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Papst fordert in Japan Welt ohne Atomwaffen

Foto: KNA
Papst Franziskus bei seiner Ankunft zu der Messe in Tokio am 25. November.

Papst fordert in Japan Welt ohne Atomwaffen

Von: KNA | 1. Dezember 2019
Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in Japan erneut für eine weltweite nukleare Abrüstung geworben. Vor Politikern und Diplomaten sprach er sich am 25. November in Tokio für eine multilaterale Lösung der Atomfrage aus und unterstrich die Rolle des ostasiatischen Staats beim globalen Kampf gegen Armut.

Zuvor war der Papst an diesem Tag  mit Opfern der „dreifachen Katastrophe“ des Erdbebens, des Tsunami und des Atomunfalls von Fukushima im März 2011 zusammengetroffen. Dabei forderte er mehr Unterstützung. „Keiner baut sich von selbst wieder auf, keiner kann von allein wieder anfangen“, sagte er. Die Betroffenen seien auf dauerhafte Hilfe, Einsatz und Solidarität angewiesen. Auch das Gesellschaftsgefüge habe Schaden genommen. Als Grundübel nannte Franziskus eine „Kultur der Gleichgültigkeit“.

Auch beim anschließenden Empfang durch Kaiser Naruhito im Palast ging es laut japanischen Medien um die Katastrophe von 2011. Der Kaiser habe dem Papst für seine Anteilnahme gegenüber den Opfern gedankt, hieß es. Das Gespräch, über das offiziell nichts mitgeteilt wurde, dauerte nach Vatikanangaben gut 20 Minuten.

Bei einer Begegnung mit rund 900 Jugendlichen in der Kathedrale von Tokio ermutigte der Papst Mobbing-Opfer zum Aufstehen gegen ihre Peiniger, verlangte aber zugleich einen gesellschaftlichen Schulterschluss gegen die „Seuche“ des Mobbings.

Der Teufelskreis des Leistungsdrucks

Gesellschaftliche Probleme sprach Franziskus auch bei einer  Messe im „Tokyo Dome“ an. Viele Menschen litten unter den übermäßigen Anforderungen. Er beklagte einen „Teufelskreis der Angst und des Leistungsdrucks“ in der japanischen Gesellschaft. Selbst das eigene Zuhause und die Schule verkämen zu Orten des Wettbewerbs. Christen müssten demgegenüber das Leben mit seiner Zerbrechlichkeit und Begrenztheit annehmen und „willkommen heißen, was nicht vollkommen ist“, auch Behinderte, Fremde, Kranke oder Strafgefangene.

Am frühen Abend des 25. November traf der Papst mit Ministerpräsident Abe in dessen Regierungssitz Kantei zusammen. In einer Rede vor Politikern und Diplomaten warb er für eine „Kultur der Begegnung und des Dialogs“ gegen Konflikte. Gespräche seien „die einzige Waffe, die des Menschen würdig ist und einen dauerhaften Frieden gewährleisten kann“.

Das Versprechen des Ministerpräsidenten

Der Papst verlangte einen „breiteren internationalen Konsens und Einsatz“ für eine multilaterale Lösung der Atomfrage. Weiter appellierte er an die Regierungen zu mehr ökologischem Engagement. Dabei verwies er auf junge Menschen, „die immer mehr über mutige Entscheidungen sprechen und sie verlangen“. Die Wirtschaftsmacht Japan rief er zum Eintreten für eine gerechtere Vermögensverteilung weltweit auf. Abe versprach, Japan bemühe sich, „die Welt zu einem besseren Ort zu machen“. Japan, das als einziges Land die Schrecken nuklearer Zerstörung im Krieg erfahren habe, werde weiter eine Führungsrolle bei der Abschaffung aller Kernwaffen weltweit wahrnehmen.

In beispielloser Schärfe hat Papst Franziskus in Japan den Bau und den Besitz von Kernwaffen verurteilt. „Der Einsatz von Atomenergie zu Kriegszwecken ist ein Verbrechen, heute mehr denn je“, sagte er am 24. November in Hiroshima, dem Ort des ersten Atombombenabwurfs der Geschichte. Nachdrücklich sprach er sich für eine umfassende Abrüstung aus. Wahrer Friede könne nur „ein waffenloser Friede“ sein. Zuvor forderte Franziskus in Nagasaki das Festhalten an multilateralen Abkommen; Rüstungsausgaben verurteilte er als eine „himmelschreiende“ Vergeudung angesichts weltweiter Armut und Klimaprobleme.

Dieser Besuchstag des Papstes in Japan stand im Zeichen der Mahnungen gegen Nuklearwaffen. Auch bei einer Messe in Nagasaki erinnerte Franziskus an die Atombombenabwürfe 1945. Japan habe wie kaum ein anderes Land „die Zerstörungskraft erfahren, zu der der Mensch gelangen kann“. Weiter appellierte er gegenüber den Angehörigen der katholischen Minderheit zu Aufmerksamkeit für Kranke und Behinderte, Alte, Flüchtlinge und Gastarbeiter.

Bei einem Besuch der Gedenkstätte Nishizaka Hill in Nagasaki erinnerte der Papst an die christlichen Märtyrer des Landes als Vorbild für heutige Katholiken. Auf dem Hügel in der südjapanischen Stadt waren im Jahr 1597 zur Abschreckung 26 Christen hingerichtet worden.




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