Paulinus - Wochenzeitung im Bistum Trier

Paulinus - Kopfbereich:

Paulinus - Inhalt:
Paulinus - Hauptinhalt:
Karl Marx kehrt zurück

Foto: Zeljko Jakobovac
Kuratorin Dr. Ann-Katrin Thomm (rechts) führt durch die neu gestaltete Dauerausstellung im Karl-Marx-Haus

Karl Marx kehrt zurück

Von: Bruno Sonnen und Michael Merten | 13. Mai 2018

Das Karl-Marx-Gedenkjahr ist eröffnet. In Trier, wo der Philosoph vor 200 Jahren, am 5. Mai 1818, zur Welt kam, gibt es ein umfangreiches Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm, mit dem ein differenziertes Bild des Denkers, seiner Zeit und seiner Wirkung gezeigt werden soll. Auch das Bistum Trier ist an Bord.


Kurz vor dem 200. Geburtstag ihres wohl bedeutendsten Sohnes muss die Stadt Trier schnell noch ein paar Straßenlöcher ausbessern. Erst recht vor der Porta Nigra, dem römischen Stadttor, in deren Schatten eine große Marx-Ausstellung zu sehen ist. Die große Reklametafel für die Schau im Blick, sagt Straßenbauer Markus Schmitz: „Ich finde, Marx ist so aktuell wie noch nie, er ist zeitlos.“ Der 49-Jährige ist im öffentlichen Dienst, fühlt sich ordentlich bezahlt. „Aber wenn man in die Dritte Welt schaut, da gibt es keine Gewerkschaften, da werden die Arbeiter ausgebeutet.“ In der deutschen Privatwirtschaft sei es nicht viel besser: „Subunternehmen, Subunternehmen, Subunternehmen. Was habe ich auf Großbaustellen: 400 Bulgaren, 300 Rumänen und einen deutschen Polier!“ Solche Auswüchse des Turbokapitalismus habe Marx angeprangert.

 

Wer in diesen Tagen durch die Straßen der ältesten deutschen Stadt schlendert, wird erleben, dass das römische Erbe ausnahmsweise einmal nicht im Mittelpunkt steht. Stattdessen diskutieren Besucher wie Einheimische über die historische Bedeutung von Karl Marx. Weltweite Aufmerksamkeit, aber auch heftige Kritik hat eine fünfeinhalb Meter hohe Bronzestatue von Marx hervorgerufen. Am 5. Mai ist bei einem Festakt unweit der Porta Nigra das Geschenk der Volksrepublik China enthüllt worden.


Marx nicht die Gräueltaten des 20. Jahrhunderts zuschreiben

Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe zeigt am 3. Mai vor Journalisten Verständnis für die Kritik, dass das Reich der Mitte die Menschenrechte unterdrücke. Doch er betont: „Es ist eine Geste der Freundschaft, dass China uns diese Statue schenkt.“ Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagt angesichts des Protests von Opferverbänden des Kommunismus, dass die Opfer der SED-Herrschaft nicht vergessen würden. Doch man könne Marx „nicht die Gräueltaten des 20. Jahrhunderts zuschreiben“. Rund 30 Jahre nach dem Ende des Ost-West-Konflikts sei eine differenziertere Sicht auf ihn möglich.


Zu diesem unbefangeneren Blick auf den Kapitalismuskritiker sollen mehrere Trierer Ausstellungen anregen.


Die Friedrich-Ebert-Stiftung als Trägerin des Museums Karl-Marx-Haus hat die dortige Dauerausstellung vollständig überarbeitet. Sie heißt „Von Trier in die Welt: Karl Marx, seine Ideen und ihre Wirkung bis heute“. Im authentischen Ambiente seines Geburtshauses wird Marx als von den Umbrüchen des 19. Jahrhunderts geprägter Mensch gezeigt, als Analytiker und Kritiker der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, als Vordenker der Sozialdemokratie und nicht zuletzt als politischer Aktivist, der die Welt umgestalten möchte. Zu den Ausstellungshighlights gehört der Lesesessel, in dem Marx an seinen Manuskripten gearbeitet hat und nach der Familienüberlieferung auch gestorben sein soll.


Jenseits des vorgefassten Marx-Bilds im Kopf neue Erkenntnisse befördern

„Wir zeigen Marx als Journalist, als Philosoph, als Geisteswissenschaftler und als Ökonom“, erläutert Kuratorin Dr. Ann-Katrin Thomm vom Karl-Marx-Haus bei der Vorab-Führung, die die Ausstellungsmacher am 3. Mai für die über 100 angereisten Journalisten aus aller Welt anbieten. Und Thomm erinnert daran, dass Marx „ein Unvollendeter“ blieb; den zweiten und dritten Band des „Kapitals“ habe schließlich Friedrich Engels und nicht Marx abgeschlossen.


