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Zwei Gläser, die die Welt bedeuten können

Foto: Linda Bößing
Jede Brille will genauestens untersucht werden: Johannes Klein (links) und Andrea Ehrlich bei der Arbeit.

Zwei Gläser, die die Welt bedeuten können

Von: Linda Bößing | 15. Januar 2017
„Brillen Weltweit“ heißt die Aktion unter der Federführung des Deutschen Katholischen Blindenwerks (DKBW), die gebrauchte Brillen sammelt, um damit Bedürftigen ein Stück Lebensqualität zurückzugeben.

Tonnenweise Brillen stapeln sich in einer ehemaligen Schlecker-Filiale in Koblenz. Und das ist wörtlich zu verstehen: Mehrere Blechtonnen sind bis zum Anschlag mit Sehhilfen gefüllt: Damenbrillen, Herren- und Kinderbrillen, Sonnenbrillen in allen erdenklichen Formen und Farben. Daneben Nasenpads, Bügel und Schrauben, an den Wänden weitere Kartons mit Brillen, fein säuberlich sortiert nach Art und Dioptrien. Und jeden Tag kommen etwa 1300 dazu. Koblenz ist die Zwischenstation, bevor die Brillen sich auf den Weg rund um den Globus zu bedürftigen Menschen machen, die sich keine Sehhilfe leisten können.

Seit den 1970er Jahren werden in der Stadt im Bistum Brillen gesammelt. Der Deutsche Stephan Klaus Kiefer und der französische Abt Francois Meyer hatten damals dieselbe Idee: Sehhilfen von denjenigen sammeln, die sie nicht mehr brauchen, und an diejenigen weitergeben, die sie sich nicht leisten können.

Die beiden Männer wussten nichts voneinander, und so sammelte jeder für sich, der eine in Koblenz, der andere in Hirsingue im Elsass. Bis ein gemeinsamer Freund die beiden schließlich zusammenbrachte und sie fortan miteinander kooperierten. Viele Brillen wurden in Deutschland gesammelt und zur Bearbeitung nach Frankreich geschickt.

Jährlich werden rund 300 000 Brillen bearbeitet

Als im Jahr 2005 das Kapuzinerkloster im Elsass schließen musste, geriet die Aktion ins Stocken. Aufgrund von Platzmangel konnten keine Brillen mehr aus Deutschland angenommen und gelagert werden.

Aufgeben kam nicht in Frage, und so mussten Ort und Kräfte gefunden werden, um die Brillen in Koblenz zu bearbeiten und zu verschicken. Dazu haben sich im Jahr 2008 das Deutsche Katholische Blindenwerk, die Inklusionsfirma „BEST“ aus Boppard und die Stiftung Bethesda – St. Martin mit Unterstützung der Agentur für Arbeit zu „Brillen Weltweit“ zusammengeschlossen.

Und auch der Keller des mittlerweile als Therapiezentrum genutzten Klosters im Elsass ist heute wieder mit Brillen gefüllt, die darauf warten, bedürftigen Menschen ein Stück Lebensqualität zurückzugeben.

Johannes Klein vom DKBW investiert neben seiner Arbeit als Pharmazeut viele Stunden in das Brillenprojekt. Zwei Projektleiter und 30 Mitarbeiter stehen ihm zur Seite, um Herr über die jährlich rund 300 000 angelieferten Sehhilfen zu werden.

Seit fast 25 Jahren vermittelt die Inklusionsfirma  „BEST“ Menschen mit Beeinträchtigungen und Langzeitarbeitslose in Projekte wie „Brillen Weltweit“. „Die Menschen werden so wieder an einen geregelten Tagesablauf und den Arbeitsmarkt herangeführt“, erklärt Andrea Ehrlich, die als Sozialarbeiterin für „BEST“ tätig ist.

„Wir wissen nie, wer uns von der Arbeitsagentur geschickt wird, aber wir finden hier für jeden die passende Tätigkeit“, sagt Ehrlich. Von Aufgaben für den kräftigen Grobmotoriker bis hin zum Einsetzen kleinster Schrauben, die viel Fingerspitzengefühl verlangten, sei alles dabei. Denn von der Lieferung bis zum Verlassen des Lagers durchläuft eine Brille viele Stationen.

Zwischen acht und zwölf Uhr öffnet sich in der „Brillen-Fabrik“ die Tür für Lieferungen.

  • Info
    Gebrauchte Brillen können geschickt werden an: Aktion Brillen Weltweit, Moselweißerstraße 36,
    56073 Koblenz

    Auch für Geldspenden ist die Aktion dankbar: Spendenkonto Deutsches Katholisches Blindenwerk, IBAN DE72 5705 0120 0036 0013 11

    Bei Fragen: Johannes Klein: Telefon (02 61) 9 82 49 95, E-Mail johannes.klein@sophien-arzneimittel.de
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