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"Die Synode kann ein Moment des Wandels sein"

Foto: privat
Micaela Diaz vor dem Petersdom in Rom

"Die Synode kann ein Moment des Wandels sein"

Von: Dominik Holl
Bis zum 27. Oktober findet in Rom die Amazonas-Synode statt. Kardinäle, Bischöfe, Ordensleute, Vertreter von indigenen Völkern und Experten kommen in Rom zusammen, um über "neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie" zu sprechen. Aus Bolivien sind ebenfalls zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kirche nach Rom. Micaela Diaz, Mitarbeiterin der Bolivianischen Bischofskonferenz begleitet die Delegation des lateinamerikanischen Landes. "Paulinus"-Mitarbeiter Dominik Holl hat mir ihr gesprochen.

Hallo, Micaela! Kannst du uns sagen, was genau du machst und was deine Aufgaben in Rom sind?
Hallo an alle – ich bin Koordinatorin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bolivianischen Bischofskonferenz. Während der Amazonas-Synode ist meine Hauptaufgabe, über die Entwicklungen der Synode und natürlich die Vertreter der Bolivianischen Kirche zu berichten.
Wie läuft denn so ein Tag während der Synode ab?
Diese Frage ist ein bisschen schwierig zu beantworten: Jeder Tag der Synode ist ganz unterschiedlich, wie ein neues Abenteuer, mit neuen Herausforderung und einer ganz eigenen Dynamik. Was es täglich gibt, sind gemeinsame Treffen morgens um 9 Uhr. In meinem Aufgabenbereich gibt es natürlich auch jeden Tag die Pressekonferenzen und Interviews. Wir nehmen auch jeden Tag kleine Videos auf, wo wir Bischöfe aus den verschiedenen Ländern interviewen, die über die Generalversammlungen berichten oder uns Einblicke in die Gespräche der kleineren Arbeitskreise geben.
Wie ist denn die Atmosphäre vor Ort?
Einer der Bischöfe hat so schön gesagt: Der Papst hat die Ränder der Kirche ins Zentrum geholt. Ich möchte hinzufügen: und jetzt schaut die ganze Welt auf sie. Bei der Synode herrscht eine Atmosphäre der Vielfalt, der Spiritualität, der Freude und Hoffnung. Man spürt hier ganz stark, dass die Synode vom Heiligen Geist erfüllt ist. Das spürt man nicht nur in den verschiedenen Sälen und Räumen, sondern in ganz Rom! Die Initiative „Casa Comun“ organisiert jeden Tag und insgesamt mehr als 130 verschiedene Aktivitäten während der Synode. Die sollen die Gläubigen und die Synodalen nicht nur im Gebet begleiten, sondern ihnen auch die Möglichkeiten bieten, miteinander und mit Menschen aus dem Amazonas-Gebiet in Kontakt zu kommen. Diese Angebote stehen natürlich auch den Einheimischen und den Touristen offen, die nach Rom kommen.
Den ganzen Tag sitzen und zuhören ist sicherlich anstrengend genug, und dann kommen noch die Aktivitäten danach hinzu. Sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schon sehr erschöpft?
Nein, ganz im Gegenteil! Die Dynamik der Synode erlaubt jedem Einzelnen sich zu äußern und zu Wort zu kommen. Die Generalversammlungen wird alle vier Stunden unterbrochen, damit die Synodalen sich sammeln können, damit sie den Heiligen Geist hören können, der durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer spricht. Natürlich sind am Ende eines Tages alle sehr müde von all den Eindrücken. Sie sitzen dort den ganzen Tag und hören zu und reflektieren über das Gesagte. Aber trotzdem gehen abends alle sehr zufrieden aus der Synoden-Aula. Und meistens endet der Tag dann ja auch nicht, sondern es geht dann weiter. Wir treffen uns zu verschiedenen Aktivitäten, zu Gebeten oder zu Treffen, um mehr über die verschiedenen Problematiken zu erfahren, über die im Einzelnen gesprochen werden.
Gibt es denn nach so kurzer Zeit vielleicht schon erste Ergebnisse zu vermelden?
Ich glaube, wenn man über Entscheidungen spricht, ist es wichtig, dran zu denken, dass die Synode Teil eines Prozesses ist, der schon seit sehr langer Zeit läuft. Das hat damit angefangen, als der Papst gesagt hat, dass die Kirche eine Kirche sein soll, die hinausgehen und sich um die Ränder der Kirche und der Gesellschaft kümmern soll. Auch die Enzyklika Laudato Si über das gemeinsame Haus ist ein wichtiger Teil. Sie spricht von der Zerstörung des Planeten und will, dass wir zusammen mit der Natur leben, nicht gegen sie. Kurze Zeit nach der Enzyklika wurden erste Treffen und Beratungen von denen, die im Amazonas-Gebiet leben, einberufen. Jetzt auf der Synode hören wir die Resultate dieser Beratungen. Aus diesen Zwischenergebnissen haben sich auch Arbeitsinstrumente entwickelt für die Arbeit der Synode.
Also ist die Synode nur ein kleiner Schritt von vielen anderen?
