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Woelki: kein Rücktritt, aber weitere Konsequenzen

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Fordert eine Verschärfung des Kirchenrechts: der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bei der Pressekonferenz am 23. März in Köln.

Woelki: kein Rücktritt, aber weitere Konsequenzen

Von: KNA | 4. April 2021
Nach der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens für das Erzbistum Köln (vgl. „Paulinus“ vom 28. März, Seite 4) hat Kardinal Rainer Maria Woelki (64) eigene Schuld eingeräumt, will aber nicht zurücktreten. Er kündigte weitere Konsequenzen an und forderte zudem eine Verschärfung des Kirchenrechts.

„Die moralische Verantwortung einfach mitnehmen und gehen zum Schutz des Ansehens von Bischofsamt und Kirche – das ist mir zu einfach“, sagte er am 23. März bei einer Pressekonferenz in Köln. Ein solcher Rücktritt „wäre nur ein Symbol, das nur für eine kurze Zeit hält“.

Er sehe sich stattdessen in der Pflicht, die Ursachen jahrelanger „systembedingter Vertuschung“ rigoros zu beseitigen und die Sorgen der Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen anstelle der Sorge um den Ruf der Kirche, ergänzte der Erzbischof.

Mit Blick auch auf Fälle, in denen er selbst beteiligt war, sprach er von „beschämenden Unzulänglichkeiten“. Unter anderem sagte Woelki, er hätte den Fall des beschuldigten Priesters O. besser nach Rom melden sollen, auch wenn er dazu laut Gutachten nicht verpflichtet gewesen sei. Zudem hätte er einen weiteren beschuldigten Geistlichen schon viel früher suspendieren und sich damit auch über die Vorgaben der Glaubenskongregation hinwegsetzen sollen.

Weiter betonte Woelki, dass er in der Zeit als Geheimsekretär von Kardinal Joachim Meisner und als Kölner Weihbischof nur wenig mit dem Thema sexualisierte Gewalt konfrontiert gewesen sei. Als Sekretär sei er nicht mit Personalangelegenheiten befasst worden, „zumindest nicht was Missbrauch betrifft“. Als Weihbischof habe er zwar der Personalkonferenz angehört. Dort seien die Fälle zwar „irgendwie thematisiert“, aber nicht im Detail behandelt worden.

Der Erzbischof und sein Generalvikar Markus Hofmann kündigten weitere Konsequenzen aus dem Missbrauchsgutachten an. Über die schon verkündeten Freistellungen von Geistlichen hinaus legten sie einen Acht-Punkte-Plan vor. So soll etwa eine neue unabhängige Kommission entsprechend einer Vereinbarung zwischen Deutscher Bischofskonferenz und dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung weiter an der Aufarbeitung arbeiten.

Nach den Worten des Generalvikars soll auch die Kontrolle sanktionierter Geistlicher verbessert werden. Die Stabstelle Intervention werde trotz Sparmaßnahmen um eine vierte Stelle erweitert und die Präventionsarbeit gestärkt. Der Betroffenenbeirat solle wieder komplett besetzt werden. Zudem würden die Klerikerakten digitalisiert und manipulationssicher gestaltet. Alle neuen Priesterkandidaten müssten sich einem psychologischen Analyseverfahren unterziehen.

Weiter teilte der Generalvikar mit, das Erzbistum habe in diesem Jahr fünf Millionen Euro für Anerkennungszahlungen an Betroffene von Missbrauch bereitgestellt. Sie stammten nicht aus Kirchensteuern, sondern aus einem Sondervermögen, das sich wesentlich aus freiwilligen Abgaben von Klerikern speise. In einen Solidarfonds der Bischofskonferenz für Missbrauchsopfer von Ordensleuten habe die Erzdiözese zudem eine Million Euro eingezahlt.




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