Vom 5. Mai bis zum 21. Oktober läuft die rheinland-pfälzische Landesausstellung „Karl Marx 1818–1883. Leben. Werk. Zeit.“ Sie zeigt an zwei Standorten mehr als 400 Exponate aus ganz Europa, darunter Originaldokumente wie das einzige erhaltene Manuskript von „Das Kapital“, Ausgaben des Hauptwerks von Marx mit persönlichen Notizen des Autors sowie Werke von Munch, Manet und Courbet.

Viele Menschen hätten ein bestimmtes Marx-Bild im Kopf, sagt die wissenschaftliche Leiterin der Ausstellung, Dr. Beatrix Bouvier: „Ganz vage wird häufig nur Marx und Kommunismus miteinander verbunden.“ Die Forschung habe aber längst neue Facetten von Marx herausgearbeitet. Die Schau wolle keine vorgefertigten Antworten liefern, sondern zum Nachdenken anregen. Auf der Grundlage aktueller Forschung wolle die Ausstellung einen unverstellten, von späterer Dogmatisierung befreiten Blick auf das Leben und Werk von Marx und seine Zeit ermöglichen.




Paulinus - Marginalinhalt:

Im Blickpunkt

„Paulinus“-Leserreisen 2021

Es gibt wegen der Corona-Pandemie derzeit leider keine neue Planung für das kommende Jahr.


Lebensberatung im Paulinus

An dieser Stelle beantworten regelmäßig Lebensberaterinnen und -berater aus den Einrichtungen des Bistums Trier Fragen zu verschiedenen „Problemfeldern“ des Lebens, zum Beispiel aus den Bereichen Erziehung, Ehe oder Familie. Wenn Sie zu einem Problem Beratung oder Antworten suchen, können Sie sich entweder an die „Paulinus“-Redaktion, Postfach 3130, 54221 Trier, oder direkt an die Lebensberatungsstellen im Bistum Trier wenden. Viele Paulinus-Beiträge aus der Praxis der Lebensberater finden Sie im Paulinus-Archiv/Lebensberatung.


Einfach Leben

Ein eigenes Haus, ein Auto, regelmäßiger Urlaub, Fernreisen, ein möglichst gut gefülltes Bankkonto. So sah lange Zeit der Traum vom Wohlstand aus. Doch immer mehr setzt sich heute die Erkenntnis durch: „Viel haben“ heißt noch nicht „gut leben“, und „weniger ist vielleicht mehr“. In Zusammenarbeit mit Barbara Schartz vom Themenschwerpunkt Schöpfung bei der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum beleuchten wir das Thema in einer lockeren Serie und stellen Menschen vor, die für Veränderung eintreten oder anders leben.


Synode im Bistum Trier

Die Synode wurde am 29. Juni 2012 von Bischof Ackermann ausgerufen. Die Trierer Bistumssynode hat ihr Abschlussdokument „heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen“ am 30. April 2016 verabschiedet.



Video

  • Weihnachtsgruß des Bischofs
    Dr. Stephan Ackermann hat sich an Weihnachten mit einer Videobotschaft an die Gläubigen im Bistum Trier gewandt.
  • Synodenumsetzung
    Das Bistum Trier hat ein mit dem Vatikan abgestimmtes Konzept angekündigt, wonach es sich zukünftig in maximal 172 Pfarreien und 35 Pastoralen Räumen neu aufstellen will.
  • Gedenken
    Das ökumenische Gebet beim heutigen Gedenken an die Toten, Verletzten und ihre Angehörigen der Amokfahrt in Trier haben Weihbischof Franz Josef Gebert und Superintendent Dr. Jörg Weber gesprochen (Video: Zeljko Jakobovac).
  • Virus trifft Schwächste am härtesten
    Prof. Dr. med. Wolfram Henn, Mitglied des Deutschen Ethikrates und Professor für Humangenetik an der Universität des Saarlands, hat beim "DomWort" über "Leben mit dem Virus - Welche Schranken sind unserem Handeln gesetzt?" gesprochen.
  • Gestapo-Lager Neue Bremm - Rundgang mit Horst Bernard
    Horst Bernard (88) engagiert sich seit Jahrzehnten dafür, die Geschichte des ehemaligen Gestapo-Lagers an der Neuen Bremm in Saarbrücken und die Erinnerung an inhaftierten Frauen und Männer wachzuhalten – und an junge Menschen weiterzutragen. Der Film über ihn wurde bei einer von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung veranstalteten Gesprächsrunde im Kirchenladen „welt:raum“ vorgestellt (Bericht im "Paulinus").
  • Weitere Videos
    Weitere Videos des Paulinus finden sich auf www.youtube.com/PaulinusTrier




Paulinus - Fuss: