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„Man gibt und bekommt zurück“

Foto: Sarah Engels
Inka Melzer in der Küche des Wohnheims St. Kamillus.

„Man gibt und bekommt zurück“

Von: Sarah Engels | 6. September 2020
Kleinblittersdorf: Nach einer „klassischen Laufbahn“ als Beamtin bei der Telekom arbeitet Ilka Melzer (58) jetzt im „engagierten Vorruhestand“ in einem Behindertenwohnheim der Barmherzigen Brüder in Rilchingen mit.


Nach abwechslungsreichen Tätigkeiten, zu denen Kundenkontakt, die Ausbildung neuer Kollegen, Stationen in Saarbrücken und Ludwigshafen und zuletzt das Beschwerdemanagement gehörten, hatte die Telekom der Beamtin angeboten, vorzeitig in Ruhestand zu treten. Voraussetzung: die Bereitschaft, 1000 ehrenamtliche Stunden zu leisten oder sich zwölf Monate als Bundesfreiwillige im sozialen Bereich zu engagieren. Melzer wählte den Freiwilligendienst und arbeitet seit einem knappen Jahr im Haus Kamillus im Kleinblittersdorfer Ortsteil Rilchingen mit – einem Wohnheim der Barmherzigen Brüder für beeinträchtigte Menschen.

„Küchenfrau“ und Vertrauensperson

Nach anfänglicher Skepsis ist sie heute so froh über ihre Entscheidung, dass sie überlegt, ihr Engagement auf 18 Monate auszudehnen: „Ich hatte im Leben so viel Glück, dass ich der Gesellschaft etwas zurückgeben will.“

Ihr Arbeitstag beginnt um 7.30 Uhr: Sie kocht Kaffee und bereitet Brötchen sowie Aufstrich für das Frühstück vor; die 20 Bewohner im Haus – bis auf eine Frau alles Männer – decken den Tisch. Sie können aufgrund von Alkoholproblemen mit Folgeerkrankungen nicht mehr allein leben und brauchen Unterstützung im Alltag.

Schnell wurde die „Küchenfrau“, wie sie ein Bewohner anfangs liebevoll nannte, zur Vertrauensperson: „Durch meine Aufgaben kann ich das Pflegepersonal entlasten und mir Zeit nehmen – etwa wenn jemand fragt, ob ich helfen kann, die Hosenträger anzuziehen. Meine Tür steht immer offen, das wissen die Bewohner“, erklärt Melzer ihre besondere Rolle als Freiwillige.

Auch ihrem Chef Elmar Martini merkt man an, wie froh er ist, dass die Pensionärin zum Team gehört. Fremde Erwachsene so eng zu betreuen, ihnen beim Anziehen zu helfen oder sie zum Arzt zu begleiten, das hatte sie anfangs nicht für möglich gehalten, gesteht Melzer: „Das war für mich ein Meilenstein. Man wächst mit seinen Aufgaben.“

Die Herausforderungen der Pandemie gut gemeistert

Den Tipp, sich in der Einrichtung zu bewerben, hatte sie von einer ehemaligen Arbeitskollegin bekommen, der sie dafür sehr dankbar ist. „Ich habe hier ein tolles Team, nette Menschen und eine Leitung, die immer hinter mir steht.“

Neben ihrer geregelten Arbeitswoche, in der sie werktags mit dem Frühstück und Mittagessen für die Versorgung der Bewohner mitverantwortlich ist, ist sie auch bei Festen dabei: Im Multifunktionsraum wurde Weihnachten und Fastnacht gefeiert, ehe Corona auch hier das Leben schwerer machte. Dass Abläufe verändert werden mussten, hat die Bewohner, die eine klare Tagesstruktur brauchen, verunsichert: „Die Anfangsphase der Pandemie war eine schlimme Zeit. Aber es hat alles gut geklappt und es gab wenig Konflikte.“

Ebenso bereichernd wie die Arbeit im Haus St. Kamillus 3 sind für sie die begleitenden Seminare, die von den Sozialen Lerndiensten im Bistum organisiert werden und wo sie auch Menschen aus anderen Ländern wie Kenia, Simbabwe oder Indien begegnet: „Die hätte ich privat nie kennengelernt.“

Betroffen machen Melzer manche Reaktionen, etwa wenn sie Bewohner zum Arzt begleitet. „Wenn Menschen beispielsweise das Wartezimmer verlassen, wenn wir drin sitzen, werde ich wütend“, sagt sie. Denn sie empfinde die Arbeit mit den beeinträchtigten Bewohnern als eine Bereicherung, als einen „würdigen Abschluss meines Arbeitslebens“. Ältere Menschen hätten noch viel zu geben: „Das müssten noch viel mehr machen. Man gibt und bekommt zurück – man muss es nur zulassen!“

  • Info
    Näheres zu den Freiwilligendiensten im Bistum und dem Programm „BFD 27plus“ für Interessierte über 27 Jahre im Internet unter www.soziale-lerndienste.de.



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„Paulinus“-Leserreise im Herbst: Sonneninsel Zypern vom 3. bis 10. November 2020.


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An dieser Stelle beantworten regelmäßig Lebensberaterinnen und -berater aus den Einrichtungen des Bistums Trier Fragen zu verschiedenen „Problemfeldern“ des Lebens, zum Beispiel aus den Bereichen Erziehung, Ehe oder Familie. Wenn Sie zu einem Problem Beratung oder Antworten suchen, können Sie sich entweder an die „Paulinus“-Redaktion, Postfach 3130, 54221 Trier, oder direkt an die Lebensberatungsstellen im Bistum Trier wenden. Viele Paulinus-Beiträge aus der Praxis der Lebensberater finden Sie im Paulinus-Archiv/Lebensberatung.


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  • Weitere Videos
    Weitere Videos des Paulinus finden sich auf www.youtube.com/PaulinusTrier




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