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Die Enttäuschung überwiegt

Foto: KNA
Deutsche Ausgabe des nachsynodalen apostolischen Schreibens von Papst Franziskus zur Amazonas-Synode.

Die Enttäuschung überwiegt

Von: KNA | 23. Februar 2020
Das Schreiben von Papst Franziskus zur Amazonas-Synode sorgt in Deutschland bei Befürwortern von Kirchenreformen eher für Enttäuschung.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, sieht die Debatten über Reformen allerdings nicht als beendet an. Er mahnte eine genaue Lektüre des Papiers mit dem Titel „Querida Amazonia“ (Geliebtes Amazonien) an, das der Vatikan am 12. Februar veröffentlichte.

Reformorientierte Beobachter hatten auf konkrete Aussagen zu einer stärkeren Rolle der Frauen und zur Priesterweihe von verheirateten Männern gehofft. Das Schlussdokument der Synode hatte entsprechende Überlegungen aufgegriffen. In seinem aktuellen Schreiben macht der Papst sich diese nicht zu eigen. Weiheämter für Frauen, etwa als Diakoninnen, lehnt er indirekt ab. Auf die von der Synode vorgeschlagene Lockerung der Zölibatspflicht für katholische Priester in Gegenden mit eklatantem Priestermangel geht er nicht ein.

Franziskus habe in seinem Schreiben „keine Türen zugeschlagen“ für weitere Reformdebatten wie den Synodalen Weg in Deutschland, sagte Marx. Zugleich rief er dazu auf, das Papier nicht nur auf die Frage nach dem Zölibat oder der Rolle von Frauen hin zu lesen. Dem Papst gehe es mit Blick auf die Amazonas-Region um Umweltschutz, die Belange der indigenen Bevölkerung und eine ganzheitliche Entwicklung: „Eine rein kapitalistisch orientierte Wirtschaftsweise führt nicht zu dem Ziel, was der Papst nennt.“

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, bedauerte „fehlenden Mut zu echten Reformen“.

Der Freiburger Erzbischof und Misereor-Beauftragte Stephan Burger begrüßte, dass sich der Papst gegen Ungerechtigkeit und Verbrechen wende, die Mensch und Natur in Amazonien noch immer zugefügt würden.

Der für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zuständige Bischof Franz-Josef Overbeck sagte, er hätte den Gemeinden in Amazonien gewünscht, dass Papst Franziskus den Beschlüssen der Synode gefolgt wäre und als regionale Lösung bewährten verheirateten Männern aus dem Amazonasraum den Zugang zur Priesterweihe ermöglicht hätte.

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) bezeichnete das Papstschreiben als einen herben Schlag „für alle Frauen, die auf ein starkes Signal zur Gleichberechtigung in der katholischen Kirche gehofft haben“. Die Theologin und stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende Agnes Wuckelt nannte es „unerträglich, dass die Amtskirche weiterhin Frauen gleiche Rechte abspricht und sie aus biologistischer Argumentation heraus zu Dienstleisterinnen degradiert“.

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) hob den Einsatz des Papstes für Menschenrechte hervor. Zugleich zeigte sich KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth enttäuscht über die Aussagen zur Rolle von Frauen in der Kirche und zu möglichen Lockerungen beim Zölibat, der verpflichtenden Ehelosigkeit von Priestern.

Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf sagte, der Papst vertrete in seinen Formulierungen ein Frauenbild, „das heute kaum noch zu vermitteln ist“.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch erklärte: „Manche werden enttäuscht sein über die Aussagen, etwa zum Zölibat oder zur Priesterweihe der Frau. Diese Enttäuschungen und die Konsequenzen daraus müssen wir auf dem Synodalen Weg zum Thema machen.“

Nach Einschätzung des Rottenburg-Stuttgarter Bischofs Gebhard Fürst wird das Schreiben „eine große Wirkung auf den Erhalt der Natur und die Rechte der indigenen Völker in Amazonien“ haben. Den dramatischen Konsequenzen des Klimawandels zu begegnen, sei die zentrale Herausforderung der Zeit. Den Diakonat der Frau sieht Fürst nach eigenen Worten weiter als „erstrebenswerte Möglichkeit“ an, für die er sich auch in Zukunft einsetzen werde.
Die Frauenbewegung Maria 2.0 warf der katholischen Kirche vor, reformunfähig zu sein. Wer auf ein Symbol des Aufbruchs und der Erneuerung gehofft habe, „muss dieser Kirche wohl enttäuscht den Rücken kehren“.

Die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) erklärte, die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern müsse beim Synodalen Weg weiter diskutiert werden.



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