Paulinus - Wochenzeitung im Bistum Trier

Paulinus - Kopfbereich:

Paulinus - Inhalt:
Paulinus - Hauptinhalt:
Das Virus beginnt zu spalten

Foto: picture alliance/dpa
Wie hier in Stuttgart kam es am 9. Mai in zahlreichen deutschen Städten zu Demonstrationen gegen die Anti-Corona-Maßnahmen.

Das Virus beginnt zu spalten

Von: KNA/bs | 17. Mai 2020
Die Debatte um die Anti-Corona-Maßnahmen wird lauter. In Deutschland gab es trotz der jüngsten Lockerungen Proteste gegen die Beschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens. In der Kirche sorgte ein Aufruf konservativer Kreise für Aufregung.

Die zunehmenden Demonstrationen gegen Corona-Auflagen, bei denen auch Verschwörungstheorien die Runde machen, haben in den zuständigen Behörden und in der Politik Sorge ausgelöst. Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, sprach von einem bedrohlichen Potenzial, wie die „Tagesschau“ am 11. Mai berichtete. Die Wahrscheinlichkeit, „dass das zu einem wirklich ernsthaften Problem werden kann“, steige mit der Abnahme der Akzeptanz der Maßnahmen einerseits und der Gefahr wirtschaftlicher Probleme für viele Bundesbürger andererseits. In zahlreichen deutschen Städten hatte es am 9. Mai Demonstrationen gegeben die Corona-Beschränkungen gegeben.

Besorgt äußerte sich Münch über Versuche von Extremisten, die Demonstrationen zu instrumentalisieren. Vor allem aus dem rechten Lager gebe es Versuche, bürgerliche Proteste zu kapern, sagte er. Das Thema Corona sei sowohl von Verschwörungstheoretikern sowie von linken und rechten Extremisten dankend aufgenommen worden. Ähnlich besorgt äußerten sich Politiker der Regierungsfraktionen, aber auch von Grünen und Linken.

Auch in der katholischen Kirche sorgt das Virus für  neuen Streit. Die Deutsche Bischofskonferenz ging am 9. Mai auf Distanz zu einer Gruppe um Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Erzbischof Carlo Maria Vigano und Kardinal Joseph Zen Ze-kiun. Diese hatten eine Warnung veröffentlicht, wonach die Corona-Pandemie genutzt werden solle, um eine „Weltregierung“ zu schaffen, „die sich jeder Kontrolle entzieht“.

Man kommentiere „grundsätzlich“ keine Aufrufe einzelner Bischöfe außerhalb Deutschlands“ sagte der Konferenz-Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): „Allerdings füge ich hinzu, dass sich die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Deutsche Bischofskonferenz grundlegend von dem gestern veröffentlichten Aufruf unterscheidet.“

In dem Aufruf kritisieren die Unterzeichner, die Pandemie werde als Vorwand genutzt, um „Grundfreiheiten unverhältnismäßig und ungerechtfertigt“ einzuschränken, einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit. Die Schutzmaßnahmen dienten der „Kriminalisierung persönlicher und sozialer Beziehungen“. Der Kampf gegen Corona dürfe nicht „als Vorwand zur Unterstützung unklarer Absichten supranationaler Einheiten dienen, die sehr starke politische und wirtschaftliche Interessen verfolgen“.

Die deutschen Bischöfe hatten zur Corona-Pandemie unter anderem erklärt, dass die Einschränkungen – auch bei den Gottesdiensten – „vernünftig und verantwortungsvoll“ gewesen seien und zugleich betont, man müsse die Beschränkungen auch „mit Verantwortung und Augenmaß“ wieder lockern. Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, erklärte angesichts des Aufrufs der Gruppe um Müller und Vigano, er sei „einfach nur fassungslos, was da im Namen von Kirche und Christentum verbreitet wird: Krude Verschwörungstheorien ohne Fakten und Belege, verbunden mit einer rechtspopulistischen Kampf-Rhetorik, die beängstigend klingt.“

Der Präsident der Europäischen Bischofskommission, Kardinal Jean-Claude Hollerich, mahnte angesichts der Coronakrise zu mehr Solidarität unter den EU-Mitgliedern und zur Hilfe für Arme und Flüchtlinge. „Es ist Zeit, jetzt in der Pandemie zusammenzuarbeiten, Solidarität zu zeigen, für alte Menschen in Not da zu sein, Grenzen wieder zu öffnen“, sagte Hollerich in einer am 9. Mai anlässlich des Europatags veröffentlichten Videobotschaft.

