Paulinus - Wochenzeitung im Bistum Trier

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Wieder wesentlich werden

Foto: KNA
Gerade in der Coronakrise war und ist Krankenhausseelsorge ein ganz wichtiges Feld der Kirche. Foto: Ein Seelsorger betet mit einem Patienten im März 2020 in einem Bonner Krankenhaus.

Wieder wesentlich werden

Von: Gerd Felder | 1. November 2020
Demut und Dienst sind die Zukunft. Gedanken zur Bedeutung der Kirche in aufwühlenden Zeiten. Ein „Paulinus“-Essay.

An Ostern leere Kirchen und keine „realen“ Gottesdienste mit Gläubigen in Deutschland und in den Nachbarländern, seit Monaten wegen der Corona-Pandemie und den mit ihr verbundenen Hygiene-Auflagen nur schwach besuchte Sonntagsmessen und dafür viele live gestreamte Gottesdienste im Internet, dazu Rekordzahlen bei den Kirchenaustritten im vergangenen Jahr: In vielen Bistümern gehen die Sorge und die Angst um, dass Corona der ohnehin schon weit fortgeschrittenen Säkularisierung einen neuen Schub  geben wird und die Kirchen nach der Pandemie noch leerer sein könnten als vorher.

Ratlosigkeit macht sich breit, die zum Teil von schweren Auseinandersetzungen über die bekannten „heißen Eisen“ und die grundsätzliche Ausrichtung des Dialog-und Reformprozesses „Synodaler Weg“ sowie die Zukunft der Kirche allgemein begleitet werden. Wie ist die momentane Lage der Kirche, warum ist sie so, und wohin könnte oder sollte es in Zukunft gehen? Damit befasst sich dieser Beitrag.

Jeder bastelt sich sein Weltbild zusammen

Es ist vor allem der Missbrauchsskandal, der die Kirche fast ihre gesamte Glaubwürdigkeit gekostet hat und der zum Anlass für viele Austritte geworden ist. Aber die Ursache für die hohen Austrittszahlen und den radikalen Traditionsabbruch liegt tiefer. Tatsächlich definiert der Durchschnittsdeutsche sich nicht mehr durch die Zugehörigkeit zu einer Partei, Gewerkschaft oder Kirche, sondern durch Familie, Partnerschaft, Beruf und Freizeitverhalten, er „braucht“ die Kirche nicht mehr für ein gelingendes Leben oder meint das zumindest.

Der Individualismus ist weit vorangeschritten, jeder bastelt sich passgenau sein eigenes Weltbild zurecht, und eine langfristige Mitarbeit bei der Kirche (oder auch sonst einer Institution oder Organisation) ist nicht mehr erwünscht. Bequemlichkeit, Desinteresse und religiöse Indifferenz, also „Gleichgültigkeit gegenüber den zentralen kirchlichen Anliegen“ (Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz DBK) spielen darüber hinaus eine große Rolle.  Ganz entscheidend ist auch, ob jemand in einer religiösen oder zumindest religiös offenen Familie aufgewachsen ist. Da dies aber in Deutschland und überhaupt in fast allen westlichen Industrieländern schon seit Jahrzehnten immer seltener der Fall ist, nimmt die Entfremdung von der Kirche und vom christlichen Glauben von Generation zu Generation immer mehr zu.

Ist dieser Prozess unumkehrbar, sind also nur noch Resignation und Defätismus angesagt?




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Im Blickpunkt

„Paulinus“-Leserreisen 2021

Es gibt wegen der Corona-Pandemie derzeit leider keine neue Planung für das kommende Jahr.


Lebensberatung im Paulinus

An dieser Stelle beantworten regelmäßig Lebensberaterinnen und -berater aus den Einrichtungen des Bistums Trier Fragen zu verschiedenen „Problemfeldern“ des Lebens, zum Beispiel aus den Bereichen Erziehung, Ehe oder Familie. Wenn Sie zu einem Problem Beratung oder Antworten suchen, können Sie sich entweder an die „Paulinus“-Redaktion, Postfach 3130, 54221 Trier, oder direkt an die Lebensberatungsstellen im Bistum Trier wenden. Viele Paulinus-Beiträge aus der Praxis der Lebensberater finden Sie im Paulinus-Archiv/Lebensberatung.


Einfach Leben

Ein eigenes Haus, ein Auto, regelmäßiger Urlaub, Fernreisen, ein möglichst gut gefülltes Bankkonto. So sah lange Zeit der Traum vom Wohlstand aus. Doch immer mehr setzt sich heute die Erkenntnis durch: „Viel haben“ heißt noch nicht „gut leben“, und „weniger ist vielleicht mehr“. In Zusammenarbeit mit Barbara Schartz vom Themenschwerpunkt Schöpfung bei der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum beleuchten wir das Thema in einer lockeren Serie und stellen Menschen vor, die für Veränderung eintreten oder anders leben.


Synode im Bistum Trier

Die Synode wurde am 29. Juni 2012 von Bischof Ackermann ausgerufen. Die Trierer Bistumssynode hat ihr Abschlussdokument „heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen“ am 30. April 2016 verabschiedet.



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  • Synodenumsetzung
    Das Bistum Trier hat ein mit dem Vatikan abgestimmtes Konzept angekündigt, wonach es sich zukünftig in maximal 172 Pfarreien und 35 Pastoralen Räumen neu aufstellen will.
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    Prof. Dr. med. Wolfram Henn, Mitglied des Deutschen Ethikrates und Professor für Humangenetik an der Universität des Saarlands, hat beim "DomWort" über "Leben mit dem Virus - Welche Schranken sind unserem Handeln gesetzt?" gesprochen.
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  • Gestapo-Lager Neue Bremm - Rundgang mit Horst Bernard
    Horst Bernard (88) engagiert sich seit Jahrzehnten dafür, die Geschichte des ehemaligen Gestapo-Lagers an der Neuen Bremm in Saarbrücken und die Erinnerung an inhaftierten Frauen und Männer wachzuhalten – und an junge Menschen weiterzutragen. Der Film über ihn wurde bei einer von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung veranstalteten Gesprächsrunde im Kirchenladen „welt:raum“ vorgestellt (Bericht im "Paulinus").
  • Weitere Videos
    Weitere Videos des Paulinus finden sich auf www.youtube.com/PaulinusTrier




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