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„Die Zeit läuft uns davon“

Foto: Imago
Traurige Eisbären. Klima-Aktivisten in Paris 2015.

„Die Zeit läuft uns davon“

Von: Bruno Sonnen | 9. Dezember 2018
Zahlreiche Vertreter der Kirche sowie kirchlicher Einrichtungen haben vor der Weltklimakonferenz vom 3. bis 14. Dezember im polnischen Kattowitz einen stärkeren Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung gefordert.

„Die Welt befindet sich mitten in epochalen Veränderungen der Umwelt“, sagte die Klima-Expertin des Hilfswerks Misereor, Anika Schroeder, am 30. November. Angesichts der Klimakrise sei es dringend geboten, „das Pariser Klimaabkommen durch ein ambitioniertes Regelbuch und dessen Umsetzung vom Hoffnungsträger zum Lebensretter zu machen“. Schroeder beklagte, dass Deutschland seiner Verantwortung nicht nachkomme, und kritisierte „eine Verschleppung der Kohlekommission“ sowie die Verfehlung der eigenen Ziele. 

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission hatte zuletzt ihren Abschlussbericht immer weiter verschoben, jetzt soll er nicht vor Februar 2019 vorliegen. Das zeigt Experten und politischen Beobachtern zufolge, dass sich die Auseinandersetzungen um das Ende der Kohle in Deutschland noch einmal verschärft haben. Aus der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hieß es, die Verschiebung des Berichts sei ein „desaströses Signal“ für die Konferenz in Kattowitz.

Auch Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck rief zu entschlossenem Handeln für mehr Klimaschutz auf. Der Vorsitzende der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen bei der Deutschen Bischofskonferenz erklärte: „Die globale Erwärmung schreitet weiter voran und stellt eine akute Bedrohung für die Welt dar. Wir müssen den gefährlichen Klimawandel stoppen, bevor es zu spät ist. Die Zeit läuft uns davon.“

Ruhrbischof: Wir müssen alle Handlungsfelder in den Blick nehmen

Overbeck erinnerte an die Enzyklika „Laudato Si’“ von Papst Franziskus und betonte: „Ein ambitionierter Klimaschutz ist die Grundlage für die Bewahrung der Schöpfung und der Weg in unsere gemeinsam nachhaltig zu gestaltende Zukunft. Die Länder der Welt müssen frühestmöglich klimaneutral wirtschaften und leben. Deutschland steht dabei als Industrieland in besonderer Verantwortung und sollte eine Vorreiterrolle einnehmen und sich zum Ziel der Klimaneutralität bis spätestens 2050 bekennen. Dazu sind alle Handlungsfelder in den Blick zu nehmen: Energiewirtschaft, Gebäude, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft.“

„Die Politik muss für das Ziel der Klimaneutralität einen langfristig verlässlichen Rahmen schaffen, zu dem auch die Zahlung eines angemessenen Preises für den Ausstoß von Kohlendioxid gehört, der sich an den Schäden des Klimawandels orientiert“, fordert Overbeck. „Wir alle können und sollen durch einen umweltschonenden Lebensstil etwa bei Ernährung und Mobilität unseren Beitrag leisten.“

Weltkirche-Bischof Ludwig Schick pochte auf einen stärkeren Einsatz der katholischen Kirche für den Umweltschutz. „Wir müssen uns als Kirche mehr darum bemühen, zu einem Akteur des Wandels persönlicher, gesellschaftlicher und politischer Leitbilder zu werden“, sagte der Bamberger Erzbischof auf einer Konferenz des polnischen Erzbistums Kattowitz. Die Kirche habe die Aufgabe, durch ihre vielfältigen Projekte, durch ihre Bildungsarbeit für eine neue Ordnungspolitik neue Leitbilder plausibel zu vermitteln. Die Richtung müsse lauten: „Gut leben statt viel haben.“

Die Folgen des Klimawandels treffen nach Einschätzung von Caritas international vor allem die Armen. Das Hilfswerk forderte weltweit größere Investitionen, um Menschen vor klimabedingten Katastrophen wie Wirbelstürmen, Dürren oder Erdrutschen zu schützen. „In unseren Hilfsprojekten erleben wir tagtäglich, dass vor allem diejenigen sterben, denen Wissen und Geld fehlen, um sich vor den Folgen des Klimawandels zu schützen“, sagte Präsident Peter Neher.

Und die Bundesregierung? Tut wenig bis nichts für den Klimaschutz, etwa in den Bereichen Verkehr und Landwirtschaft, und bremst die Energiewende schlicht aus. Der Windkraftausbau wurde gedeckelt, und gerade erst hat sich die Große Koalition bei der Photovoltaik-Förderung darauf geeinigt, die Vergütungen für das Einspeisen von Sonnenstrom ins Netz im nächsten Jahr zu senken.

Die Solarbranche sprach von einem „Anschlag auf die Energiewende“, der geeignet sei, den Solarboom der jüngsten Zeit jäh zu stoppen. Dabei bräuchte es mehr Windkraft und Solarenergie, um die selbst gesteckten – und für 2020 schon krachend verfehlten – Klimaziele zu erreichen. Die Natur wartet bekanntlich nicht.



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