Paulinus - Wochenzeitung im Bistum Trier

Paulinus - Kopfbereich:

Paulinus - Inhalt:
Paulinus - Hauptinhalt:
Die Grenze der Ausbeutung

Foto: Florian Kopp/Adveniat
Kleinbauern demonstrieren vor dem Büro der Landreformbehörde Incra für die Zuteilung von Land.

Die Grenze der Ausbeutung

Von: Thomas Milz | 24. Dezember 2017
Mehr als hundert Jahre nach der Abschaffung der Sklaverei schuften im Norden Brasiliens immer noch Menschen in Abhängigkeitsverhältnissen, die an Sklaverei erinnern: auf Viehweiden, an Holzkohlemeilern, in Erzminen.

62 Morde. 25 mehr als im Jahr zuvor. Das meldet die „Comissão Pastoral da Terra (CPT)“, die vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützte Landpastoral der brasilianischen Kirche. Drei von vier Morden sind 2016 entlang der Agrargrenze verübt worden, also dort, wo sich das Agrobusiness in den Amazonaswald Nordbrasiliens hineinfrisst.

An eben dieser Agrargrenze, in der Kleinstadt Araguaína im Norden des Bundesstaats Tocantins, kämpft der französische Dominikaner Xavier Jean Marie Plassat seit dreißig Jahren gegen die Sklaverei, gegen die Ausbeutung armer Arbeiter durch Großgrundbesitzer und das Agrobusiness. Die Region ist ein heißes Pflaster. Auch hier hat es Morde gegeben.

Das komme nicht von ungefähr. Araguaína sei ein wichtiger Knotenpunkt. Hier kommen Wanderarbeiter aus dem armen Nordosten auf ihrem Weg in die Amazonasregion durch, berichtet Plassat. Brasiliens Landwirtschaft ist der einzige Sektor, der selbst in den Krisenjahren floriert. Doch die gut bezahlten Jobs, die die Dürre-Flüchtlinge des Nordostens hier suchen, gibt es nicht.

Stattdessen geraten sie oft in sklavenähnliche Abhängigkeiten auf den Viehweiden, an den Holzkohlemeilern und in den Erzminen. „Man stellt sich unter Sklaven immer noch die angeketteten Galeerenruderer à la Hollywood vor“, sagt Xavier. „Aber Sklaven sind zuallererst Menschen, denen man eine menschenwürdige Existenz abspricht.“

Ein Bauer braucht sein eigenes Feld

João Luis da Costa ist es so ergangen. Nach einem Leben voller Entbehrungen stand er mit Mitte sechzig plötzlich alleine und mittellos da – und erlag den Versprechen eines Farmbesitzers, der ihm Hoffnung auf einen Job machte. Über ein Jahr schuftete er unter prekärsten Bedingungen mitten im Nirgendwo. Auf den zugesagten Lohn wartete er vergebens. Dann befreite ihn ein mobiler Einsatztrupp des Arbeitsministeriums.

Jetzt sitzt er im Hinterhof des Übergangsheims „Dona Olinda“, das die Landpastoral außerhalb von Araguaína eingerichtet hat. Hier kommen die befreiten Arbeiter an. Hier können sie erst einmal ihr Leben neu sortieren. Für João haben die Anwälte, die mit der Kirche zusammenarbeiten, die ausstehenden Löhne sowie eine Entschädigung herausgeholt. Jetzt will er nur noch weg. Auftragskiller seien auf ihn angesetzt – glaubt er.

Für Xavier Plassat steht fest: Die armen Landarbeiter können nur deshalb durch Großgrundbesitzer versklavt werden, weil sie über kein eigenes Feld verfügen, weil sie Landlose sind. Bauern, die nicht mehr wüssten, wie sie ihre Familien durchbringen können, seien am anfälligsten für Ausbeutung. Irgendwann seien sie bereit, jede ihnen angebotene Arbeit anzunehmen – und sei sie auch noch so prekär.

Die Familien bräuchten ihr eigenes Land, auf dem sie in Würde arbeiten und leben können. Doch die Landreform ist seit Jahrzehnten ein offenes Versprechen der Politiker. Letztlich habe sich seit der offiziellen Abschaffung der Sklaverei in Brasilien, im Mai 1888, nicht viel getan, erklärt Plassat.