Klar! Absolut! Die Synode ist Teil eines größeren Prozesses, aber natürlich ein sehr wichtiger Teil. Denn hier haben die Synodalen die Möglichkeit, die Stimmen der Gemeinden im Amazonasgebiet zu Wort kommen zu lassen und zu verstärken. Aus diesem Prozess sind bislang auch sehr interessante Themen hervorgegangen, zum Beispiel ein Papier über die Rolle der Frauen in allen Instanzen, sowohl innerhalb der Kirche, als auch in der Gesellschaft. An der Synode selbst nehmen auch etwa 40 Frauen teil. Das ist etwas sehr wichtiges, weil es den Frauen nicht nur eine Stimme gibt, sondern auch zeigt, dass ihre Arbeit geschätzt wird. Natürlich geht es auch um Probleme, die die Bevölkerung im Amazonas-Gebiet betreffen. Es geht darum, diese Dinge auch im Bewusstsein zu halten und zu schauen, was können wir von unserem jeweiligen Standpunkt aus tun.
Kommen wir auf die Bolivianische Kirche zu sprechen: Wer nimmt denn aus Bolivien an der Synode teil?
Es nehmen insgesamt dreizehn Diözesanbischöfe Teil. Acht davon aus dem Amazonasgebiet. Außerdem nehmen drei Weihbischöfe, sowie ein emeritierter Bischof und der Präsident der Bolivianischen Bischofskonferenz. Zur bolivianischen Delegation gehört natürlich auch ein Vertreter der indigenen Bevölkerung: Don Enrique Materecco vom Stamm San Ignacio de Mojos, sowie Schwester Francinete, eine Franziskanerin, die im Pandó in Bolivien tätig ist. Des Weiteren nimmt Dr. Tania Ávila an der Synode teil. Sie ist Theologin und arbeitet in indigenen Gemeinden. Und nicht zuletzt Padre Victor Codina, ein in Bolivien sehr bekannter Jesuit.
Welche Themen stehen denn aus Bolivianischer Sicht besonders im Fokus während der Synode?
Im Laufe der Synode und während der Interviews, die ich geführt habe, wurde deutlich, dass unsere Synodalen Themen wie das angesprochene Papier zur Frage der Partizipation und Rolle der Frauen in der Kirche behandeln. Die Bolivianischen Bischöfe haben auch den Anstieg des Coca-Anbaus und den damit zusammenhängenden illegalen Drogenhandel und die Zerstörung der Natur angeprangert. Sie haben außerdem ihre Sorge um den Bau von Staudämmen zur Produktion von Strom geäußert, der eine enorme Abholzung von Regenwald mit sich bringen würde. Natürlich schauen sie auch besorgt auf Brandrodungen, durch die Millionen Hektar Wald zerstört werden. Umweltschutz ist ein großes Thema. Aber auch Migration, Verletzung von Menschenrechten und Gewalt gegen die Bevölkerung im Amazonas-Gebiet. Was die pastoralen Fragen anbelangt, geht es um einen Ausgleich zwischen Inkulturation und Evangelisation. Natürlich auch um die schwierige Frage der Berufung – Stichwort: Viri Probati. Aber auch um die Ausbildung der Priesteramtskandidaten oder die Rolle der Laien.
Von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, aber vor allem der Synodalen aus Bolivien, kommt immer wieder der Ruf zu einem ökologischen Bewusstsein. Wir sollen unseren Lebensstil hinterfragen.
Zu all diesen Themengebieten gibt es natürlich verschiedenste Vorschläge, die gehört werden.
Die indigenen Gemeinschaften werden noch einmal ganz speziell gehört. Sie erzählen über ihr Leben, über ihre alltäglichen Probleme. Das hilft natürlich, die Probleme, aber auch die Forderungen und Notwendigkeiten, die sie benötigen, zu veranschaulichen.
Letzte Frage: Wie erlebst du denn persönlich die Synode?
Persönlich bin ich natürlich froh über die Möglichkeit bei etwas so großartigem wie der Synode dabei sein zu dürfen! Für mich ist es aber auch sehr emotional. Am ersten Tag gab es eine Prozession vom Petersdom in den Saal, in dem die Synode stattfindet, und dort bin ich dem Papst begegnet. Ich war ihm noch nie so nahe gewesen. Das ist für mich als Katholikin das Größte gewesen! Ich war wirklich den Tränen nahe vor Aufregung. Und als ich mich dann umgedreht habe, um ein Foto zu machen, da hat er gelacht! Sein Lachen und die Freude, die er ausstrahlt, sind so unglaublich groß! Vor allem gegenüber den Indigenen. Das hat mich so tief in meinem Herzen berührt! Dieser Moment hat mich persönlich verändert, und ich denke, er verändert auch die Kirche. Mich hat die Synode bisher vor allem mit Hoffnung erfüllt, und ich glaube sie kann wirklich ein Moment des Wandels sein – für die ganze Welt! Ich glaube, dass eine erneuerte Kirche aus der Synode hervorgehen kann. Eine Kirche, die auch das Gesicht der Indigenen trägt, das Gesicht Amazoniens, das Gesicht der Frauen. Ich habe die Hoffnung, dass wir Achtsamer werden, dass wir unser Konsumverhalten überdenken, dass wir uns der Ausgestoßenen annehmen, dass wir uns auch uns selbst annehmen, damit nicht nur wir ein erfülltes Leben haben, sondern auch andere und unsere und deren Kinder.



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