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Klärungsprozesse: Entscheidungen stehen

Generalvikar Dr. Georg Holkenbrink, Bischof Dr. Stephan Ackermann und Pressesprecher Dr. Stephan Kronenburg (von links) informierten am 2. März in Trier über die Ergebnisse der Klärungsprozesse.
Foto: Eugen Reiter

Im Rahmen des Kostensenkungsplans des Bistums Trier sind in zwölf so genannten Klärungsprozessen von November 2010 bis November 2011 Vorschläge für Kostensenkungen in bestimmten Bereichen erarbeitet worden, auf deren Grundlage die Bistumsleitung zu ergreifende Maßnahmen beschlossen hat. Die Ergebnisse haben Bischof Stephan Ackermann und Generalvikar Georg Holkenbrink am 2. März in Trier vorgestellt.

Von Eva-Maria Werner

So unterschiedlich die Aufgabenbereiche und Herausforderungen, so unterschiedlich auch die Maßnahmen, die in den jeweiligen Klärungsprozessen entwickelt wurden. Mal gab es „nur“ Einzelfragen zu klären, mal ergaben sich komplexe Gesprächsprozesse, die zum Teil noch nicht abgeschlossen sind, wie im Klärungsprozess „Kindertagesstätten“. Hier konnte bei der Pressekonferenz am 2. März noch nicht dargelegt werden, wie das Ziel der Kostensenkung von 2,7 Millionen Euro erreicht werden kann. Entscheidungen dazu sollen im Sommer vorliegen, sagte Generalvikar Georg Holkenbrink. Auch im Blick auf die Frage, wie beim „Paulinus“ 400 000 Euro bis Ende 2016 eingespart werden sollen, ist bisher noch keine Entscheidung gefallen. Maßnahmen zur Kostensenkung bei der Bistumszeitung werden nach der Heilig-Rock-Wallfahrt entwickelt.

Investition in die Ehrenamtlichen

Auf die übrigen Klärungsprozesse ging Generalvikar Holkenbrink ausführlich ein. Neben einer verstärkten Investition in die Ehrenamtlichen solle auch in die Kirchengemeinden und ihre Verwaltung investiert werden. Ziel sei, die Verantwortlichen in der Seelsorge vor Ort von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Das soll zum einen durch verwaltungsbezogene Dienstleistungen, zum Beispiel durch Präsenszeiten von Rendanten in Kirchengemeinden/Kirchengemeindeverbänden, und zum anderen durch die Einrichtung neuer Stellen in den Rendanturen erreicht werden. Insgesamt werden 1,5 Millionen Euro in diesen Bereich fließen.Bischof Ackermann ergänzte: „Das erscheint uns zukunftsweisend und zielführend im Blick auf eine Profilierung der Pastoral vor Ort.“

150 000 Euro fließen außerdem in ein „schulpastorales Gesamtkonzept“ . Das sieht die finanzielle Unterstützung von schulpastoralen Maßnahmen sowie die Finanzierung von zwei bis vier Deputatsstunden für Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten im Gestellungsvertrag vor, die einen besonderen Schwerpunkt in der Schulpastoral setzen.

Durch die Gründung einer neuen Abteilung „Jugend“ im Bischöflichen Generalvikariat, in die auch die verbandliche Jugendarbeit integriert wird, sollen Synergie-Effekte genutzt und Kosten gesenkt werden. Unter der Leitung des Diözesanjugendpfarrers werden die beiden Arbeitsbereiche „Jugendpastoral“ (der bisherige Arbeitsbereich) und die „Verbandliche Jugendarbeit BDKJ“ (die bisherige BDKJ-Struktur) organisatorisch unter einem Dach zusammengefasst. Die bei den Jugendverbänden einzusparenden 200 000 Euro sollen durch Reduzierungen im Sekretariatsteam und bei den Referenten des BDKJ (133 000 Euro) sowie bei den Sachkosten (67 000 Euro) erreicht werden.

Im Bereich Dekanate: Stellen abbauen und Sachkosten reduzieren

Durch Umstrukturierung und Zusammenlegung sollen bis Ende 2016 im Bereich der Dekanate die Kosten um 340 000 Euro gesenkt werden (die Kostensenkung im Bereich der Dekanate insgesamt beträgt 1 040 000 Euro). Die Dekanate Gerolstein-Hillesheim und Daun einerseits und die Dekanate Karden-Martental und Cochem-Zell andererseits fusionieren zum 1. Juli 2012. Die Dekanate Sulzbach und Saarbrücken sollen in der ersten Jahreshälfte 2013 fusionieren. Das Kostensenkungsvolumen wird durch den Wegfall von drei Dekanatsreferentenstellen, drei Dekanatskantorenstellen, drei Dekanatssekretärinnenstellen und der Sachkosten von drei Dekanatsbüros erzielt werden. Die Personalmaßnahmen werden bis spätestens Ende 2016 umgesetzt werden.

Stellen werden auch in der Hochschulpastoral abgebaut: Um das Kostensenkungsziel von 200 000 Euro zu erreichen, fallen künftig die Stellen der Hochschulpfarrer in Koblenz und Trier sowie die Pastoralreferentenstelle in Saarbrücken weg, dadurch werden 180 000 Euro gespart. Zudem werden Sachkosten in Höhe von 20 000 Euro gespart. Im Bereich der Hochschulgemeinden ist die Bistumsleitung von ihren ursprünglichen Überlegungen, sie in ihrer jetzigen Form ganz zu schließen, abgerückt. Diese Gemeinden werden also weiter existieren unter der Leitung von Pastoralreferenten.

In der Fachstelle für Büchereiarbeit werden Kosten in Höhe von 120 000 Euro gesenkt. Dazu wird bis Ende 2014 eine Stelle abgebaut, Ausgaben für die Neuanschaffung neuer Medien werden reduziert.

Die Erwachsenenverbände erhalten ab dem Haushaltsjahr 2017 einen um insgesamt 150 000 Euro verringerten Bistumszuschuss. Der Klärungsprozess hat dazu ein Modell erarbeitet, bei dem nach den Kriterien Mitgliederzahlen, Bildungsmaßnahmen, gesellschaftliches Engagement, sozial-caritative Maßnahmen sowie politisch-soziale Aktionen der Bistumszuschuss ermittelt wird. Dieses Modell wird in den folgenden Jahren nach und nach eingeführt. Über die prozentuale Gewichtung der einzelnen Kriterien ist mit den Erwachsenenverbänden noch zu sprechen.

Gebäudebestand darf die Kirchengemeinden finanziell nicht überfordern

Ein Klärungsprozess beschäftigte sich mit der Immobiliensituation im Bistum Trier. Ende Januar wurden die Kirchengemeinden bereits über die Ziele und das Verfahren zur Ermittlung eines Immobilienkonzeptes in den 173 Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften des Bistums informiert. Das Verfahren beginnt in diesem Jahr mit der Analyse der Immobiliensituation in den Kirchengemeinden. Es sollen ortsspezifische Konzepte erarbeitet werden, die vor allem zwei Grundsätze berücksichtigen: Der zukünftige Gebäudebestand darf die Kirchengemeinden finanziell nicht überfordern, das Konzept soll auf die pastoralen Erfordernisse reagieren.

Ein unmittelbarer Kostensenkungseffekt ist damit nicht verbunden. Allerdings werden, wie bereits im Oktober 2010 entschieden, die Baukostenzuschüsse bis Ende 2014 um 1,5 Millionen Euro abgesenkt. Diese Summe ist im Kostensenkungsbeitrag der Kirchengemeinden enthalten.

Zuschuss vom Land für Studenten an der Theologischen Fakultät

Freuen kann sich das Bistum über einen jährlichen Zuschuss von 400 000 Euro des Landes Rheinland-Pfalz für den Ausbildungsgang der Lehramtsstudenten an der Theologischen Fakultät Trier. Während das Bistum auf der Grundlage eines im Jahre 1970 geschlossenen Vertrages die Ausbildung künftiger Religionslehrerinenn und -lehrer bisher alleine getragen hatte, erklärte sich das Land in Refinanzierungsgesprächen bereit, einen Teil beizusteuern. Grund ist die stetig steigende Zahl der Lehramtsstudenten an der Theologischen Fakultät. Machte ihr Anteil 1970 nur 13,5 Prozent aus, so betrug er 2009 bereits 67,11 Prozent.

Während Bischof Stephan Ackermann von einem „beteiligungsorientierten Weg“ sprach, in dessen Zuge die Ergebnisse der Klärungsprozesse zustande gekommen wären, stellte die Gesamtmitarbeitervertretung des Bistums Trier (GesMAV) fest: „Die seit 15 Monaten geführten Klärungsprozesse, an denen der Generalvikar die GesMAV ausdrücklich nicht beteiligen wollte, waren in ihren Ergebnissen so zementiert, dass die dazu vorgebrachten Einwendungen der gewählten Mitarbeitervertreter augenscheinlich kein Gehör mehr finden konnten.“ Von einem beteiligungsorientierten Verfahren könne keine Rede sein.

GesMAV lehnt die Entscheidungen in wesentlichen Teilen ab

Die GesMAV lehnt die vom Bischof getroffenen Entscheidungen in wesentlichen Teilen ab und bleibt – so heißt es in einer Stellungnahme vom 2. März – bei ihrer schon 2010 vorgetragenen Position, dass der gesamte Kostensenkungsprozess in diesem Umfang nicht notwendig ist. Einsparungen wären laut GesMAV auch durch andere Maßnahmen zu erreichen: So werde allein durch Verrentungen und Neueinstellungen nach dem neuen Tarifsystem bis zum Jahr 2015 etwa 1,5 Millionen Euro und durch den Rückgang des pastoralen Personals rund vier Millionen Euro eingespart. Zudem seien die prognostizierten Defizitzahlen des Bistums in keinem der letzten Jahre eingetroffen.

Aufgrund solch unsicherer Prognosen und auf Grundlage der soliden finanziellen Ausstattung des Bistums müssten alle Entscheidungen zum Kostensenkungsbeschluss als strategische und politische Entscheidungen des Bischofs gewertet werden. Der gesamte Prozess habe in der Mitarbeiterschaft – die GesMAV vertritt etwa 2700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen des Bistums Trier – massive Verunsicherungen und große Ängste ausgelöst.

Aus Sicht der GesMAV ist insbesondere die Schließung der Katholischen Akademie nicht nachvollziehbar. Auch MdB Bernhard Kaster, Wahlkreisabgeordneter für Trier und Trier-Saarburg, der sich massiv für den Erhalt der Bildungseinrichtung eingesetzt hatte, kritisierte die Schließung. Er sprach von einem „falschen Signal“, das die Kirche damit setze. Der Wert einer solchen Einrichtung für die Stellung der Kirche in Politik und Gesellschaft könne nicht hoch genug eingeschätzt werden.

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