Der Umschlag des Nachdrucks greift auf das Original von Bertha Gumprich zurück.

Weit mehr als „nur“ ein Kochbuch

Bertha Gumprichs Sammlung von über 900 jüdischen Rezepten war eine Wiederauflage wert

Als Kochbuch und als historisches Zeugnis ist dieses Buch eine Entdeckung wert: Bertha Grumprichs 1888 im Selbstverlag in Trier erschienenes Werk zur jüdischen Küche, jetzt als Nachdruck wieder aufgelegt.

Sie muss eine bemerkenswerte Frau gewesen sein, diese Jüdin Bertha Gumprich, 1832 in Nickenich bei Andernach als Sybilla Mayer geboren. 1860 heiratete sie in Trier Joseph Gumprich, der 1892 starb. Die Autorin selbst sagt im Vorwort ihres Buchs über sich, sie habe 30 Jahre im Dienst der Kochkunst gestanden und sei bei allen herausragenden jüdischen Festen im Regierungsbezirk Trier als Köchin tätig gewesen. Dies ließ sie Mut fassen, ihre „selbstgeprüften und bewährten Rezepte zur Bereitung aller Speisen, Getränke, Backwerke und alles Eingemachten für die gewöhnliche und feinere Küche“ zusammenzustellen und 1888 im Selbstverlag in der mutigen Auflage von 1 000 Exemplaren zu veröffentlichen. Mutig, weil es in Trier selbst damals nur etwa 100 jüdische Haushalte gegeben haben dürfte. Sie setzte also wohl auf Bedarf auch in vielen christlichen Haushalten und über das Trierer Umfeld hinaus – und behielt recht. Noch bis zum Tod Gumprichs 1901 (ihr Grab ist auf dem jüdischen Friedhof in Trier in der Weidengasse) erschien das Buch weitere zwei Mal bei Lintz in Trier, dann folgten weitere sechs Auflagen bis 1924 bei Kaufmann.

Da in Trier auch durch Medienaufrufe kein Exemplar des „Rathgebers für jede Hausfrau“ mehr zu finden war, entstand die Idee zur jetzigen Neuauflage im Wissenschaftlichen Verlag auf der Basis der zweiten Auflage aus dem Jahr 1896 (anstelle der alten Frakturschrift wurde die heutige Normalschrift verwandt). Nicht zufällig wurde das Buch mit dem Neuen Trierischen Jahrbuch 2002 vorgestellt, denn es gibt auch Einblick in die damals rund 800 Personen umfassende Trierer jüdische Gemeinde.

Der Inhalt des Originalbuchs ist sehr sinnvoll durch eine Biographie der Autorin und durch eine Erläuterung der jüdischen Speisegesetze ergänzt worden, ebenso durch ein Glossar und ein Verzeichnis der jüdischen Feiertage. Und dass mit Bertha Gumprich küchentechnisch eine Praktikerin am Werk war, merkt man schon beim Durchlesen der Rezepte: Die Angaben sind knapp und präzise, die Zutaten keineswegs exotisch – die 940 Rezepte reizen spontan zum Nachkochen und Ausprobieren.


Bertha Gumprich: Vollständiges Praktisches Kochbuch für die jüdische Küche. Neuauflage durch den Wissenschaftlichen Verlag Trier, hrsg. von Annette Haller und Heinz Monz, Trier 2002, 289 S., brosch., ISBN 3-88476-560-4, 23 Euro