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Einheit statt Gemeinheit

Foto: KNA
Frère Alois (Mitte) beim Taizé-Treffen in Breslau (polnisch Wroclaw) im Kreis von Mitbrüdern und jungen Leuten.

Einheit statt Gemeinheit

Von: Christian Michael Hammer | 12. Januar 2020
Freude, Wehmut und neuer Esprit: Tausende junge Menschen aus rund 60 Nationen haben in Breslau ihren Glauben gefeiert. Das war das Taizé-Treffen zum Jahreswechsel.

Lange Schlangen bei den Straßenbahnstationen, wegen der Kälte dick eingepackte junge Menschen, die meisten mit einem Lächeln im Gesicht und einem Taizé-Beutel auf dem Rücken. Am 1. Januar ist das mehrtägige Europäische Taizé-Jugendtreffen im polnischen Breslau mit rund 14 000 Teilnehmern zu Ende gegangen. Es war ein Fest der Gemeinschaft und des Glaubens, das über Grenzen hinweg Menschen verbindet – in einer Zeit, in der das Wort Grenze einen hohen Symbolgehalt hat.

Der Leitgedanke der Völkerverständigung stand im Kontext zur aktuellen Weltpolitik. „Wir bringen junge religiöse Menschen zusammen und leben die christlichen Werte“, betonte Frère Alois, Leiter der ökumenischen Taizé-Gemeinschaft. Die Begegnung junger Menschen sehe er als Hoffnung für die Zukunft Europas – in dem die Menschen „das Zuhören nicht verlernen dürfen“. Politische, kulturelle und sprachliche Grenzen seien hier nicht so wichtig. Es gehe vielmehr um Gott und den Glauben.

Die europäische Völkerverständigung war auch dem Erzbischof von Breslau, Jozef Kupny, ein wichtiges Anliegen. „Europa hat junge Menschen, die nach christlichen Werten leben, dringend nötig. Es ist gut, dass ihr euch gegen das einsetzt, was trennt“, sagte er zu den Teilnehmern des Treffens. Im Vordergrund stehe für ihn aber „ganz klar, Gott zusammen zu ehren“. Die Anziehungskraft gründe immer wieder in der besonderen Atmosphäre von Taizé.

„Einheit, Offenheit und Zusammenhalt dürfen keine Phrasen sein“, lautete die Einschätzung von Taizé-Bruder Ulrich. Eine Gastfreundschaft, wie sie bei der Veranstaltung in Breslau gelebt werde, sei praktischer Natur: miteinander lachen, reden und vor allem aufeinander eingehen. Das führe die Menschen zusammen.

Täglicher Höhepunkt des Treffens war das Abendgebet mit Frère Alois. Dann wurde es in der Breslauer Jahrhunderthalle still und andächtig. Taizé-Gesänge erfüllten den Raum. Musiker stimmten tragende Melodien an. Zum Ende hin gab es immer wieder Zeit, im Stillen zu beten oder einfach den Moment in sich aufzunehmen.

Zahlreiche Workshops widmeten sich 30 verschiedenen aktuellen Themen aus den Bereichen Spiritualität, Kirche, Solidarität und Gesellschaft, Kunst und Glauben. So erzählten die Brüder über Taizé, von polnischen Familien, von ihren Erfahrungen bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Dazwischen trafen sich die Jugendlichen in kleinen Gruppen oder nutzten die freie Zeit, um durch die Stadt zu streifen. Und fast immer war ein Taizé-Bruder für ein Gespräch in der Nähe.

Das Treffen war nicht zuletzt eine logistische Herausforderung für die Veranstalter: Etwa 1000 Freiwillige organisierten Essen und Workshops. Rund 45 000 warme Mahlzeiten und 5,5 Tonnen Brot sowie 70 000 Mandarinen und Orangen wurden an die Teilnehmer verteilt. „Ich habe viele neue Freunde gefunden und fühle mich bestärkt bei allem, was ich tue“, fasste Robert seine Eindrücke zusammen. Der 19-jährige Pole half bei der Essensausgabe. „Das Treffen zeigt: Wir brauchen Einheit und keine Gemeinheit, wie sie in der aktuellen Politik oft vorkommt“, lautete sein Fazit.

Bei der Begegnung der deutschsprachigen Teilnehmer teilten mehrere Jugendliche ihre Erlebnisse mit den anderen. Die Münchnerin Alicia berichtete etwa von einer 90-jährigen polnischen Frau, die sie mit ihrer persönlichen Geschichte über den Zweiten Weltkrieg zu Tränen gerührt habe.

An Silvester feierten die Breslauer und ihre Gäste gemeinsam ins neue Jahr. Vielerorts kam es zu spontanen Partys. Das Jugendtreffen fand seinen Ausklang mit einem „Fest der Nationen“ in den Gastgemeinden. Dabei sollte vor allem die Bedeutung von Einheit und Frieden vermittelt werden. Beim nächsten Taizé-Treffen in Turin werden sich etliche Teilnehmer aus Breslau erneut begegnen und wohl das Turiner Grabtuch bestaunen.



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