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Darf Mensch Gott spielen?

Foto: Marco Piecuch/Theater Trier
In der Art einer Expertenrunde wird Schirachs Theaterstück in Trier aufgeführt. In einer Rolle tritt ein katholischer Bischof (zweiter von links) auf.

Darf Mensch Gott spielen?

Von: Mechthild Schneiders | 27. September 2020
Sollten und dürfen Ärzte einem sterbewilligen Menschen ein todbringendes Medikament verabreichen? Das ist die Frage, die in Ferdinand von Schirachs neuem Stück „Gott“ im Theater Trier diskutiert wird.

Richard Gärtner ist traurig, regelrecht lebensmüde. Vor drei Jahren starb seine Frau an Krebs. „Ich will sterben“, ist sein Lebensziel. Drei Jahre lang hat der Architekt im Ruhestand mit seinen Söhnen und seinem Arzt über seinen Suizidwunsch diskutiert. Nun verlangt er ein Medikament, um seinem Leben ein Ende setzen zu können. Allerdings: Der Mann ist kerngesund – keine körperlichen Leiden, keine Depression. Gärtner tritt vor den Deutschen Ethikrat, zu dem neben Arzt und Anwältin Sachverständige eingeladen sind. Acht Menschen, die auf der Grundlage eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts aus dem Februar – es erklärte den Paragrafen 217 Strafgesetzbuch über das Verbot „geschäftsmäßiger“ Tötung für verfassungswidrig – darüber diskutieren, ob Mediziner gesunden Menschen Sterbehilfe anbieten dürfen.

Charakter einer Gruppentherapie

In Form einer Expertenrunde lässt Ferdinand von Schirach in seinem neuen Stück „Gott“, das am 10. September in Berlin und Düsseldorf Uraufführung feierte, auf akademischem Niveau über das Recht des Menschen auf die Selbstbestimmung seines Ablebens verhandeln. Andreas von Studnitz gelingt es in seiner Inszenierung für das Theater Trier, mit dem schwer textlastigen und staubtrockenen Werk Emotionen zu transportieren. Dazu verzichtet er auf ein Bühnenbild und lässt bei der Premiere am 12. September die acht Teilnehmer in der Europäischen Kunstakademie im Kreis sitzen. Das verleiht dem Ganzen einen Charakter von Gruppentherapie, gleichzeitig verweist das Hereinschreiten der Akteure unter Beifall vom Band und die vier Monitore, die Livevideos ausstrahlen, auf eine Talkshow.

Barbara Ullmann als Vorsitzende des Ethikrats moderiert einfühlsam, stellt ihre Fragen höchst behutsam. Ihre Kollegin Keller (Luiza Braz Batista) ist die Vermittlerin, die die Positionen gegeneinander abwägt. Gärtners Arzt Brandt (Paul Hess) ist auf dessen Wohl bedacht, beobachtet ihn stets sorgenvoll. Zusammen mit der Anwältin (Marsha Zimmermann) rahmt er Gärtner (Klaus-Michael Nix) beschützend ein und stellt ihn gleichzeitig in den Mittelpunkt. Nix hebt sich – nicht nur farblich im roten Pulli (Kostüme: Yvonne Wallitzer) – von den anderen Akteuren ab: Ihn gestaltet von Schirach vielschichtiger, was Nix in seiner Rolle voll auslebt: Er zeigt Gefühle – gesenkter Kopf, trauriger Blick, springt auf, als ihm eine Bemerkung gar nicht passt –, äußert seine Ansichten zwar nicht verbal, doch seine Mimik verrät seine Betroffenheit.

  • Info
    Weitere Aufführungs-Termine des Stücks „Gott“ in der Europäischen Kunstakademie in Trier sind am 30. September und 2. Oktober um 19.30 Uhr.

    Karten gibt es bei der Theaterkasse, Telefon (06 51) 7 18-18 18, E-Mail theaterkasse@trier.de, Internet https://theater-trier.de.

    „Gott. Ein Theaterstück“ ist am 14. September als Buch erschienen. Ergänzt wird der Band um Essays von drei Wissenschaftlern, die das Thema der ärztlichen Suizidbegleitung aus medizinethischer, juristischer und theologisch-philosophischer Perspektive beleuchten.

  • Weiter lesen ...
    Den vollständigen Artikel lesen Sie in der gedruckten Ausgabe des „Paulinus“ oder im „Paulinus-ePaper. Dort gibt es auch Berichte zur Telefonseelsorge Trier sowie zur Verfilmung des Theaterstücks „Gott“, die man im November auf Das Erste im Fernsehen sehen kann.

    Ein kostenloses und unverbindliches dreiwöchiges Probeabo gibt es per E-Mail an redaktion@paulinus.de.



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    Weitere Videos des Paulinus finden sich auf www.youtube.com/PaulinusTrier




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