, erklärt sie.

Kein fertiges Programm aus dem Boden zu stampfen

Es gehe der Gemeinschaft nicht darum, ein fertiges Programm aus dem Boden zu stampfen. „Aber wir haben Anfragen von Menschen, die im Glauben weiter wachsen möchten“, sagt Schwester Edith. Vor allem seien dies junge Erwachsene, darunter viele Studenten. Eine richtige Laiengemeinschaft um die Monastischen Gemeinschaften in Köln gibt es noch nicht. „Eine kleine, aber feste Gruppe trifft sich monatlich, um sich mit dem Lebensbuch, unserer Regel, zu befassen“, sagt der Prior.

Auf die Frage, ob es mehr Franzosen oder Deutsche in den Gemeinschaften in Köln gibt, antwortet die deutsche Priorin mit einem vergnüglichen „mehr Franzosen“, während der französische Prior etwas irritiert nachrechnet. Die Auflösung: Er hat den Postulanten (Anwärter auf die Aufnahme) zu den Deutschen bereits mitgezählt, während sie lediglich die sieben Schwestern und fünf Brüder gezählt hat. Die Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem haben insgesamt 60 Brüder und 120 Schwestern, die bis auf Aus- tralien und Ozeanien von allen Kontinenten kommen.

„In unseren Gemeinschaften haben wir keine Stabilitas Loci, der zufolge wir immer in dem Kloster bleiben, in das wir eingetreten sind. Denn wir besitzen die Wohnungen nicht, in denen wir leben“, erklärt Prior Nicolas-Marie Kriebel. „Wir sind zwei getrennte Gemeinschaften. Wir leben in einem Haus, aber wie zwei Mietparteien“, ergänzt die Priorin. Und für die Wohnungen zahlen die Schwestern und Brüder Miete an das Erzbistum, dessen Ruf nach Köln sie 2009 gefolgt sind.

Nach der Arbeit vereint zum Mittagsgebet

Nicht nur für die Miete arbeiten alle Brüder und Schwestern halbtags – in der Regel von acht bis 12 Uhr, damit sie pünktlich zum Mittagsgebet um 12.30 Uhr wieder zurück sein können. Viele sind außerhalb des Klosters tätig, damit die Gemeinschaften ihre Ausgaben finanzieren können.
 
Die Liturgie der Monastischen Gemeinschaft von Jerusalem spiegelt zum Beispiel in Ikonen, Gesängen und dem Lichtritus am Abend den Reichtum der Ostkirche wider. „Unsere Liturgie ist zu einem großen Teil komponiert von dem französischen Dominikaner Andre Gouzes. Er greift dabei auf ostkirchliche Traditionen zurück und setzte die Gesänge vierstimmig. Das ist keine hochkomplizierte Chormusik, aber eingängig“, erklärt die Priorin. Für Köln als erste Klostergründung in Deutschland seien das Stundenbuch und diese Gesänge ins Deutsche übersetzt worden.

Groß St. Martin ist den Gemeinschaften vom Erzbistum Köln zur Verfügung gestellt worden

Groß St. Martin ist den Gemeinschaften vom Erzbistum Köln zur Verfügung gestellt worden. „Wir sind auf dem Pfarrgebiet von St. Aposteln, möchten aber keine Konkurrenz sein zur Arbeit in der Gemeinde. Wir verstehen uns als Oase: Man kommt zur Oase, schöpft dort neue Kraft und geht dann weiter“, betonen die beiden.

Es gibt Leute, die gezielt zu den  Gemeinschaften kommen. „Manche wissen über das Internet von uns, andere vom Hörensagen. Einige kommen sogar aus dem rund 200 Kilometer entfernten Mainz zur Sonntagsliturgie zu uns“, ist die Priorin überrascht. Aber es gibt auch Leute, die zufällig Groß St. Martin aufsuchen, weil sie etwa als Touristen unterwegs sind. „Wenn sie interessiert sind, fragen sie zunächst nach unserer Gemeinschaft und erst danach kommen persönliche Fragen zum Leben und zu Gott“, sagt der Prior.

  • Weitere Informationen
    Die Monastischen Gemeinschaften sind am 23. und 24. April bei der Heilig-Rock-Wallfahrt in der Stationskirche St. Antonius. Sie wirken unter anderem im Dom am 22. April um 21 Uhr am Abendlob sowie am 23. April um 8 Uhr am Morgenlob und um 9 Uhr an der Eucharistiefeier mit. Mehr dazu: Heilig-Rock-Wallfahrtsbüro, Telefon (06 51) 71 05-80 12, www.heilig-rock-wallfahrt.de/programm/geistliches

    Kontakt: Monastische Gemeinschaft der Brüder von Jerusalem, An Groß St. Martin 9, 50667 Köln, Telefon (02 21) 25 08 49 02; Monastische Gemeinschaft der Schwestern von Jerusalem, An Groß St. Martin 11, 50667 Köln, Telefon (02 21) 27 79 47 47, http://jerusalem.cef.fr/de/



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