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Druck im katholischen Kessel

Foto: KNA
Der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters im Gespräch mit jungen Leuten, die in Fulda für Reformen in der Kirche demonstrierten.

Druck im katholischen Kessel

Von: KNA | 6. Oktober 2019
Missbrauch, synodaler Weg, Kontroversen, Proteste, Appelle: Rund um die Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe ging es hoch her.

Die Gesamtsumme der Entschädigungen, die von der katholischen Kirche in Deutschland an Missbrauchsopfer gezahlt werden soll, steht noch nicht fest. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, betonte am am Ende der Vollversammlung am 26. September in Fulda vor Journalisten, Berechnungen, wonach 3000 Opfer je 300 000 Euro Entschädigung erhalten würden und somit insgesamt knapp eine Milliarde Euro ausgezahlt werden müsste, seien derzeit noch nicht verifizierbar. Beschlossen worden sei ein Systemwechsel hin zu einer umfassenden Entschädigung der Opfer, die dann in Deutschland nach Art und Höhe einmalig wäre, fügte der Münchner Erzbischof hinzu. Die Bischöfe bekräftigten ihren Willen, den „synodalen Weg“ fortzusetzen.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, begrüßte das Bekenntnis der Bischofskonferenz. „Der mit überwältigender Mehrheit aller Bischöfe gefasste Beschluss, der in enger Abstimmung mit dem ZdK erarbeiteten Satzung zuzustimmen, ist für den weiteren synodalen Weg eine wichtige Voraussetzung“ sagte er.

Doch es gab auch abweichende Meinungen: Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat gegen das Statut des Reformprojekts „synodaler Weg“ gestimmt: „Ich konnte der Satzung in dieser Form nicht zustimmen, aber ich will mich dem Gespräch nicht verweigern“, schrieb er am 26. September auf Twitter.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hatte bereits am Tag zuvor erklärt, er habe mit Nein gestimmt und werde sich nur unter Vorbehalten am „synodalen Weg" beteiligen. Voderholzer betonte, die thematische Ausrichtung des „synodalen Wegs“ gehe an der Realität der Glaubenskrise in Deutschland vorbei. Er werde sich an dem Prozess trotzdem beteiligen, weil er sich nicht den Vorwurf der Dialogverweigerung machen lassen wolle. Allerdings erwarte er sich nicht viel und behalte sich vor, „nach den ersten Erfahrungen gegebenenfalls ganz auszusteigen“.

Mitglieder der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) demonstrierten am Rande der Vollversammlung für Strukturveränderungen in ihrer Kirche. Die Bischöfe und Weihbischöfe Stefan Oster, Jörg Michael Peters, Michael Gerber und Florian Wörner, allesamt Mitglieder der Jugendkommission der Konferenz, sprachen mit den jungen Leuten über deren Anliegen. Die Jugendlichen forderten unter anderem auch den Zugang von Frauen zu allen Weiheämtern.

Vertreterinnen und Vertreter aus franziskanischen Ordensgemeinschaften aus dem deutschsprachigen Raum begrüßen und unterstützen den geplanten „synodalen Weg“. So steht es in einer Erklärung der Interfranziskanischen Arbeitsgemeinschaft mit rund 6500 Mitgliedern. „Wir sind überzeugt, dass sich alles kirchliche Handeln, insbesondere der Umgang mit Macht, radikal an Jesus Christus und dem Evangelium orientieren muss“, hieß es. Die Ordensleute zeigten sich entsetzt angesichts populistischer und fundamentalistischer Tendenzen in Kirche und Gesellschaft. Zugleich wehrten sie sich gegen die Diskriminierung von Menschen, „die anders leben, lieben oder glauben“. Man sei sich bewusst, mit dieser Haltung in Spannung zur kirchlichen Morallehre zu stehen.

Unterdessen hat sich eine Gruppe von Pfarrern und Diakonen aus dem Erzbistum Freiburg den Forderungen der Initiative Maria 2.0 für grundlegende Veränderungen in der katholischen Kirche angeschlossen. Ein entsprechender im Internet veröffentlichter Appell wurde inzwischen von knapp 100 Priestern und 40 Diakonen unterzeichnet.

Darunter sind etwa der Jesuit Klaus Mertes, der Moraltheologe Eberhard Schockenhoff und der Karlsruher Dekan Hubert Streckert. Die Brisanz der aktuellen Forderungen nach Veränderungen und Öffnung der Kirche sei noch immer nicht allen Bischöfen bewusst, kritisiert die Gruppe. Daher sei es wichtig, dass auch Kleriker die Aktionen von Maria 2.0 unterstützten. „Wir wollen deutlich machen, dass es nicht um Sonderwünsche von einigen Frauen geht, sondern dass sich hier die Zukunft von Kirche und Glauben in Deutschland mitentscheidet.“



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