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Fußwallfahrt rund um  Trastevere

Foto: KNA
Ponte Sisto in Rom. Über diese Brücke führt die Route der Wallfahrt.

Fußwallfahrt rund um Trastevere

Von: Roland Juchem | 25. August 2019
Um die Frömmigkeit der Römer zu beleben, schuf Philipp Neri 1552 die Sieben-Kirchen-Wallfahrt – ein strammer 25-Kilometer-Marsch. Eine kürzere Sieben-Kirchen-Wallfahrt in Rom bietet sich rund um den Stadtteil Trastevere an.

Ob magische Kräfte auf der Tiber-Insel walteten oder diese sich, mitten im Fluss gelegen, als Quarantäneort eignete? Sicher ist, dass sich dort, wo heute ein Krankenhaus und eine Kirche stehen, im antiken Rom ein Heiligtum des Gottes Äskulap befand. Auf dessen Fundamenten und zum Teil mit dessen Steinen bauten Roms Christen im zehnten Jahrhundert die Kirche San Bartolomeo all’Isola. Bei ihr beginnt die „kleine Sieben-Kirchen-Wallfahrt“. Erdacht hat den Rundgang zu einigen der ältesten christlichen Orte Roms die katholische Gemeinschaft Sant’Egidio, die ihren Sitz in Trastevere – „jenseits des Tibers“ – hat.

Auf der Insel beginnt die Wallfahrt mit einem Gedenken an die „Ökumene des Blutes“. San Bartolomeo ist heute weniger Kirche für Kranke, sondern die der „neuen Märtyrer“, die im 20. und 21. Jahrhundert wegen ihres Glaubens getötet wurden. Zu sehen sind unter vielen anderen das Messbuch von Oscar Romero (gestorben 1980), eine Bibel des pakistanischen Ministers Shabaaz Bhatti (2011), ein Rosenkranz des russisch-orthodoxen Priesters Alexander Men (1990), ein Brief des in Algerien ermordeten Trappisten Christian de Cherge (1996), die Stola des sizilianischen Anti-Mafia-Priesters Giuseppe Puglisi (1993), das Brevier des französischen Priesters Jacques Hamel (2016). Auf dem Altar für die Märtyrer der Nazi-Diktatur stehen unter anderem eine Reliquie und ein Gebetbuch von Maximilian Kolbe (1941), Briefe des evangelischen Pfarrers Paul Schneider (1939) und des österreichischen Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstätter (1943).

Beim Verlassen der Kirche ist rechts in der Vorhalle eine Gedenktafel zu sehen, die an den Besuch Benedikts XVI. erinnert. Er war im April 2008 dort, um die modernen Märtyrer eigens zu würdigen. Von hier führt die erste Etappe nach links über den Tiber. Von der Brücke aus hat man einen guten Blick auf den „Ponte rotto“. Der letzte, einsame Brückenbogen von Roms ältester Steinbrücke – erbaut 174 v. Chr. – steht heute quasi unerreichbar mitten im Tiber. Hat man das jenseitige Tiberufer und damit Trastevere erreicht, überquert man die mehrspurige Uferstraße und begibt sich ein paar Stufen hinunter zur Piazza in Piscinula. Dort ist – wenn man genauer hinschaut – Roms kleinster Kirchturm zu sehen. Die Kirche San Benedetto in Piscinula beherbergt Mauerreste eines Zimmers, in dem sich der junge Benedikt von Nursia bei einem kurzen Studienaufenthalt in Rom betend der Sittenlosigkeit der Großstadt erwehrt haben soll.

Links an der Kirche entlang hält man sich Richtung Süden – rechts, zwei Mal links, wieder rechts – und erreicht die Piazza Santa Cecilia. Auf dem Grundstück der heutigen Basilika soll in antiker Zeit das Wohnhaus der Schutzheiligen der Kirchenmusik gestanden haben. Berühmt ist die in einer Art Glassarkophag liegende Statue der Heiligen, die wegen ihres Bekenntnisses zum Gott der Christen um 220 starb: Aus makellosem weißem Marmor bildete Stefano Maderno um 1600 den am Boden liegenden Körper der römischen Adelstochter nach, mit einer Tunika und einem Kopftuch bedeckt. Man muss genauer hinsehen, um am Nacken die drei Schnittwunden der vom Henker wenig erfolgreich durchgeführten Enthauptung zu sehen. Cecilia verblutete.




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