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Wanderer  im  Gegenwind

Foto: Veit-Mario Thiede
„Der Schwebende“, gehört zu den zahlreichen eindrucksvollen Werken, die Barlach der Nachwelt hinterlassen hat.

Wanderer im Gegenwind

Von: Veit-Mario Thiede | 16. Februar 2020
Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer des letzten Jahrhunderts: Vor 150 Jahren wurde Ernst Barlach geboren.

Die aufs Wesentliche konzentrierten Plastiken des am 2. Januar 1870 in Wedel bei Hamburg geborenen Ernst Barlach verkörpern Freude oder Not, Verzweiflung, Zuversicht oder Frömmigkeit. Sie sind Gleichnisse des von Barlach so genannten „Rätselwesens Mensch“. In den 1920er Jahren feierte er mit Ehrenmalen für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs große Erfolge, die jedoch mit Anfeindungen einhergingen. Die Nationalsozialisten erklärten sein Schaffen zur „entarteten Kunst“. Längst aber gilt der 1938 gestorbene Barlach als einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts.

Ernst Barlach war der älteste von vier Söhnen eines früh verstorbenen praktischen Arztes. Sein Erbe steckte er in die künstlerische Ausbildung. Mit 19 Jahren äußerte er, die Plastik sei ihm „am geläufigsten und liebsten. Nun kann mir aber die Plastik nicht ganz genügen, deshalb zeichne ich, und weil mir das nicht ganz genügt, schreibe ich.“ Auf allen drei Gebieten tat er sich hervor. Zum künstlerischen Erweckungserlebnis geriet ihm eine 1906 angetretene Reise: „Übrigens war ich jetzt einige Monate im südlichen Russland, habe da unendliche Anregungen, sagen wir gleich Offenbarungen empfangen.“

Den Bewohnern Güstrows galt er als Sonderling

Nach der Rückkehr arbeitete er die einfache Leute darstellenden Skizzen zu Druckgrafiken und kleinformatigen Plastiken wie dem „Blinden Bettler“ und der „Russischen Bettlerin mit Schale“ aus. Barlach: „Ich fand in Rußland diese verblüffende Einheit von Innen und Außen, dies Symbolische: So sind wir Menschen, alle Bettler und problematische Existenzen im Grunde.“

Der Barlach-Forscher Wolfgang Tarnowski charakterisiert ihn als „intelligent, hochsensibel, ahnungsvoll (ein Spökenkieker, wie man in Norddeutschland sagt), dabei ernst, unruhig bis nervös, oft Stimmungen unterworfen, scheu und misstrauisch“.

Er selbst bezeichnet sich in seinem in Güstrow verfassten Roman „Der gestohlene Mond“ als der Mann mit dem „Totengräbergesicht, der sich beruflich mit Bildschnitzerei abgibt“. Den Bewohnern Güstrows galt er als Sonderling.

Er hatte sich 1910 mit seinem unehelichen Sohn Nikolaus aus Berlin in die ehemalige mecklenburgische Residenzstadt zurückgezogen, um ungestört arbeiten zu können. Hier lernte er das Bildhauerehepaar Bernhard und Marga Böhmer kennen, das sich 1927 scheiden ließ. Marga wurde Barlachs Lebensgefährtin. In ihrem Haus am Inselsee bezog er die Dachwohnung und ließ auf dem Nachbargrundstück sein Atelierhaus errichten.

Eine Stiftung betreut den Nachlass des Künstlers

Das um den Neubau des Ausstellungsforums-Graphikkabinett ergänzte Atelierhaus ist die Zentrale der 1994 gegründeten Ernst Barlach-Stiftung. Sie betreut den Nachlass des Künstlers, der 330 Plastiken, 1200 Zeichnungen, 230 Druckgrafiken sowie Taschen- und Skizzenbücher, literarische Handschriften, Briefe, Dokumente und Fotografien umfasst.

Das Forum präsentiert Wechselausstellungen. Die Dauerschau des Atelierhauses wartet mit einem repräsentativen Überblick über das plastische Werk auf. Zu ihm gehören die populäre Sitzfigur des hingebungsvoll „Singenden Mannes“ (1928) und der „Träumer“ (1925), den sich Barlach ans Sterbebett stellen ließ.

Der besondere Reiz der Schau liegt darin, dass neben den Endfassungen auch Werkmodelle zu sehen sind. Sie geben Einblick in den Entstehungsprozess berühmter Großplastiken wie des im Magdeburger Dom aufgestellten Ehrenmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Hinter einem Grabkreuz stehen drei Soldaten, der links ist vor den Schrecken des Krieges erstarrt, der mittlere stiert uns verängstigt an, der rechts scheint zu zittern. Die drei Halbfiguren unter ihnen verkörpern Trauer, Tod und Entsetzen.




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