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Blut, das an Handys klebt

Foto: Hans Georg Schneider
Viele Gespräche wurden mit Passanten geführt.

Blut, das an Handys klebt

Von: Hans Georg Schneider | 1. Juni 2014
Saarlouis: Junge Leute aus Saarlouis engagieren sich für Menschen im Kongo.

"Wissen Sie, dass an Ihrem Handy Blut klebt?" Wer sich auf diese Frage einlässt, erfährt an diesem Morgen in der Saarlouiser Fußgängerzone eine Menge über sein Mobiltelefon. Schülerinnen und Schüler der Erweiterten Realschule "In den Fliesen" geben Informationen zur Produktion von Handys, wie man sie sicher bei den Verkaufsgesprächen in den überall gegenwärtigen Handyshops noch nie gehört hat.

Um die Gewinnung von "Coltan" im Kongo ging es den jungen Leuten aus der Klassenstufe 10, die am 16. Mai in der Französischen Straße ihren Informationsstand aufgebaut haben. Aus dem seltenen Erz Coltan werde der wichtige Handy-Rohstoff Tantal gewonnen. Im Kongo werde dieses Erz unter ausbeuterischen Bedingungen gefördert. Hier tobe seit Jahren ein Krieg um den Rohstoff, der schon viele Tote gefordert habe. Ganze Dorfgemeinschaften müssten wegen der Gewinnung des Rohstoffes fliehen. Diverse ethnische Gruppen, Militärs und paramilitärische Verbände bekriegten sich im Kampf um die Bodenschätze. Die Bevölkerung zahle die Zeche mit Blut. Gefördert werde dann unter unmenschlichen Bedingungen. Arbeiter erhielten gerade mal vier Euro pro 50 Kilogramm und müssten dafür das Material auf Säcken tagelang durch den Dschungel schleppen.

Moritz, Anastasia, Jakob, Tobias und ihre Kolleginnen und Kollegen haben sich gut vorbereitet. Sie sprechen die Passanten an, argumentieren ruhig und sachlich. Was man denn tun könne? Anastasia stellt die Unterschriftenliste vor. Mit vielen Unterschriften wollen sie dazu beitragen, dass Handyhersteller auf das Problem reagieren und künftig im Kongo gewonnene Rohstoffe nicht mehr verbauen.

Der "Missio-Truck" hat zu der Aktion angeregt

Mehrere Hundert Unterschriften erhoffen sie sich bis zum Ende der Aktion. "Auch weil in unserer Schule noch viele unterschreiben", sagt Schulleiterin Ute Strozynski. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Leiter Uwe Burg und Pastoralreferent Sven Hogen hat sie das Schulprojekt "Blutige Handys" gefördert. Entstanden war die Aktion nach dem zweimaligen Besuch des aktuellen "Missio-Trucks" in der Schule. In diesem Sattelzug des katholischen Hilfswerks geht es – spielerisch und jugendgemäß aufbereitet – um das Thema Flucht in Afrika. Der blutige Abbau von Coltan ist dabei eine der Ursachen für zigtausendfache Flüchtlingsschicksale.

So motiviert hatten die Schülerinnen und Schüler überlegt, was sie selbst tun könnten. Neben Unterschriften sammele man deshalb auch alte Handys ein, erklären Moritz und Jakob. Die würden recycelt; so werde der nötige Rohstoff aus den alten Geräten gewonnen. An dem Morgen kommen nicht viele Handys zusammen. Das war den jungen Leuten klar. Niemand habe ein altes Handy zum Weggeben dabei. Deshalb werde jetzt – nach gründlicher Informationsarbeit – noch vier Wochen weiter gesammelt. Abgeben kann man die Handys in der Schule (St. Nazairer Allee 6) und im Eine-Welt-Laden "La Tienda".



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