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Vatikan stoppt Bistum Trier

Foto: Jakobovac
Beginn eines langen Prozesses: Bischof Ackermann am ersten Tag der ersten Vollversammlung der Bistumssynode am 13. Dezember 2013.

Vatikan stoppt Bistum Trier

Von: red/bip/KNA/sm/bs | 1. Dezember 2019
Der Vatikan hat die geplante Pfarreienreform im Bistum Trier vorerst ausgesetzt und den Trierer Bischof Stephan Ackermann zur Stellungnahme aufgefordert.

Die Römische Kleruskongregation hat entschieden, den Vollzug des „Gesetzes zur Umsetzung der Ergebnisse der Diözesansynode 2013–2016“ auszusetzen. Das wurde am 21. November bekannt. Der Päpstliche Rat für die Interpretation der Gesetzestexte soll durch diesen Schritt Zeit bekommen, das Gesetz sorgfältig zu prüfen. Geplant war, dass zum 1. Januar die ersten 15 neuen Großpfarreien im Bistum starten. Dies ist nun ausgesetzt. Ob die Zusammenlegung nach der Prüfung genehmigt oder verboten wird, ist derzeit noch nicht absehbar.

Die Kleruskongregation erklärte in ihrem Bescheid zur Aussetzung des Gesetzes, dass „die geplante Reform erhebliche Konsequenzen für das kirchliche Leben“ haben werde, und mahnte an, dass „das Heil der Seelen keinen Schaden leiden“ solle (Wortlaut des Schreibens hier).

Anlass für die Prüfung war die Beschwerde einer Priestergemeinschaft aus dem Bistum unter dem Vorsitz des Pfarrers von Sankt Paulin in Trier, Joachim Waldorf, bei der Kleruskongregation. Zudem waren in Rom Beschwerden von katholischen Laien aus dem Bistum eingegangen. Sie forderten eine Prüfung, ob das Gesetz mit dem universalen Kirchenrecht übereinstimmt. Diese Bedenken hatte der Päpstliche Rat für die Interpretation der Gesetzestexte als „legitim“ anerkannt.

Bischof Ackermann kündigte an, bei der Kleruskongregation zu der Beschwerde der Priestergemeinschaft „Unio Apostolica“ Stellung zu nehmen. Ackermann hatte im Oktober ein Gesetz erlassen, das die Basis für die nachsynodale Neugliederung der Pfarreien legt. In einem ersten Schritt sollten zum 1. Januar 2020 zunächst 15 neue Pfarreien starten. Die anderen 20 „Pfarreien der Zukunft“ sollten ein Jahr später, zum 1. Januar 2021, errichtet werden. Das Bistum Trier setzte nach der Vatikan-Entscheidung die geplanten Wahlen für den neuen „Rat der Pfarrei“ aus, wie Bischof Ackermann am 22. November verfügte. Die Durchführung verstoße gegen die vom Vatikan bestimmte Aussetzung der Reform der Pfarreien. Am 23./24. November hätte in den geplanten Großpfarreien Neuwied, Völklingen, Sankt Wendel und Idar-Oberstein jeweils der Rat der Pfarrei gewählt werden sollen.

„Mit Erschrecken und Unverständnis“ hat der Katholikenrat die Nachricht aufgenommen, dass es eine Aussetzung des Umsetzungsprozesses der Synode geben wird. „Die Aussetzung kommt zum absolut falschen Zeitpunkt“, erklärte der Katholikenratsvorsitzende Manfred Thesing. Und weiter: „Wir hören und spüren, dass viele Menschen froh sind, dass es endlich losgehen kann. Schade, dass wir jetzt auf die Bremse treten müssen. Wir bitten alle, die sich voller Tatendrang auf den zukunftsfähigen Weg unserer Trierischen Kirche gemacht haben, nicht den Wagenstopp zum Anlass zu nehmen, auszusteigen. Und wir bitten unseren Bischof, nicht mutlos zu werden. Wir sind auf dem richtigen Weg, indem wir das umsetzen, was die Synode gemeinsam erarbeitet hat.“

„Befremden und Enttäuschung“ hat der Vatikanbescheid auch bei den Ordensoberen im Bistum Trier ausgelöst. „Dass Veränderungen immer auch mit Widerständen einhergehen“, das wüssten sie aus eigenem Erleben „nur zu gut“, heißt es in einer Stellungnahme der Ordensleute. „Die Art und Weise und der Stil des Miteinanders im Kontext der Synodenumsetzung jedoch sind erschreckend und schädlich.“

„Ich bin richtig geplättet. Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Dechant Günter Hardt vom Dekanat Bad Kreuznach dem „Paulinus“ in einer ersten Reaktion. Auch er sprach von Aufbruchstimmung, die es vor Ort gegeben habe. Auch die neue Pfarrei Bad Kreuznach sollte am 1. Januar an den Start gehen.

Weiteres zur Entwicklung war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.



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