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Contergan-Experimente aufklären

Contergan-Experimente aufklären

Von: KNA | 19. August 2020
Der Caritasverband Trier will die Vorgänge um die Contergan-Experimente an Kindern in der Einrichtung "Maria Grünewald" in Wittlich soweit wie möglich aufklären.

Von den Experimenten, über die das ARD-Magazin "Report Mainz" gestern berichtete, sei bislang nichts bekannt gewesen, teilte die Caritas mit. Nach Möglichkeit sollen die Ereignisse nun aufgeklärt werden, gemeinsam mit dem damals für die Pflege und Betreuung der Kinder zuständigen Orden der Dernbacher Schwestern sowie dem jetzigen Träger der Einrichtung.

"Report Mainz" berichtet von mehreren Medikamentenstudien. In der Caritas-Lungenheilanstalt in Wittlich (Rheinland-Pfalz) wurde demnach vor 1960 das Mittel Contergan an mehr als 300 tuberkulosekranken Kindern getestet. Kindern zwischen 2 und 14 Jahren seien teilweise gezielt Überdosen verabreicht worden. Ob Kinder dadurch geschädigt wurden, sei nicht bekannt.


Weihbischof Franz Josef Gebert, der zugleich Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes ist, sagte dem Magazin, man habe nichts von den Versuchen gewusst und sei erschüttert. Es sei beschämend, wenn wehrlose Kinder zu Objekten von Experimenten würden: "Das ist ja Körperverletzung. Weiter erklärte Gebert in einer Stellungnahme der Caritas, der Verband könne derzeit nicht sagen, ob die Experimente mit Zustimmung der Eltern erfolgten oder welche Vereinbarungen dem eventuell zugrunde lagen.


Der Caritasverband besitzt nach Angaben einer Sprecherin in seinem Archiv keine Akten oder Unterlagen zu den Ereignissen. Eine Aufarbeitung der Vorgänge könne deshalb mutmaßlich schwierig sein. Die frühere Heilanstalt für lungenkranke Kinder wurde 1972 zu einer Einrichtung für Behinderte umgewandelt. 2008 löste die Sankt Raphael Caritas Alten- und Behindertenhilfe GmbH den Caritasverband als Träger ab (mehr demnächst im "Paulinus").




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