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Wer war eigentlich dieser Wilmowsky?

Foto: Markus Groß-Morgen präsentiert eine Holzschatulle.
Eine wertvolle Schatulle aus dem Nachlass von Johann Nikolaus Wilmowsky stellt Museumschef Markus Groß-Morgen vor.
Foto: Christine Cüppers

Eine Straße im Trierer Ostviertel trägt den Namen Wilmowskys. Im Domviertel kann man seinem Namen begegnen. Die Frage zu beantworten, wer der Mann war, hatte sich das Museum am Dom für die Trierer Museumsnacht vorgenommen.

Von Christine Cüppers

Trier. „Ich kenne Wilmowsky nur vom Straßenschild“, gesteht Dr. Marlene Witek. Ihre Freundin und Museumsnacht-Begleiterin Regina Stoffels dagegen verbindet weit mehr mit dem Namen, ist aber dennoch gespannt auf den Vortrag im Museum am Dom. Und danach haben beide neue Antworten auf die spannende Frage „Kennen Sie Wilmowsky?“

Diese Frage steht nicht nur weithin sichtbar an der Fassade des Museums in der Sichelstraße. Sie bildet auch den Kern aller Vorträge, die im Rahmen der Trierer Museumsnacht im Bischöflichen Museum gehalten werden. Markus Groß-Morgen, Professor Dr. Winfried Weber und Mario Simmer spüren in ihren Beiträgen der Persönlichkeit des 1801 in Böhmen geborenen und 1880 in Trier gestorbenen Johann Nikolaus von Wilmowsky nach.

Dabei lernen die rund 1000 Gäste des Abends (insgesamt besuchten etwa 5400 Menschen die Trierer Museumsnacht) einen Domkapitular und frühen Augenzeugen des Heiligen Rockes kennen, einen Pionier auf dem Gebiet der Archäologie und akribisch arbeitenden Wissenschaftler, einen begabten Zeichner und Maler. Aber es wird auch deutlich, dass dieser Wilmowsky keine einfache Persönlichkeit war und wenig diplomatisch in seinem Verhalten.

1842 von Bischof Hommer zur Renovierung des Domkreuzgangs nach Trier berufen, legte Johann Nikolaus von Wilmowsky mit seiner Sammlung all dessen, was er bei den Ausgrabungen fand, den Grundstein für das spätere Diözesanmuseum. Auch im Trierer Umland machte er sich als Ausgräber einen Namen, etwa bei seiner Arbeit in der römischen Villa in Nennig.

Kritische Ansichten über den Heiligen Rock

Von seinen zahlreichen Publikationen stieß vor allem der Beitrag über seine Betrachtung des Heiligen Rockes 1844 auf große Resonanz. Bei seinem Anschauen der Reliquie kurz bevor sie wieder verschlossen wurde, kam Wilmowsky nämlich zu dem Ergebnis, dass Jesus Christus niemals ein so wertvolles Seidengewand getragen habe. Daher handele es sich bei dem Stoff, den er gesehen habe, wohl um eine Umhüllung der eigentlichen Tunika. Diese dem heutigen Kenntnisstand entsprechende Aussage trat heftigste Reaktionen los, die schließlich wohl auch zur Entfremdung Wilmowskys mit dem Domkapitel und dem Bischof führten – Grund dafür, dass der Domkapitular nicht wie üblich im Domkreuzgang, sondern auf dem Friedhof von St. Paulin beigesetzt wurde.

Einige Aussagen Wilmowskys und auch andere kritische Stimmen zum Heiligen Rock trägt der Trierer Schauspieler Michael Ophelders bei der Museumsnacht im idyllischen und extra illuminierten Innenhof des Dommuseums vor. Zusammen mit Sebastian Matz am Piano sorgt er mit seinem Saxophon auch für den guten Ton der Veranstaltung. Leckere Eintöpfe von „Zuppa“ ergänzen das gelungene und begeistert angenommene Angebot des Museums, dessen kommissarischer Leiter Markus Groß-Morgen gegen Mitternacht ein erfreulich positives Resümee über diese inzwischen schon traditionelle „Nacht im Museum“ abgeben kann.

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