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Glockenschläge als Mahnung

Foto: Ute Kirch
Jugendpfarrer Christian Heinz, Stephan Toscani, Joachim Baez und Schulpfarrer Martin Birkenhauer (von links) in der Kirche der Jugend.

Glockenschläge als Mahnung

Von: Ute Kirch | 25. Oktober 2020
Saarbrücken:
Bei einem Gedenkgottesdienst in der Saarbrücker Kirche St. Elisabeth hat Landtagspräsident Stephan Toscani erstmals eine Glocke geläutet, die an den von den Nazis hingerichteten Widerstandskämpfer Willi Graf erinnern und täglich erklingen soll.

„Angelegenheit wird am 12. Oktober um 17 Uhr erledigt“ – ganze neun Worte benötigte der Oberstaatsanwalt im Herbst 1943, um mitzuteilen, dass der 25 Jahre alte Student Willi Graf hingerichtet werden soll. Um an den Mut und die Zivilcourage des Mitglieds der Widerstandsgruppe Weiße Rose zu erinnern, soll die neue Glocke in dem Gotteshaus, das auch als Kirche der Jugend „eli.ja“ bekannt ist, künftig jeden Tag zum Zeitpunkt der Ermordung drei Minuten ertönen.

„Wir wollen Graf mit der Glocke eine Stimme geben“, sagte Jugendpfarrer Christian Heinz beim Gedenkgottesdienst anlässlich des 77. Todestags. Zudem solle das Läuten eine Mahnung für heute und die Zukunft sein: „Nie wieder!“

In den Briefen und Tagebucheinträgen von Willi Graf zeige sich ein klares, radikales Weltbild, sagte Martin Birkenhauer in seiner Predigt. „Wer war für die Nazis, wer dagegen? Dazwischen war kein Raum“, sagte der Schulpfarrer der Willi-Graf-Schulen in einem fiktiven Zwiegespräch mit dem Widerstandskämpfer. Für Graf habe Freiheit bedeutet, zu wissen, dass er etwas tun musste. Birkenhauer verwies zugleich auf eine Mahnung des Apostels Paulus aus einem Brief an die Galater: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht noch einmal das Joch der Knechtschaft auflegen!“

Neffe des Märtyrers aus Ostfriesland angereist

Mit Joachim Baez nahm auch ein Neffe des Widerstandskämpfers am Gottesdienst teil, der von der Bläser- und Streicherklasse der Willi-Graf-Schulen mitgestaltet wurde. Der gebürtige Saarbrücker, der heute in Ostfriesland lebt, ist der Sohn von Grafs Schwester Mathilde. „,Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung‘ – dieses berühmte Zitat aus dem Brief meines Onkels an seine Schwester Anneliese meint nicht, dass jedem Einzelnen die Verantwortung für die ganze Welt aufgebürdet wird. Es meint, dass jeder in seinem Bereich sein Möglichstes tun muss“, sagte er.

Die Idee für die Gedenkglocke habe 2017 eine junge Frau in seiner Jugendgruppe gehabt, erzählt Heinz. Damals war über den Umgang mit Glocken aus der Nazizeit diskutiert worden, die mit Hakenkreuzen und Hitler-Insignien versehen sind. Der Plan, eine neue Glocke mit positiver Bedeutung gießen zu lassen, war unrealistisch. Dafür fand die Jugendgruppe beim Besuch der Werkstatt des Kunstschmieds Kurt Jenal aus Schmelz-Hüttersdorf eine Glocke, die aus der früheren Kirche Maria Königin in Primsweiler stammte und nicht mehr genutzt wurde. Den Jugendlichen gefiel der Gedanke, die alte Glocke zu „recyclen“.

Das Symbol der Weißen Rose ins Metall graviert

Nachdem ein Sachverständiger grünes Licht dafür gab, dass die Glocke klanglich mit dem Stadtgeläut harmoniert, zeichnete eine junge Frau eine weiße Rose auf das Metall, die die Gruppe gemeinsam mit Jenal eingravierte.

Das Vorhaben, die 340 Kilogramm schwere Glocke schon zu Grafs 100. Geburtstag 2018 zu installieren, scheiterte an Betonschäden. Erst zwei Tage vor seinem 77. Todestag wurde sie im sanierten Kirchturm aufgehängt.

Das Erzbistum München als zuständige Stelle prüft seit 2017 die die Möglichkeit eines Seligsprechungsverfahrens für den gläubigen Katholiken. Ihn als Vorbild neu zu entdecken, sei auch Aufgabe des Religionsunterrichts. „Das Bistum sollte ihn mehr in den Fokus nehmen“, wünscht sich Heinz.

  • Info
    Um das Gedenken aufrechtzuerhalten, sollen Freiwillige jeden Tag von 17 Uhr bis 17.03 Uhr die Glocke läuten. Wer mitmachen möchte, kann eine E-Mail an eli.ja@bistum-trier.de schicken. Ein Videomitschnitt des Gottesdienstes kann im Internet unter www.kurzelinks.de/graf angeschaut werden.



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