Paulinus - Wochenzeitung im Bistum Trier
Gesetz zur Pfarreienreform ausgesetzt
  • #2 | Josef Artzdorf aus Bad Breisig schreibt am 23.11.2019:

    Ein starkes Stück?

    Ja, ein starkes Stück in der Tat, verehrter Vorkommentator aus Wassenach. Allerdings nicht von denjenigen, die als allerletztes Mittel nun von "Rom" die Notbremse erbeten haben. Es gibt ein altes Sprichwort, dass viel über die Maßnahmen aussagt, die die Bistumsleitung und eine modernistische Synode veranlasst haben. "Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht!" Wer versucht mit Brachialmethoden ein uraltes Bistum von den Füßen auf den Kopf zu stellen, sollte sich nicht wundern, wenn die Sache ihm selbst auf die Füße fällt. Was meine ich mit Brachialmethoden? Ich nehme mal nur das "nahe liegende". zum Beispiel dass ein Pfarrer den Räten untersagte auch nur ein Infoplakat der Protestveranstaltung in Trier auszuhängen, die von der Initiative "Kirchengemeinde vor Ort" veranstaltet worden ist. Und er begründete das mit dem Gehorsamsversprechen, dass er dem Bischof gegeben habe. Es ist ein Treppenwitz, dass man als überzeugter Katholik ausgerechnet Luther zitieren muss, um an "die Freiheit eines Christenmenschen" zu erinnern! Und nun beschweren sich die gleichen, dass nun aus Rom ein "Veto" erschallt. Und Ihr unfaires Urteil über die Priester, die den vorläufigen Stop in Rom erwirkt haben hätten Sie sich gerne sparen können. Ich kenne Pfarrer Joachim Waldorf von einigen Wallfahrten, die er als Leiter begleitet hat. Er ist ein sorgsam abwägender, ruhig überlegender, glaubwürdiger Priester, der sein Lebtag nicht zu solchen Maßnahmen gegriffen hätte, wäre er nicht tief besorgt über die Konsequenzen dieser sogenannten "Reform". Im Übrigen bestreitet kein vernünftiger Mensch, dass es nicht wie bisher weitergehen kann. Allerdings halbe Landkreise und ganze Städte zu anonymen Riesen-Pfarreien zusammen zu mischen, kann und wird niemals zielführend sein. Dass dabei teils jahrhundertelang gewachsene Strukturen mit einem Federstrich in den Orkus befördert worden sind, ist von vielen mit Entsetzen zur Kenntnis genommen worden. Alleine ich kenne ein halbes Dutzend Räte, die inzwischen von ihren Ämtern Abstand genommen haben. Man muss die "Kirche" nicht unbedingt "im Dorf lassen", was schon schade genug ist. Aber in "Sichtweite" sollte sie schon noch sein! Unsere Kirche ruht auf zwei starken Säulen: Auf Glaube und Heimat! Eine davon liegt nun in Trümmern. Denn niemand in der Hocheifel wird eine anonyme Kirche am Rhein als seine Heimat begreifen, und seine Motivation "seiner" Kirche in der ein oder anderen Weise dienen zu wollen und zur Verfügung zu stehen, wird im Zuge der Reform gegen Null tendieren.

  • #1 | Paul Birsens aus Wassenach schreibt am 22.11.2019:

    Ein starkes Stück!

    Die Bistumsreform, ein Kraftakt größeren Ausmaßes, innovativ und zukunftsweisend (und übrigens not-wendig), stößt sicherlich nicht nur auf Befürworter. Die richtungsweisende synodale Arbeit unmittelbar vor der Umsetzung per `hierarchischer Beschwerde` aussetzen zu lassen, zeugt von Kleingläubigkeit und mangelndem Vertrauen. Warum kommen mir dabei sofort die Pharisäer in den Sinn, frage ich mich? Es ist ungeheuerlich, wenn ein paar wenigen Priestern (oder auch Laien) jetzt einen so großen Raum eingeräumt wird. Selbst wenn das Kirchenrecht dieses Vorgehen billigt, es ist ein Schlag ins Gesicht für eine Vielzahl von engagierten und mutigen Gläubigen, die in Zusammenarbeit mit Hauptamtlichen und der Bistumsleitung nach neuen Wegen suchen. Manche Priester mag die Reform in eine Sinnkrise stürzen: Wer bin ich denn noch als Priester, welche Rolle habe ich? Welche Beziehung lebe ich zu den Menschen? Was verliere ich jetzt? Warum bin ich überhaupt Priester geworden? ..."Ihr aber seid ein priesterliches Volk", 1 Petrus 2, 5 und 9. Damit sind alle Gläubigen gemeint, jede und jeder ist aufgerufen "Leib Christi zu sein", 1 Kor 12, 27. Die Veröffentlichung von Ottmar Fuchs im Matthias-Grünewald-Verlag "Ihr aber seid ein priesterliches Volk" von 2017 mag zur Vertiefung dieser Gedanken anregen. Ich wünsche allen Priestern die notwendige Demut, sich auf dem Weg des Glaubens auf andere Menschen offen einzulassen.