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Für Ächtung von Atomwaffen

Foto: Michael Merten
Bischof Ackermann beim Friedensgebet in Büchel. Links Diakon Horst-Peter Rauguth, Geistlicher Beirat von Pax Christi.

Für Ächtung von Atomwaffen

Von: Michael Merten | 16. Juli 2017
Der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann hat sich bei einem Friedensgebet am mutmaßlich einzigen deutschen Atomwaffenstützpunkt für eine Abschaffung der Nuklearwaffen stark gemacht.

Für die drei Polizisten vor dem Luftwaffenstützpunkt Büchel in der Eifel ist ihr Einsatz am Nachmittag des 6. Juli eine entspannte Angelegenheit. Anders als ihre Kollegen in Hamburg, die mit einem Großaufgebot die gegen den G20-Gipfel demonstrierenden Massen im Zaum halten müssen, beschränkt sich ihre Aufgabe beim Friedensgebet darauf, ein paar vorbeifahrende Autos auf Abstand zu halten.

Die rund 100 Teilnehmer, die einem Aufruf der katholischen Friedensbewegung Pax Christi gefolgt sind, sind nicht auf Krawall aus. Im Gegenteil: Unter dem Klang von sanfter Gitarrenmusik, die gelegentlich vom Lärm startender Tornados oder vorbeifahrender LKW übertönt wird, ziehen sie mit Fahnen und Bannern vom Tor der Kaserne zur sogenannten Friedenswiese etwa einhundert Meter weiter. Sie singen Gotteslob-Lieder.

„Habt Ihr das eigentlich angemeldet?“, erkundigt sich der prominenteste Gast, Stephan Ackermann, Bischof von Trier. „Es ist angemeldet, aber: Ein Gebet muss man nicht anmelden“, erklärt ihm der Saarbrücker Diakon Horst-Peter Rauguth, der Geistliche Beirat der Deutschen Sektion von Pax Christi. „Atomwaffen sind ein Verbrechen gegen die Menschheit.“

Papst Franziskus ist per Transparent präsent

Schon seit vielen Jahren kommen die Friedensaktivisten immer wieder nach Büchel. Auf der Gemarkung des 1200-Seelen-Dorfs bei Cochem ist in einem Fliegerhorst seit 1958 das Taktische Luftwaffengeschwader 33 stationiert. Es ist unter anderem für die Bewachung von US-Einrichtungen in Deutschland zuständig.

Was die Angelegenheit brisant macht: Mutmaßlich lagern dort bis zu 20 US-amerikanische Atombomben; es sind wohl die letzten Nuklearsprengköpfe auf deutschem Boden. Relikte des Kalten Krieges.

Die Bundeswehr will aus Sicherheitsgründen Mutmaßungen der Friedensbewegung zur Anzahl, zu vermuteten Lagerorten sowie dem Umgang mit Nuklearwaffen weder bestätigen noch kommentieren. „Das ist geheim“, sagt Rauguth, „aber es wurde noch nie dementiert“. Zudem gebe es amerikanische Quellen, die von Modernisierungsplänen für die Waffen berichteten.

Die Mehrzahl der Aktiven ist 50 Jahre und älter; viele haben schon in den 80er Jahren gegen die Aufrüstungsvorhaben der NATO demonstriert. Zwei Frauen halten ein weißes Banner mit einem Konterfei von Papst Franziskus hoch. Darauf ist seine Mahnung zum Weltfriedenstag am 1. Januar zu lesen: „Die atomare Abschreckung und die Drohung der gesicherten gegenseitigen Zerstörung können kein Fundament für eine Ethik der Brüderlichkeit und der friedlichen Koexistenz zwischen Menschen und Völkern sein.“

Nach dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, der 2014 Büchel einen „Stachel im Fleisch des zerbrechlichen Friedens“ nannte, ist nun erstmals ein katholischer Bischof an dem Stützpunkt. Er sei nicht gekommen, um gegen die Soldaten zu demonstrieren, versichert er. Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax kritisiert, dass die Bundesregierung nicht an der zweiten Vorbereitungskonferenz der Vereinten Nationen (UN) für ein Verbot von Nuklearwaffen teilgenommen hat.

Warnung vor Atomwaffen in Hand von Terroristen

Zwar verfüge Deutschland nicht über Atomwaffen, doch aufgrund der so genannten nuklearen Teilhabe sei es in das System der atomaren Abschreckung eingebunden, sagt Ackermann. „Biologische und chemische Waffen sind bereits weltweit geächtet. Atomwaffen nicht.“ Von den Sprengköpfen gehe auch nach dem Kalten Krieg noch eine große Gefahr aus. „In Zeiten von internationalem Terrorismus verfügen nicht mehr nur staatliche Akteure über Atomwaffen, sondern diese können auch von Menschen mit terroristischen Absichten und ohne die rationale Furcht vor dem eigenen Tod entwendet werden.“



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