Neben den gesundheitlichen Auswirkungen des Coronavirus müssten die Verantwortlichen auch die wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise im Blick behalten, betonte der Erzbischof von Luxemburg. Wenn Europa seinen Idealen treu bleiben wolle, könne es niemals die Armen, Bedürftigen und Flüchtlinge vergessen. Der Europatag erinnert an den sogenannten Schuman-Plan, den der französische Außenminister Robert Schuman am 9. Mai 1950 verkündete. Kernanliegen war, die rüstungswichtige französische und deutsche Kohle- und Stahlproduktion einer gemeinsamen Behörde zu unterstellen, die auch anderen Staaten offenstehen solle. Das Datum wurde zur Geburtsstunde der europäischen Einigung.



Paulinus - Marginalinhalt:

Im Blickpunkt

„Paulinus“-Leserreisen 2021

Es gibt wegen der Corona-Pandemie derzeit leider keine neue Planung für das kommende Jahr.


Lebensberatung im Paulinus

An dieser Stelle beantworten regelmäßig Lebensberaterinnen und -berater aus den Einrichtungen des Bistums Trier Fragen zu verschiedenen „Problemfeldern“ des Lebens, zum Beispiel aus den Bereichen Erziehung, Ehe oder Familie. Wenn Sie zu einem Problem Beratung oder Antworten suchen, können Sie sich entweder an die „Paulinus“-Redaktion, Postfach 3130, 54221 Trier, oder direkt an die Lebensberatungsstellen im Bistum Trier wenden. Viele Paulinus-Beiträge aus der Praxis der Lebensberater finden Sie im Paulinus-Archiv/Lebensberatung.


Einfach Leben

Ein eigenes Haus, ein Auto, regelmäßiger Urlaub, Fernreisen, ein möglichst gut gefülltes Bankkonto. So sah lange Zeit der Traum vom Wohlstand aus. Doch immer mehr setzt sich heute die Erkenntnis durch: „Viel haben“ heißt noch nicht „gut leben“, und „weniger ist vielleicht mehr“. In Zusammenarbeit mit Barbara Schartz vom Themenschwerpunkt Schöpfung bei der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum beleuchten wir das Thema in einer lockeren Serie und stellen Menschen vor, die für Veränderung eintreten oder anders leben.


Synode im Bistum Trier

Die Synode wurde am 29. Juni 2012 von Bischof Ackermann ausgerufen. Die Trierer Bistumssynode hat ihr Abschlussdokument „heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen“ am 30. April 2016 verabschiedet.



Video

  • Weihnachtsgruß des Bischofs
    Dr. Stephan Ackermann hat sich an Weihnachten mit einer Videobotschaft an die Gläubigen im Bistum Trier gewandt.
  • Synodenumsetzung
    Das Bistum Trier hat ein mit dem Vatikan abgestimmtes Konzept angekündigt, wonach es sich zukünftig in maximal 172 Pfarreien und 35 Pastoralen Räumen neu aufstellen will.
  • Gedenken
    Das ökumenische Gebet beim heutigen Gedenken an die Toten, Verletzten und ihre Angehörigen der Amokfahrt in Trier haben Weihbischof Franz Josef Gebert und Superintendent Dr. Jörg Weber gesprochen (Video: Zeljko Jakobovac).
  • Virus trifft Schwächste am härtesten
    Prof. Dr. med. Wolfram Henn, Mitglied des Deutschen Ethikrates und Professor für Humangenetik an der Universität des Saarlands, hat beim "DomWort" über "Leben mit dem Virus - Welche Schranken sind unserem Handeln gesetzt?" gesprochen.
  • Gestapo-Lager Neue Bremm - Rundgang mit Horst Bernard
    Horst Bernard (88) engagiert sich seit Jahrzehnten dafür, die Geschichte des ehemaligen Gestapo-Lagers an der Neuen Bremm in Saarbrücken und die Erinnerung an inhaftierten Frauen und Männer wachzuhalten – und an junge Menschen weiterzutragen. Der Film über ihn wurde bei einer von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung veranstalteten Gesprächsrunde im Kirchenladen „welt:raum“ vorgestellt (Bericht im "Paulinus").
  • Weitere Videos
    Weitere Videos des Paulinus finden sich auf www.youtube.com/PaulinusTrier




Paulinus - Fuss: