Auf reges Interesse stieß die Ausstellung über Leben und Werk Jaegens.
Bischof Spital beim Gottesdienst in St. Paulus. Fotos: Burr

Er war Ingenieur, Bankdirektor, Politiker und Mystiker

Glauben und Alltag verbunden

Gedenken an Hieronymus Jaegen

Als einen Menschen, der in seinem Leben und Alltag die Verbundenheit mit Jesus Christus immer wieder Wirklichkeit werden ließ und so zum Mystiker wurde, hat der Bischof von Trier, Dr. Hermann Josef Spital, den Trierer Bankdirektor, Politiker und Mystiker Hieronymus Jaegen gewürdigt. „Er ist nicht aus dem Alltag ausgestiegen, er hat gelebt und gearbeitet wie wir“, sagte Bischof Spital in einem Gottesdienst am 8. Februar in der Trierer Pfarrkirche St. Paulus, aber er habe sich in seinem Leben und Alltag immer wieder um die lebendige Verbundenheit mit Christus bemüht, sich auf den Prozeß der Wandlung durch Christus eingelassen. Diese Form von Wandlungs- und Veränderungsbereitschaft könne auch ein Weg für den heutigen Christen sein, betonte der Bischof und erinnerte an das bekannte Wort des großen Theologen Karl Rahner, daß der Christ des dritten Jahrtausend ein Mystiker oder aber überhaupt nichts sein werde.

Mit dem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Paulus, wo Hieronymus Jaegen begraben liegt, einem anschließenden Festakt und der Eröffnung einer Ausstellung über Leben und Werk von Hieronymus Jaegen feierte der Hieronymus-Jaegen-Bund sein 50jähriges Bestehen und gedachte gleichzeitig der Auflösung seiner Vorgängerorganisation, der Hieronymus-Jaegen-Gesellschaft, in der Zeit des Nationalsozialismus 1938. Ziel des heute rund 60 Mitglieder zählenden Jaegen-Bundes ist es, die Erinnerung an den Mystiker lebendig zu halten und seine Seligsprechung weiter anzustreben; der eingeleitete Seligsprechungsprozeß ist in Rom anhängig.

Hieronymus Jaegen wurde am 23. August 1841 in Trier geboren. Nach dem Studium der technischen Wissenschaften, der Maschinenlehre sowie des Bau- und Hüttenwesens in Berlin trat er als Konstrukteur in bedeutende rheinisch-moselländische Firmen ein. Im Kulturkampf wurde der im Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 zum Leutnant beförderte Jaegen wegen seines Eintretens für die Freiheit der Kirche aus dem Militär ausgestoßen. Fast zwanzig Jahre war Jaegen erfolgreich als Vorstand der Trierischen Volksbank tätig. Durch zwei Wahlperioden hindurch vertrat er anschließend den Wahlkreis Bernkastel-Wittlich im Preußischen Landtag, ehe er sich 1908 aus dem öffentlichen Leben zurückzog und sich nur noch seinem ehrenamtlichen Einsatz in katholischen Instituten und Vereinen seiner Heimatstadt und seinen Veröffentlichungen widmete. Von seinen Publikationen sind vor allem zwei zu nennen: „Der Kampf um das höchste Gut“ ist eine Anleitung für Laien zur vollkommenen Tugend im Alltag. „Das mystische Gnadenleben“ ist das Resultat eigenen Erlebens mystischer Erfahrung. Hieronymus Jaegen starb am 26. Januar 1919 in Trier. Recht bald setzte seine überregionale Verehrung ein; die Zahl der mitgeteilten Gebetserhörungen ist groß. Die 1931 in Trier gegründete Jaegen-Gesellschaft stellte unter den nationalsozialistischen Angriffen 1938 ihre Arbeit ein, 1948 wurde dann der Hieronymus-Jaegen-Bund neu gegründet.

„Himmlischer Fürsprecher jüdischer Bankdirektoren?“ lautete der Titel des Festvortrags von Dr. Bernhard Schneider, dem Vorsitzenden des Hieronymus-Jaegen-Bundes, in dem er den „Seligsprechungsprozeß für Hieronymus Jaegen und die Jaegen-Gesellschaft im Spannungsfeld von Kirche und NS-Staat“ beleuchtete.

Mit der Bezeichnung „himmlischer Fürsprecher jüdischer Bankdirektoren“, so verdeutlichte Schneider, versuchten die Nazis, den Mystiker zu verhöhnen. „Alle Bemühungen, für Hiernoymus Jaegen einen Seligsprechungsprozeß in Gang zu bringen, sollten damit der Lächerlichkeit preisgegeben werden“, betonte Schneider, der in seinem Vortrag auch auf die Bedeutung rheinischer Katholiken vor allem aus Leverkusen in der Frühzeit der Jaegen-Gesellschaft einging und das Verhältnis der Gesellschaft zum Trierer Bischof Franz Rudolf Bornewasser beleuchtete.

Jaegen und Jaegen-Gesellschaft waren „dem NS-Staat ein Dorn im Auge. Ein Dorn im Auge deshalb, weil Jaegen und seine öffentliche Verehrung nicht in das Bild einer einförmigen nationalsozialistischen Gesellschaft paßten“, faßte Schneider zusammen, auch wenn die genauen Umstände um die Auflösung der Gesellschaft 1938 nicht bis ins allerletzte Detail geklärt seien.

Zum jetzigen Gedenktag ist eine Ausstellung zusammengestellt worden, die während des Festakts eröffnet wurde und in Bildern, Texten und mit Manuskripten Jaegens das Leben und Werk des Trierer Mystikers beleuchtet. Sie ist jetzt bis Ende Februar im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Trier zu sehen, wie das Museum auf Anfrage erklärte.

Die Stadt Trier hat zu Ehren von Hieronymus Jaegen eine Gedenktafel an der Mauer der Vereinigten Hospitien in der Trierer Windmühlenstraße angebracht, die vor einigen Tagen im Beisein von Oberbürgermeister Helmut Schröer, Weihbischof Dr. Alfred Kleinermeilert und des Künstlers, des Trierer Bildhauers Franz Schönberger, enthüllt wurde.

Bruno Sonnen