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Gedenken in Halle

Foto: KNA
Hunderte Menschen versammelten sich auf dem Marktplatz von Halle, um des Anschlags vor einem Jahr zu gedenken.

Gedenken in Halle

Von: Leticia Witte und Karin Wollschläger | 18. Oktober 2020
Das Gedenken zum ersten Jahrestag des Anschlags auf die Synagoge in Halle haben Mahnungen und Solidaritätsbekundungen geprägt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnte bei der zentralen Gedenkfeier am 9. Oktober in der Hallenser Ulrichskirche davor, zur Tagesordnung überzugehen: „Wir müssen zeigen, dass wir keine Form von Antisemitismus, ob alten oder neuen, linken oder rechten, tolerieren – mehr noch, dass wir ihn aktiv bekämpfen. Dieser Kampf geht uns alle an.“ Antisemitismus sei ein „Seismograph“ für den Zustand der Demokratie. Er selbst empfinde ein Jahr nach der Tat weiterhin Scham und Zorn.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, rief zum Einsatz für Menschenwürde und Zusammenhalt auf. Das „krude Menschenbild“ des 28 Jahre alten Angeklagten trete im laufenden Gerichtsverfahren immer deutlicher zutage. „Mich beeindruckt tief die menschliche Größe der Zeugen im Prozess“, sagte Schuster. „Deutschland ist unser Zuhause, und dieses Zuhause lassen wir uns nicht nehmen.“

Am Mittag stand das öffentliche Leben in der Stadt für mehrere Minuten still, parallel läuteten alle Kirchenglocken der Stadt. Hunderte Menschen versammelten sich auf dem Marktplatz. Sie gedachten des Terrorakts vom 9. Oktober 2019, als am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein schwer bewaffneter Attentäter versucht hatte, unter über 50 Menschen in der Synagoge ein Blutbad anzurichten. Als ihm das misslang, tötete er eine 40 Jahre alte Passantin und erschoss in einem Döner-Imbiss einen 20 Jahre alten Gast. Darüber hinaus verletzte er mehrere Menschen auf seiner Flucht.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, nannte die Tat einen Angriff auf alle Menschen und die Demokratie. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte, die Tat mache deutlich, dass Antisemitismus und Terror jeden treffen könnten – beide Opfer seien keine Juden gewesen. „Sie sind dem Judenhass zum Opfer gefallen, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren.“

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bezeichnete den Tag des Anschlags als eine „Zäsur in unserer Landesgeschichte“. Er sicherte der jüdischen Gemeinschaft Unterstützung zu. Der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer sagte: „Die Wunde ist noch spürbar und nicht verheilt, auch wenn wir rasch wieder zum Tagesgeschäft übergangen sind.“ Magdeburgs katholischer Bischof Gerhard Feige erklärte: „Es ist eine menschliche Katastrophe, dass Juden in Deutschland nicht in Frieden leben und Gottesdienst feiern können. Zweifellos hat die Polarisierung in der Gesellschaft auf allen Ebenen zugenommen.“ Um in einer solchen Atmosphäre menschliches Zusammenleben konstruktiv zu gestalten, brauche man „viel Kraft, Elan und Mut – das geschieht nicht automatisch.“

Im Beisein des Bundespräsidenten wurden an der Synagoge und dem Döner-Imbiss Gedenktafeln enthüllt und Kränze niedergelegt. Im Innenhof der Synagoge wurde zudem ein Mahnmal enthüllt, in das die Holztür mit den Einschusslöchern eingearbeitet wurde, die das gewaltsame Eindringen des Attentäters verhindert hatte.

Mit einem ökumenischen Friedensgebet in der Stadtkirche gingen am Abend die Gedenkfeierlichkeiten zu Ende. „Wir wollen ein Zeichen der Verbundenheit senden, als Zeichen, dass wir für unsere jüdischen Geschwister eintreten und ihnen Frieden wünschen“, sagte Landesbischof Kramer.

Im Anschluss begaben sich Kramer und sein katholischer Amtsbruder, der Magdeburger Bischof Gerhard Feige, zu Fuß mit den Gottesdienstbesuchern zur Synagoge, um dort mit der jüdischen Gemeinde nach deren Shabbat-Gottesdienst zusammenzukommen und ihre Solidarität zum Ausdruck zu bringen.



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