  • Weiter lesen …
    Den vollständigen Artikel lesen Sie in der gedruckten Ausgabe des "Paulinus" oder im "Paulinus"-ePaper. Ein kostenloses und unverbindliches dreiwöchiges Probeabo gibt es per E-Mail an redaktion@paulinus.de.
  • Info
    Unter dem Motto „Faire Arbeit. Würde. Helfen“ stellt das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat das Recht auf menschenwürdige Arbeit in den Mittelpunkt der bundesweiten Weihnachtsaktion. Eröffnet wurde sie am ersten Adventssonntag im Erzbistum Paderborn (vgl. „Paulinus“ vom 10. Dezember), anschließend waren Adveniat-Aktionspartner aus Lateinamerika in den deutschen Bistümern unterwegs, um davon zu berichten, wie sie Menschen aus ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen befreien und ihnen mit gerecht entlohnter Arbeit Perspektiven eröffnen.

    Die Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Kirchen Deutschlands ist für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik bestimmt. Spendenkonto bei der Bank im Bistum Essen, IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45.



Paulinus - Marginalinhalt:

Im Blickpunkt

„Paulinus“-Leserreisen 2020

„Paulinus“-Leserreise im Herbst: Sonneninsel Zypern vom 3. bis 10. November 2020. Die Frühlingsreise Assisi, Siena, Rom ist leider abgesagt (Corona).


Lebensberatung im Paulinus

An dieser Stelle beantworten regelmäßig Lebensberaterinnen und -berater aus den Einrichtungen des Bistums Trier Fragen zu verschiedenen „Problemfeldern“ des Lebens, zum Beispiel aus den Bereichen Erziehung, Ehe oder Familie. Wenn Sie zu einem Problem Beratung oder Antworten suchen, können Sie sich entweder an die „Paulinus“-Redaktion, Postfach 3130, 54221 Trier, oder direkt an die Lebensberatungsstellen im Bistum Trier wenden. Viele Paulinus-Beiträge aus der Praxis der Lebensberater finden Sie im Paulinus-Archiv/Lebensberatung.


Einfach Leben

Ein eigenes Haus, ein Auto, regelmäßiger Urlaub, Fernreisen, ein möglichst gut gefülltes Bankkonto. So sah lange Zeit der Traum vom Wohlstand aus. Doch immer mehr setzt sich heute die Erkenntnis durch: „Viel haben“ heißt noch nicht „gut leben“, und „weniger ist vielleicht mehr“. In Zusammenarbeit mit Barbara Schartz vom Themenschwerpunkt Schöpfung bei der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum beleuchten wir das Thema in einer lockeren Serie und stellen Menschen vor, die für Veränderung eintreten oder anders leben.


Synode im Bistum Trier

Die Synode wurde am 29. Juni 2012 von Bischof Ackermann ausgerufen. Die Trierer Bistumssynode hat ihr Abschlussdokument „heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen“ am 30. April 2016 verabschiedet.



Video

  • Bienenhonig aus Bischofsgärten in Dom-Information zu kaufen
    Die Frühlingsernte ist verarbeitet und in Gläser gefüllt. Ab sofort ist Honig aus den Gärten von Bischof Ackermann und Weihbischof Peters in der Trierer Dom-Information erhältlich, Imkerin Dr. Nicole Hennecke ist für die Pflege und Versorgung verantwortlich (Bericht im "Paulinus). Video: Christine Cüppers.
  • Generalvikar informiert über „Aussetzung des Umsetzungsgesetzes“
    Der Trierer Generalvikar Ulrich von Plettenberg informiert über Konsequenzen aus der "Aussetzung des Umsetzungsgesetztes" durch die römische Kleruskongregation.
  • Freiwillige aus Bolivien
    Sechs Freiwillige aus Bolivien leisten in sozialen Einrichtungen im Bistum Trier ihren einjährigen Dienst. Der "Paulinus" besuchte sie noch während der Zeit der Eingewöhnung in Trier samt Deutschkurs (Video: Zeljko Jakobovac). Wie es ihnen geht - auch in Zeiten der Coronakrise - steht im aktuellen "Paulinus".
  • Museumsleiter Markus Groß-Morgen zum Austellungsteil "Im Zeichen des Kreuzes"
    Markus Groß-Morgen, der Leiter des Museums am Dom in Trier, erklärt, was der Ansatz des Ausstellungsteil "Der Untergang des Römischen Reiches - Im Zeichen des Kreuzes" in Trier 2022 ist (Video: Zeljko Jakobovac).
  • Blumengestecke-Kurs für Küsterinnen und Küster
    Der Fortbildungskurs für 30 Küsterinnen und Küster aus dem Bistum ist dem Blumenschmuck in der Kirche gewidmet gewesen. Den Tag gestaltete der Benediktinerbruder Stephan Oppermann aus Maria Laach – ein gelernter Florist (Video: Christina Libeaux).
  • Weitere Videos
    Weitere Videos des Paulinus finden sich auf www.youtube.com/PaulinusTrier




Paulinus - Fuss: