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Gottes großer Horizont

Foto: KNA
Geburt im Stall: Aus einem unscheinbaren Anfang wurde eine große Geschichte. Weihnachtskrippe in der Kirche St. Elisabeth in Warburg- Rimbeck.

Gottes großer Horizont

Von: Weihbischof Franz Josef Gebert | 24. Dezember 2017
Gottes großer Horizont: Gedanken zu Weihnachten von Weihbischof Franz Josef Gebert

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust … wenn ich in diesen Wochen der Adventszeit ständig den Weihnachtsmarkt erlebe, wenn die zu Herzen gehenden Melodien der Weihnachtslieder mir auf den Geist gehen, weil sie penetrant über Wochen in Kaufhäusern und auf Märkten erklingen, wenn die Lichter von der schlichten Kerze bis zur computergesteuerten Leuchtorgie allgegenwärtig sind.

Ich frage mich: was bewegt die Menschen, die sich dem immer wieder aussetzen? Offensichtlich strahlen die Leuchten nicht nur Licht, sondern damit auch eine eigene Faszination aus, die Menschen immer wieder in ihren Bann zieht. Das macht mich nachdenklich und mahnt mich, die eigenen Gefühle des Überdrusses nicht zum Maßstab zu machen.

Gehören Weihnachten und Schönheit nicht in ihrem innersten Wesen zusammen … „Voll der Gnade“ wird Maria vom Engel begrüßt. Gnade, das Wort, das in unserer Sprache nun wirklich etwas trocken klingt, heißt in der Sprache der Evangelien, griechisch, „Charis“ – da klingt gleich Charisma auf, „Gratia“ im Lateinischen – wer spürt da nicht die Leichtigkeit dessen, das wir uns nicht mühsam „im Schweiße des Angesichtes“ erarbeiten müssen, das uns einfach – gratis – geschenkt wird. Die Nähe Gottes im Leben verleiht einen ganz eigenen Charme, der uns nicht zu Sklaven unseres Erfolgs und unseres Scheiterns macht – eine ganz eigene Schönheit, die in der Einfachheit des Alltags aufstrahlt.

Deshalb ist es kein Zufall, dass fast alle Maler die Gottesmutter, diese Frau „voll der Gnade“ – voll von göttlichem Charme – als eine besonders schöne Frau darstellen. Und die Erzählung des Lukasevangeliums von der Geburt Jesu gibt sich alle Mühe klarzustellen, dass die unbequeme Umgebung des ärmlichen Stalles und der Futterkrippe von himmlischem Glanz erleuchtet wird.

Die Botschaft von Weihnachten und die Sehnsucht der Menschen

Dort, wo die Menschen es nicht fertigbringen, eine würdige Lebensumgebung zu schaffen, da, wo es keine Willkommenskultur gibt, da tritt der Himmel selber ein mit seiner eigenen Schönheit.

Liegt hier vielleicht der tiefere Grund für das Verhalten so Vieler, das uns zweideutig erscheint und so manche Frage aufwirft? Ich bin überzeugt, dass es zwischen der Botschaft von Weihnachten und der unauslöschlichen Sehnsucht von Menschen nach Ganzheit, nach Heilsein, nach Harmonie und Schönheit einen tiefen Zusammenhang gibt.

Wenn Gott das Mensch-Sein als seinen Weg wählt, sich zu offenbaren, das heißt, zu zeigen, wer er für uns ist und wir für ihn sind, dann bekommt unsere menschliche Existenz, dann bekommt unser alltägliches Leben eine göttliche Bedeutung.

Die Architektur und die Ausstattung unserer Kirchen sind ein deutliches Bekenntnis dieses Glaubens. Und wenn wir erwarten, dass unsere Liturgie, unser gottesdienstliches Feiern von Schönheit geprägt sind, geht es nicht um bloßen ästhetischen Genuss – es gehört zur Botschaft des Evangeliums selber: Wir sollen mit unseren Sinnen spüren und zumindest ahnen, „was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat, … was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (1 Kor 2, 9).

Dabei geht es nicht darum, die oft raue Wirklichkeit, die Brüche, die Wunden zu übertünchen. Der Weg Gottes mit uns Menschen ist der Weg der Heilung: die neue Schöpfung Gottes, die mit der Geburt seines Sohnes im Stall von Bethlehem beginnt, muss die alte Schöpfung nicht erst zerstören, um Neues zu schaffen. Nein – es sind „die schlaffen Hände“, die gestärkt werden, es sind „die wankenden Knie“, die gefestigt werden, es ist die Wüste, die aufblüht zu neuem Leben, das nicht aus eigener Leistung und Kraft kommt (Jes 35).

