Nicht zu übersehen: Der riesige Lastwagen (englisch: Truck) von Missio, der das Thema Aids multimedial behandelt, machte Station in Saarlouis. Foto: Walter Faas

Alle sechs Sekunden: infiziert!

Schockierende Botschaften an Bord: Aids-Truck von Missio war wieder unterwegs im Bistum

Von Walter Faas

Saarlouis. Der „Aids-Truck“ des Internationalen Missionswerkes Missio war an mehreren Orten im Bistum Trier unterwegs, auf öffentlichen Plätzen und in Schulen. Der „Paulinus“ war jetzt in Saarlouis vor Ort.

Vor wenigen Tagen zu Unterrichtszeiten an der Erweiterten Realschule (ERS) „In den Fliesen“ in Saarlouis: Viele Schüler haben unübersehbar einen anderen ethnischen Hintergrund als den deutschen.

Im überlangen Aids-Truck von Missio „beamen“ sich die Schüler innerhalb weniger Augenblicke von Mitteleuropa nach Zentral- und Südafrika. Ganz einfach geht das: Missio-Mitarbeiter verteilen tragbare CD-Roms mit Steuergeräten und Kopfhörer an die Schüler, auch an den „Paulinus“-Berichterstatter.

Die Besucher wählen für den Gang durch die Ausstellung, der zwischen 25 und 45 Minuten, je nach Interesse, dauert, eine der Personen aus, die den fiktiven Chat per Hörspiel begleiten: entweder der junge Charles aus Südafrika oder das Mädchen Kajunga aus Uganda. Uganda steht für ein Land mit bereits erfolgreicher Präventionsarbeit, während die Aids-Aufklärung in Südafrika noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Die Schicksale, die hinter den Zahlen stehen

Begleitet wird das Hörspiel von intensiv klingender afrikanischer Kwaito-Musik. Der Kwaito-Stil wurde vor rund 20 Jahren in den südafrikanischen Township-Vorstädten geprägt; es handelt sich um einen Mix aus Beat, House, Hip-Hop und Sprechgesang in Zulu, Sotho, Tsotsitaal und anderen Sprachen.

Verstärkt wird der multimediale Vortrag durch Fotos und Filme, von nachgebauten afrikanischen Hütten mit kompletter Einrichtung, eingespielten Geräuschen und Sachinformationen. Eindringlich tickt auch eine Uhr. Sie soll daran erinnern, dass sich alle sechs Sekunden irgendwo auf der Welt ein Mensch mit Aids infiziert, vor allem in Afrika.

Der 17-jährige Charles lebt in Johannesburg. Seinen besten Freund Archie, der ein bereits infiziertes Mädchen vergewaltigt hat, hat er durch Aids verloren. Tagsüber geht Charlie, der selbst befürchtet, HIV-positiv zu sein, in ein von der Kirche geleitetes Zentrum für Jugendliche. Die 14-jährige Kajunga lebt bei einer Tante in einer kleinen Hütte ohne fließendes Wasser. Die Aidsseuche hat sie zur Vollwaise gemacht.

Da kommen eine ganze Menge Fragen auf

Die ERS-Schüler in Saarlouis hören interessiert zu. Auf einer Pinnwand hinterlassen sie ihre eigenen Erfahrungen im Umgang mit Krankheit, Sterben und Tod. In Diskussionsrunden, die sich anschließen, wird die Krankheit Aids von vielen Seiten beleuchtet. Dies spiegelt sich in den Fragen und Beiträgen der Schüler, etwa: „Wie überträgt sich das Virus? Wie kann man sich schützen? Welche Behandlungs-Möglichkeiten gibt es, in Afrika und im reichen Europa? Welche gesellschaftlichen und politischen Schlussfolgerungen sind zu ziehen?“

„Die Schulen hatten sich im Vorfeld bestens vorbereitet und wollen im Rahmen von Projektwochen auch am Thema dranbleiben“, erklärt die Trierer Missio-Diözesanreferentin Andrea Tröster. Insgesamt sei die Bistums-Tour des Missio-Trucks durch das Bistum gut verlaufen, zeigt sich die Diözesanreferentin zufrieden (über die Station Betzdorf berichtete der „Paulinus“ bereits auf der Koblenzer Regionalseite).

Der großen Nachfrage wegen sei die Informationsreise durch das Bistum in diesem Jahr um eine ganze Woche verlängert worden, sagt Tröster. Bereits jetzt lägen viele Anfragen für das kommende Jahr vor. Tröster: „Wir wollen auf jeden Fall dicht am Thema bleiben.“

Nähere Informationen beider Missio-Diözesanreferentin Andrea Tröster, Hinter dem Dom 6, 54290 Trier, Telefon (06 51) 71 05-5 98.