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Weihnachten als Zwischenstopp

Foto: KNA
Weihnachten ist mit allerlei Brauchtum und Ritualen verbunden. Eine Familie beim Schmücken des Christbaums.

Weihnachten als Zwischenstopp

Von: Christoph Arens | 6. Dezember 2020
Weihnachten ist für viele Deutsche das wohl wichtigste Fest im Jahreslauf. Deshalb tut die Politik viel, um trotz Corona eine Feier zu ermöglichen.

Weihnachten steht derzeit ganz hoch im Kurs. Von Friedrich Merz bis Peter Altmaier: Die Politik will das christliche Fest gegen das Coronavirus retten. „Lieber jetzt einen längeren Lockdown als eine komplette Ausgangsbeschränkung über Weihnachten“, sagt Markus Söder. Das Christfest als Zwischenstopp im Corona-Marathon. Als Signal, dass das gewohnte Leben zurückkehren könnte.

Auch in Talk-Shows heißt es immer wieder, dass Weihnachten das gefühlsbeladenste Fest der Deutschen und auch das wichtigste Fest der Christen sei. Doch das ist ein Irrglaube. Zentrales Ereignis des christlichen Glaubens ist die Auferstehung Jesu an Ostern. Das spiegelt sich auch in der Kirchengeschichte. Denn das Weihnachtsfest entstand erst viel später – im vierten Jahrhundert.

Die junge Kirche hat sich zunächst ganz auf Ostern konzentriert, schreibt auch der Kölner Germanist Karl-Heinz Göttert (77) in seiner Biografie des Weihnachtsfestes. Weihnachten war eine späte Zutat: Erst als das Christentum sich stabilisiert hatte, befassten sich die frühen Christen mit der Frage, wann der Erlöser geboren wurde und wann man dies feiern könnte.

Bis heute hat sich das Weihnachtsfest laut Göttert immer wieder neu erfunden: vom religiösen Geburtsfest über ein bürgerliches Geschenk- und Familienfest im 18. Jahrhundert bis zum Konsumrausch von heute. Vom frühen Mittelalter an kleidete die Kirche das Fest – so wie zuvor Ostern – nach und nach in einen breiteren Festkreis mit Advent, heiliger Barbara und Nikolaus, den Gedenktagen der Märtyrer Stephanus und der unschuldigen Kinder bis zu den Heiligen Drei Königen. Eine Liturgie wurde entwickelt, Musik und Schauspiel gaben dem Fest einen immer ausgefeilteren Rahmen.

Doch Göttert betont: Lange war Weihnachten vor allem ein Fest für Kleriker und nicht für das einfache Volk. Das änderte sich im Spätmittelalter, als biblische Geschichten auch als Theater aufgeführt wurden, zunächst in Kirchen, dann verstärkt auf Marktplätzen. Die lateinischen Texte wurden durch volkssprachliche ersetzt, die frommen Erzählungen mit derben Szenen ergänzt. Im Wettstreit mit Ostern machte Weihnachten immer mehr Boden gut – eine Dynamik, die die Reformatoren im 16. Jahrhundert aufhalten wollten. Luther schätzte zwar das Fest, dichtete bedeutende Weihnachtslieder, verurteilte aber die Nikolaus-Verehrung und unbiblisches Brauchtum.

Das Bürgertum des 18. und 19. Jahrhunderts bewahrte Weihnachten trotz Entkirchlichung als Familien- und Geschenkfest. Weihnachtsbäume wurden zum protestantischen Erkennungsmerkmal, die Krippen zum katholischen.

Auch die Politik vereinnahmte das Fest: Die Nationalsozialisten versuchten, den christlichen Symbolen germanische Ursprünge anzudichten. Heute verteidigen katholische Verbände den heiligen Nikolaus gegen eine aus den USA herübergeschwappte Figur: gegen Santa Claus als „Heiligen des Kommerzes“. Auch in einer kommerzialisierten Gesellschaft haben religiöse Traditionen wie Adventskranz, Weihnachtsbaum und das Weihnachtsoratorium große Popularität. Traditionen und Rituale suggerierten Normalität und Beständigkeit, sagte die Psychologin Meike Watzlawik kürzlich im ZDF.

Dennoch warben am gleichen Tag die evangelische Theologin Margot Käßmann und der katholische Ordensmann Paulus Terwitte dafür, „Corona-Weihnachten“ als Chance zu sehen und den Sinn des Fests wieder zu entdecken. Käßmann sagte dem ZDF, in Deutschland sei das Fest ziemlich überhöht worden. Jetzt sei die Chance da, den Druck rauszunehmen. Terwitte bekundete den Verdacht, dass die Politik Weihnachten dazu missbrauche, Lockerungen in Aussicht zu stellen, um irgendwie besser dazustehen.



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Ein eigenes Haus, ein Auto, regelmäßiger Urlaub, Fernreisen, ein möglichst gut gefülltes Bankkonto. So sah lange Zeit der Traum vom Wohlstand aus. Doch immer mehr setzt sich heute die Erkenntnis durch: „Viel haben“ heißt noch nicht „gut leben“, und „weniger ist vielleicht mehr“. In Zusammenarbeit mit Barbara Schartz vom Themenschwerpunkt Schöpfung bei der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum beleuchten wir das Thema in einer lockeren Serie und stellen Menschen vor, die für Veränderung eintreten oder anders leben.


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