Blick auf die Anlage in St. Thomas.

Claudia Winkler und Hermann Wilhelmi.


Patronatsfest im Bischöflichen Priesterhaus St. Thomas

Ein Ort mitAtmosphäre und Geschichte

Ein Bildbericht von Stefan Burr

Die Menschen kommen deshalb so gerne zu uns, weil das Haus Atmosphäre hat“, betont Hermann Wilhelmi, der Direktor des bischöflichen Bildungs-, Exerzitien- und Priesterhauses St. Thomas. „Wir hören das immer wieder von unseren Besuchern.“ Die malerische Landschaft des Kylltals, die erwürdigen Gebäude des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters, die substanzerhaltende, vorsichtige Restaurierung der Räume und der Stil, wie das Haus geleitet wird – all dies wirkt zusammen und bringt das hervor, was die Gäste mit „Atmosphäre“ bezeichnen und was sie zur Wiederkehr bewegt, so dass Heimleiterin Claudia Winkler feststellen kann: „Wir können uns über Belegungsmangel nicht beklagen.“

1852 wurde das ehemalige Zisterzienserinnenkloster vom damaligen Trierer Bischof als Demeritenhaus für Geistliche eingerichtet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Einrichtung nach und nach ihre heutige Aufgabe als Exerzitien-, Besinnungs-, und Bildungshaus. Die lange Tradition, die das Haus prägt, geht aber sehr viel weiter zurück. Dies wurde erneut deutlich beim Patronatsfest des Hauses und der Pfarrei St. Thomas am 29. Dezember, dem Todestag von Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury, 1170 an diesem Tag von Schärgen des englischen Königs ermordet. Professor Dr. Andreas Heinz erläuterte in seinem Vortrag „Erste Spuren der St. Thomas-Verehrung im Kylltal“, dass die Tradition der St.-Thomas-Verehrung an diesem Ort eine der ältesten außerhalb von England ist und wahrscheinlich die älteste in Deutschland. William von Canterbury, noch von Thomas selbst zum Diakon geweiht, begann kurz nach dessen Tod, Gebetserhörungen aufzuschreiben. In diesem „Mirakelbuch von Canterbury“ findet sich ein Eintrag, wonach zwei burgundische Zisterzienseräbte 1175 über wunderbare Gegebenheiten in einer Kapelle im Umkreis von Himmerod im Zusammenhang mit Gebeten zu Thomas berichteten. Nach Heinz kann es sich hierbei nur um das heutige St. Thomas handeln, so dass es also schon vor 1175 an diesem Ort ein dem Thomas geweihtes Oratorium gab. „Es waren die Zisterzienser von Himmerod, die dafür sorgten, dass die Wundertätigkeit des Thomas-Heiligtums im Burgundischen bekannt wurde und auf diesem Weg die Kunde dann nach Canterbury gelangte“, betont der Trierer Theologe.

Die Bandbreite der Besuchergruppen des Hauses ist genauso groß wie die Altersspanne der Gäste – vom Baby bis zum Greis. So gibt es Bildungsfreizeiten für Familien mit Kindern, Kindersingfreizeiten, Angebote für Behinderte oder Familien mit Behinderten. Und natürlich Exerzitienkurse, Besinnungstage und Bildungsangebote.

Direktor Wilhelmi betont: „Unser Haus ist aber primär für die kirchlichen Dienste da, das heißt für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirche.“ So finden sich im Jahresplan Gruppen von Küstern, Pfarrsekretärinnen, Priestern, Organisten, Chören, Pastoral- und Gemeindereferentinnen, der verschiedenen Räte, Gottesdiensthelfern und Bischöfen.

„Im April 2000 haben 40 deutsche Bischöfe Exerzitien in St. Thomas gemacht, und sie waren außerordentlich beeindruckt vom Haus und wollten gleich einen weiteren Termin“, erzählt Hermann Wilhelmi mit berechtigtem Stolz, „aber es war schon nichts mehr frei.“ Wer hier einen Termin haben will, muss gut ein Jahr vorher buchen. „Schwerpunkt im Haus sind Fremdbelegungen“, erzählt Claudia Winkler. „Dennoch haben wir ein umfangreiches eigenes Programm, das wir auf Wunsch gerne zuschicken.“

„Wir machen Gruppen, die zum ersten Mal bei uns buchen, schon am Telefon darauf aufmerksam, dass unser Haus eine bestimmte Atmosphäre hat, die für die Besucher bindend ist“, erläutert Wilhelmi. „Das Religiöse ist die allererste Intention des Hauses, und die Gruppen, die zu uns kommen, wissen und wünschen dies und kommen auch deshalb zu uns..“ Auch die Belegung durch parallele Gästegruppen wird aufeinander abgestimmt. Claudia Winkler: „Zu einem Exerzitienskurs nehmen wir zum Beispiel keine Familienfreizeit mit Kindern ins Haus.“

Seit 1998 können auch Einzelpersonen, die Besinnung und Ruhe mit geistiger Begleitung suchen, ins Haus kommen. Früher war dies nur Geistlichen und Ordensfrauen vorbehalten, aber nun steht diese Möglichkeit allen Hauptamtlichen offen.

Die Lage von St. Thomas in der Kyllburger Waldeifel lädt ein, nicht nur im Haus zu bleiben, berichtet Hermann Wilhelmi. „Viele Gruppen nutzen die schöne Gegend, um in ihren freien Stunden zu wandern und spazieren zu gehen.“