Es sind die Armen – die Opfer menschlicher Ungerechtigkeit und unserer Unzulänglichkeiten – denen das Evangelium verkündet wird (Lk 4, 18; Jes 61, 1) Und schließlich sind es die Wunden des gekreuzigten Christus, die in der Auferstehung zu leuchten beginnen und Teil der Herrlichkeit Gottes geworden sind. Mit seinen Wunden sind die Wunden der Menschen, sind auch meine eigenen Wunden mit in den Himmel gegangen.

Auch als Sünder bleibt der Mensch im Tiefsten Ebenbild Gottes

Wie könnten wir so etwas besingen ohne zynisch zu werden, wenn wir nicht im Tiefsten überzeugt und erfüllt wären von der Schönheit Gottes im Menschen, die nicht einmal durch alle Grausamkeit und Bosheit ganz vernichtet werden kann.

Wenn Gott Mensch wird, dann heißt das doch auch, dass wir auch als Sünder im Tiefsten sein Ebenbild geblieben sind, dass diese Gottesverwandschaft zwar (bisweilen sehr deutlich!) beschädigt, aber nie zerstört wurde.

Wenn es an Weihnachten darum geht, dann dürfen wir frohen Herzens und guten Gewissens die schönen und zu Herzen gehenden Lieder singen und die Lichter überall in Fülle erstrahlen lassen.

Die Botschaft vom Mensch gewordenen Gott zum Leuchten bringen

Dann dürfen auch unsere Geschenke, mit denen wir einander bereichern wollen, Zeichen des göttlichen Reichtums in uns sein.

Allerdings müssen wir darauf achten, dass es wirklich Zeichen sind, die über unser Tun und Mühen hinaus weisen. Wenn unsere Bräuche sich selber genügen, dann werden wir ihrer schnell überdrüssig, dann entlarven sie sich selber als (vielleicht auf den ersten Blick schönen) Schein, dann sind sie im Letzten Selbstbetrug, dann sind unsere Herzen am nächsten Tag wieder leer, obwohl die Hände und die Regale überquellen.

Unser menschliches Herz, das nicht nur nach dem Zeugnis des heiligen Augustinus „unruhig ist, bis es Ruhe findet in Gott“, kann durch keinen Reichtum der Welt zufriedengestellt werden. Straßenlaternen haben die Aufgabe, mit ihrem Licht den Weg zu zeigen – nur Betrunkene halten sich an ihnen fest … Und so ist es auch mit unserem weihnachtlichen Feiern. Es will uns den großen Horizont Gottes ausleuchten. Wo es sich selbst genügt, bleiben wir leer; dann ist die Fülle des Feierns nicht viel mehr als ein ungesunder Lebensstil, der uns genauso krank macht wie der Mangel.

Und es gilt noch etwas anderes nicht zu vergessen: Nicht nur unsere Bräuche, nicht nur unsere Geschenke wollen Zeichen sein – wir selber sind Wegweiser, sind lebendige „Straßenlaternen“ der Botschaft vom Mensch gewordenen Gott.

Nehmen wir die wahr, welche sich das alles nicht leisten können, haben wir die Menschen im Blick, denen Trauer und Schmerz, Verlassenheit und Elend den Blick auf die große Berufung verstellen und verdunkeln?

Wir sind als lebendige Boten Gottes und seiner Berufung an so vielen Stellen sehr wohl in der Lage, ein wenig Licht und Hoffnung zu geben – mit unserer Aufmerksamkeit und mit den offenen Händen, die ein offenes Herz widerspiegeln.



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An dieser Stelle beantworten regelmäßig Lebensberaterinnen und -berater aus den Einrichtungen des Bistums Trier Fragen zu verschiedenen „Problemfeldern“ des Lebens, zum Beispiel aus den Bereichen Erziehung, Ehe oder Familie. Wenn Sie zu einem Problem Beratung oder Antworten suchen, können Sie sich entweder an die „Paulinus“-Redaktion, Postfach 3130, 54221 Trier, oder direkt an die Lebensberatungsstellen im Bistum Trier wenden. Viele Paulinus-Beiträge aus der Praxis der Lebensberater finden Sie im Paulinus-Archiv/Lebensberatung.


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