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Vergebungsbitte an Roma

Foto: KNA
Blumen für den Papst: Franziskus besucht in Rumänien am 2. Juni die Gemeinschaft der Roma in Blaj.

Vergebungsbitte an Roma

Von: Roland Juchem | 9. Juni 2019
Papst Franziskus hat auf seiner Reise vom 31. Mai bis 2. Juni in Rumänien nicht nur sieben Märtyrer seliggesprochen, sondern auch ein Schuldbekenntnis gegenüber den Roma abgelegt.

Zur Freiheit gehört Musik. Lange bevor der Papst am Morgen des 2. Juni auf dem „Feld der Freiheit“ in Blaj eintrifft, erklingen von einer Seitenbühne Gesänge. Gleich zu Beginn von Sava Negrean Brudascu, in Rumänien bekannt für siebenbürgische Heimatlieder. Lieder, die auf die Animositäten zwischen Rumänen und Ungarn anspielen, lässt sie aus. Solche Texte passen nicht zu dem, was Franziskus in diesen Tagen ständig predigt: Es ist eure kulturelle und religiöse Vielfalt, die den Reichtum Rumäniens ausmacht und zu wahrer Freiheit gehört.

Blaj – auf Deutsch Blasendorf – gilt als Symbolort rumänischen Nationalbewusstseins. Hier, auf dem „Feld der Freiheit“, versammelten sich 1848 rund 40 000 Rumänen Siebenbürgens, um gegen die ungarische Vorherrschaft zu demonstrieren. Beim Wallfahrtsgottesdienst mit der ungarischen Minderheit am 1. Juni in Sumuleu Ciuc waren nur rot-weiß-grüne Fahnen zu sehen. Am 2. Juni wallt auf dem von Büsten rumänischer Nationalhelden gesäumten „Feld der Freiheit“ eine riesige Landesflagge in Blau-Gelb-Rot.

Das Feld der Freiheit ist noch aus einem weiteren Grund symbolträchtig: Als 1948 Rumäniens neue kommunistische Machthaber zur 100-Jahr-Feier der Nationalversammlung aufmarschierten, verboten sie dabei die griechisch-katholische Kirche, konfiszierten deren Eigentum und verhafteten ihre Priester und Bischöfe. Römisch-katholische und orthodoxe Kirche traf es ebenfalls, wenn auch nicht so gnadenlos.

Deswegen spricht der Papst genau hier sieben griechisch-katholische Bischöfe selig. Zwischen 1950 und 1970 starben sie nach Folter und Haft durch die Staatspolizei. Quer über dem Papst am Dach der Altarbühne prangt das Bekenntnis der Überlebenden: „Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.“

Der rund zweistündige Gottesdienst mit rund 80 000 Menschen, unter ihnen neben der politischen Führung auch der jüdische Oberrabbiner und der muslimische Mufti des Landes – aber kein offizieller orthodoxer Vertreter –, findet im byzantinischen Ritus statt. Franziskus würdigt das Martyrium der Sieben, das „ohne Worte des Hasses auf ihre Verfolger“ ausgekommen sei. Dies sei eine „prophetische Botschaft“ an die Heutigen: „den Hass mit der Liebe und der Vergebung zu besiegen“ und christlichen Glauben konsequent und mutig zu leben.

Zugleich warnt Franziskus vor neuen „atheistischen Ideologien“, die „auf subtile Weise“ die Menschen von den „reichen kulturellen und religiösen Überlieferungen entfremden wollen“ und „den Wert der menschlichen Person, des Lebens, der Ehe und der Familie verachten“.

Die päpstlichen Appelle an Gemeinwohl und Zusammenhalt erklingen in diesen Tagen vor dem Hintergrund einer politischen Vertrauenskrise: der Verhaftung des Chefs der Regierungspartei PSD, Liviu Dragnea. Wie die Katholiken – wenn auch landesweit nur eine Minderheit – denken, zeigt sich beim Auftritt der Prominenz. Als Präsident Klaus Johannis und seine Frau durch den Mittelgang gehen, werden sie von Beifall begleitet. Als auf den Großbildschirmen Ministerpräsidentin Viorica Dancila von der PSD ins Bild kommt, gibt es Buhrufe.

Papst-Tross macht Platz für Roma-Familien

„Im Namen der Kirche bitte ich den Herrn und euch um Vergebung dafür, wenn wir euch im Laufe der Geschichte diskriminiert, misshandelt oder falsch angeschaut haben“, sagt Franziskus am Nachmittag bei einer Begegnung mit rund 300 Roma in Blaj.

Die kleine Kirche der Roma-Gemeinde, die erst vor wenigen Wochen geweiht wurde, bietet nicht viele Sitzplätze. Als Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin nach draußen geht, um Platz zu schaffen, folgen ihm die anderen Kardinäle und Bischöfe. Familien aus dem Ort nehmen ihre Plätze ein. Ein Leibwächter des Papstes lässt noch einige neugierige Kinder in die Kapelle.



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