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Chemin Neuf: Alle sollen eins sein, damit die Welt glaubt

Symbol von Chemin Neuf: die Fußwaschung.

Chemin Neuf: Alle sollen eins sein, damit die Welt glaubt

Von: Tobias Wilhelm | 4. März 2012
Eine im Kern katholische Angelegenheit, bei der die Ökumene aber eine ganz herausragende Rolle spielt: Das beschreibt nicht nur die Heilig-Rock-Wallfahrt 2012, sondern auch die Gemeinschaft Chemin Neuf, die in Trier präsent sein wird. Teil fünf der „Paulinus“-Serie.

Der „Neue Weg“, wie der Name aus dem Französischen übersetzt heißt, ist eine katholische Kommunität mit ökumenischer Berufung, deren Mitglieder das Jesuswort „Alle sollen eins sein, damit die Welt glaubt“ (Joh 17, 21) im Alltag umzusetzen versuchen. Die in rund 30 Ländern vertretene Gemeinschaft betrachtet es als ihre Berufung, Brücken zwischen Konfessionen, Kulturen und Völkern zu errichten und Menschen in verschiedenen Lebenslagen sowie aus unterschiedlichen Alters- und Berufsgruppen anzusprechen.

Ein besonderes Merkmal ist das Miteinander von zölibatär lebenden Männern und Frauen einerseits und Familien andererseits, die in Haus- oder Stadtviertelgemeinschaften ihr Leben, Hab und Gut miteinander teilen und den Aufgaben nachgehen, die ihnen die Gemeinschaft anvertraut hat – etwa die Leitung von Exerzitienhäusern, Wohnheimen für Studenten und Auszubildende, Schulungszentren oder, auf Wunsch der Ortsbischöfe, sogar Pfarreien und Hochschulgemeinden.

Rund 2000 Mitglieder aus verschiedenen christlichen Konfessionen

Insgesamt zählt die Gemeinschaft rund 2000 Mitglieder aus verschiedenen christlichen Konfessionen – katholisch, evangelisch, anglikanisch, orthodox oder freikirchlich. Gut 150 Priestern und Brüdern, die dem Ordensinstitut Chemin Neuf angehören, stehen ähnlich viele zölibatär lebende Schwestern gegenüber, die kirchenrechtlich als „Gemeinschaft von Gläubigen“ organisiert sind. Sie alle haben neben dem Gelübde der Keuschheit auch die der Armut und des Gehorsams abgelegt und bilden meist kleinere Hausgemeinschaften.

Hinzu kommen rund 650 Paare, die entweder einen eigenen Wohnbereich in einem Gemeinschaftshaus haben oder in der Nähe eines Gemeinschaftshauses leben, meist säkularen Berufen nachgehen und sich nach ihren Möglichkeiten an den Aufgaben und Diensten beteiligen. Außerdem gibt es noch einen „Bund Chemin Neuf“. Er besteht aus Menschen, die die Spiritualität der Gemeinschaft teilen, jedoch nicht zusammen leben, sondern sich regelmäßig in Kleingruppen treffen und austauschen.

Am Anfang des „Neuen Wegs“ stand 1973 ein Gebetskreis in Lyon

Am Anfang des „Neuen Wegs“ stand 1973 ein Gebetskreis in Lyon, dessen Mitglieder über die Treffen hinaus das Bedürfnis hatten, ihr Leben zu teilen und in den Dienst des Evangeliums zu stellen. Die klangvolle Bezeichnung geht auf die Anschrift der Zentrale zurück: das Sträßchen „Montée du Chemin Neuf“. Die Gründer um Jesuitenpater Laurent Fabre (77), der die Gemeinschaft bis heute leitet, fanden den Namen programmatisch für das Selbstverständnis: „Für uns sind die Christen die Menschen des neuen Weges – und wir sind als Gemeinschaft unterwegs, um miteinander das Abenteuer des Glaubens zu bestehen“, erklärt Schwester Mirjam Rombouts. Sie stammt aus einem flämischen Elternhaus und lebt in Bonn, wo sich die Gemeinschaft noch in der Gründungsphase befindet, mit drei Mitschwestern und Pater Gerold Jäger. Zusammen leiten sie im Auftrag ihrer Gemeinschaft sowie der Erzdiözese Köln seit 2007 an der Citykirche St. Remigius die Katholische Hochschulgemeinde und betreiben zudem ein Wohnheim für Studentinnen.

