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Ein kleines Jubiläum

Foto: KNA
Pilger vor dem Pilgerbüro in Santiago de Compostela, wo sie ihre Pilger-Urkunde erhalten.

Ein kleines Jubiläum

Von: Anna Fries | 11. August 2019
Der Weg ist das Ziel – so das Credo vieler Pilger: Tausende zieht es jährlich quer durch Europa zum Grab des heiligen Jakobus nach Santiago de Compostela. Am Ende der Reise wartet seit nunmehr zehn Jahren eine deutschsprachige Pilgerseelsorge mit Angeboten.

Schon kurz nach Sonnenaufgang treffen die ersten Pilger auf dem Platz vor der Kathedrale in Santiago de Compostela ein. Viele setzen sich auf den Boden, angelehnt an die Mauer des gegenüberliegenden Polizeigebäudes, den Blick auf die barocke Fassade gerichtet. Andere liegen auf dem hellen Steinboden, mit ihrem Rucksack als Kopfkissen. Wanderschuhe und Socken haben die meisten ausgezogen. Es riecht nach verschwitzten Kleidern. Neu ankommende Pilger recken den Rucksack, die Wanderstöcke oder die Hände in den Himmel: eine Siegerpose, die sagt: Ich habe es geschafft!

Etwa 1500 Pilger erreichen in den Sommermonaten täglich die Kathedrale, in der die Grabstätte des Apostels Jakobus verehrt wird – 2018 waren es rund 330 000 Menschen aus 177 Nationen. Einer von ihnen ist Henry Müller aus dem baden-württembergischen Muggensturm. Er sitzt auf einer Steinbank vor der Kathedrale, neben ihm sein mit schwerem Gepäck beladenes Rad. Er lacht und hat zugleich Tränen in den Augen. „Ich habe mir oft vorgestellt, hier zu stehen. Aber der Moment ist überwältigend“, sagt er.

Seit Dezember ist Henry – denn Pilger duzen sich – Rentner. Einen Tag nach seinem 66. Geburtstag packte er das Rad und fuhr los, von Saint-Jean-Pied-de-Port unweit der französischen Grenze zu Spanien über die Pyrenäen rund 800 Kilometer bis Santiago. Ohne E-Bike, wie andere, nur mit Muskelkraft. „Vor dem Alleinsein hatte ich die meiste Angst“, sagt er. „Aber man ist nicht allein. Es sind immer alle dabei, auch die, von denen ich mich nicht mehr verabschieden konnte.“ Die Tour sollte für ihn auch ein Weg sein, mit Todesfällen in seinem Umfeld klarzukommen.

In die Freude über das Ankommen mischt sich bei manchem Bedauern. „Wenn man Santiago erreicht, sind innerhalb von Stunden alle weg, denen man während vieler Wochen immer wieder begegnet ist“, sagt Gerda Montkowski. Sie wanderte vor einigen Jahren selbst rund 2000 Kilometer auf dem Jakobsweg und engagiert sich heute in Santiago im Team der deutschsprachigen Pilgerseelsorge.

Gemeinschaft, Austausch, spirituelle Begleitung

Seit genau zehn Jahren will das Projekt der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Deutschen Bischofskonferenz Pilgern am Ende ihrer Reise zur Seite stehen, die Gemeinschaft oder spirituelle Begleitung suchen oder einfach über das Erlebte sprechen wollen.

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    Seit genau zehn Jahren steht ein Team der deutschsprachigen Pilgerseelsorge denen zur Seite, die Santiago de Compostela erreicht haben. Menschen sollen Gelegenheit erhalten, über ihre Erfahrungen auf dem Weg zu sprechen.

    Von Mitte Mai bis Mitte Oktober kümmert sich ein Team aus zwei Ehrenamtlichen und einem Priester vor Ort um die Pilger und steht als Ansprechpartner bereit. Die Mitarbeiter sind je etwa drei Wochen in Santiago und nehmen sich für die Zeit Urlaub.

    Das Angebot in Santiago umfasst deutschsprachige Gottesdienste und die Gelegenheit zur Beichte. Jeden Abend informiert ein Ehrenamtlicher bei einer Führung über den Apostel und den Jakobsweg.



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