Die 34-Jährige, die in einem ökumenischen Umfeld aufwuchs, interessierte sich für die internationale Ausrichtung der Bewegung und verbrachte zunächst ein Jahr im Mutterhaus: der Abtei Hautecombe in den Savoien. Das gemeinsame Gebet, der Austausch mit anderen jungen Christen, das einfache Leben im Dienst der Versöhnung – das hat sie gepackt und überzeugt. Sie verbrachte sechs Jahre in Frankreich, legte die Gelübde ab und arbeitete im Auftrag der Gemeinschaft in Gästehäusern sowie als Krankenschwester, bevor sie der Ruf an den Rhein ereilte: „Wir gehen dahin, wo wir gebraucht werden und lassen uns in Dienst nehmen für die Verkündigung des Evangeliums“, erklärt sie.

Versöhnungsarbeit in der lange Zeit geteilten Stadt

Bereits seit der Zeit des Mauerfalls versucht Chemin Neuf in Berlin, der lange geteilten Stadt, seiner Berufung zur Versöhnung gerecht zu werden. Hier, wo auch der deutsche Hauptsitz ist, leitet die Gemeinschaft die Pfarrei Herz-Jesu sowie ein Ökumene-Zentrum in der St.-Adalbert-Kirche. Außerdem betreibt sie Seelsorge im Kloster Lankwitz.

Die Spiritualität wurzelt in der Lehre des Ignatius von Loyola sowie der Charismatischen Erneuerungsbewegung. Beiden gemein ist die Überzeugung, dass Gott direkten Einfluss auf das Leben der Menschen ausübt, sich durch den Heiligen Geist mitteilt und eine persönliche Beziehung aufbaut.

Die Suche nach dem Willen Gottes, tägliche Bibellektüre und Meditationen, geistliche Begleitung und ignatianische Exerzitien prägen den Glaubensalltag, der durch gemeinsame Gebetszeiten und Gottesdienste strukturiert wird. „Jedes Mitglied soll aber zugleich seiner kirchlichen Tradition treu bleiben“, betont Pastoralreferentin Schwester Estelle Sogbou (37) von der Elfenbeinküste, die ebenfalls zur Bonner Wohngemeinschaft zählt. Die konfessionelle Vielfalt sei dennoch inspirierend: So würden etwa die Tageslosungen der Herrnhuter Brüdergemeine auch von den katholischen Mitgliedern gerne aufgegriffen.

Trennendes zusammenführen

Trennendes zusammenführen – dieses Ziel verfolgt Chemin Neuf auch mit einer Reihe von Initiativen, Angeboten und Institutionen, die unterschiedliche Zielgruppen im Blick haben. So gibt es zum Beispiel eine internationale Jugendbewegung, ein fast weltumspannendes Ökumene-Netzwerk, Studiengänge mit überkonfessioneller Ausrichtung, Angebote für Ehepaare (Kana-Woche) oder Geschiedene, Exerzitien und Schulungen, internationale Festivals für junge Erwachsene, Auslandsvolontariate, Sprachschulen und Entwicklungshilfeprojekte.

Christus, der seinen Jüngern die Füße wäscht: Dieses Motiv hat sich Chemin Neuf zu Herzen genommen und als optisches Erkennungsmerkmal zu eigen gemacht. Es steht für Versöhnung, Geschwisterlichkeit, Bescheidenheit und Dienstbereitschaft. In aller Demut an der Gemeinschaft arbeiten – ein Weg, der schon 2000 Jahre alt ist und doch immer wieder neu gegangen werden muss.

  • Weitere Informationen
    Während der Heilig-Rock-Wallfahrt ist die Gemeinschaft Chemin Neuf vom 26. bis 29. April in der Innenstadtkirche St. Gangolf vertreten und bietet Eucharistiefeiern, eucharistische Anbetungen,
    Glaubenszeugnisse, Lobpreisungen, Tagzeiten-Gebete und Beichtmöglichkeiten an. Außerdem gestaltet sie die Domnacht am 28. April um 21 Uhr mit.

    http://www.chemin-neuf.org/



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